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Café Jérôme_Kassel

Juli 21, 2015

Eine kleine, völlig ruhig und isoliert liegende Terrasse, eine gute Küche und wohl auch eine noch exquisitere Kuchenauswahl im modern gestylten eigentlichen Lokal im 50 Meter entfernten Eingangsbereich der berühmten Gemäldegalerie Alte Meister (von Rubens bis Rembrandt): Das ist schon viel wert. Was diese Außenterrasse jedoch vor allem auszeichnet ist ihre Lage: mit dem Rücken zum Schloss Wilhelmshöhe bietet sich ein 180 Grad-Blick ins Grüne des 2013 zum Weltkulturerbe ernannten Kasseler Bergparks.

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Das Café Jérôme ist eines von vier recht exquisit daherkommenden, jedenfalls so vermarkteten Café-Restaurants im und am Park mit den Wasserspielen am Herkules, von dem aus meine Mutter Ende August 1964 mit kräftigen Schritten die Treppen herunter gelaufen ist (nachdem schon Busfahrten hinten auf der Achse ohne Erfolg geblieben waren), um meine Geburt etwas zu beschleunigen, galt es doch, noch eine auslaufende Kinderprämie mitzunehmen: Umsonst, ich bequemte mich erst am 1. September etwa 2 km südlich bergab im Rotkreuzkrankenhaus zur Welt zu kommen…

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Entstanden ist das Café wohl erst vor etwa drei Jahren. Im Museumstrakt sitzt man mit Blick auf historische Artefakte unter etwas zu hohen Fenstern, als dass man sich nicht doch etwas eingeengt fühlen würde – jedenfalls im Vergleich zu draußen.

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Die Preise sind zivil: Wir aßen Kartoffeln mit Schmand für 7,50 EUR und einen Thunfischsalat für 8,50 EUR. Was ist sonst noch zu erwähnen? Ach ja: Jérôme Bonaparte war der jüngste Bruder Napoleons, erklärte uns eine der Kellnerinnen, die für jedes Getränk und jede Speise gut 50 Meter aus der Schlossküche zu laufe hatte. Auf meine Frage, ob das der Napoléon war, der hier nach meinen Informationen eingesperrt worden war, konnte sie nichts antworten. Tatsächlich war Jérôme nach dem Frieden von Tilsit von 1807 bis 1813 zum König des Königreichs Westphalen bestimmt worden und herrschte vom Kasseler Stadtschloss aus (hier auf der Höhe lebte nur der Hofstaat). Ob das seinem Wunsch und Willen entsprach, kann ich nicht beurteilen.

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

Der König wurde von den Bürgern der Stadt als „König Lustig“ bezeichnet, da sich seine deutschen Sprachkenntnisse offenbar in den Sätzen „Morgen wieder lustig!“ und „lustik, lustik demain encore lustik“ erschöpft haben sollen. Auch seinen Regierungsstil soll dieser Name charakterisiert haben. Sein Vorname ist im nordhessischen Dialekt als Bezeichnung für einen Schalk oder Schürzenjäger verballhornt, was sich wohl bis heute erhalten hat („Schrohm“). Jérôme steht aber auch für das erste Parlament auf deutschem Boden, 1810 im heute vor allem durch die Documenta bekannten Fridericianum als Palast der Stände eingerichtet, für das Gesetzbuch Code civil (u. a. in Kassel in deutscher Sprache gedruckt) und für die älteste deutsche Verfassung, wie ich im Nachhinein aus Wikipedia gelernt habe. Nach der Völkerschlacht von Leipzig wurde das Königreich aufgelöst.

Adresse: Cafe Jérôme, Schlosspark 1, 34131 Kassel,  Homepage

Café Jérôme_Kassel © Ekkehart Schmidt

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  1. Starbucks widerstehend: Kaffeehaus-Originale | akihart

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