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Winckelmann Café_Stendal

Juli 19, 2015

Natürlich ist die Altmark alles andere als eine boomende Wirtschaftsregion und am Bahnhof ihrer historischen Hauptstadt Stendal hält der ICE von Wolfsburg nach Berlin nur ein paar Mal am Tag. Dennoch war es für mich sehr erstaunlich, hier ein Café und Restaurant zu finden, das einen Mittagstisch mit Preisen ab 2,90 Euro anbietet. Das unscheinbare Lokal am Rand der mittlerweile sehr schön restaurierten und zudem lebendigen Altstadt hätte ich auch kaum wahrgenommen, obwohl ich mittlerweile einen Blick für authentische Betriebe entwickelt habe. Da meine Schwägerin aber in der Region einen alten Hof geerbt hat und dort vor zwei Jahren die Taufe der Söhne gefeiert werden sollte, machte sie sich mit meinem Bruder auf die Suche nach einem Catering-Service. Man fand Müllers Partyservice, wollte deren Qualität einmal testen und tat dies in diesem Lokal, einem von drei Restaurants des Anbieters. Der erste Besuch war so überzeugend, dass sie seitdem bei jedem Urlaub alle paar Tage hier mittags vorbei schauen. Also nahmen sie uns mit, als wir diese Woche zu Besuch waren.

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

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Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Das sehr klassisch wirkende Interieur wurde von einem Berliner Innenausstatter von Kneipen erstellt und vor 17 Jahren hier eingebaut. Die Sammlung Maßkrüge, die auf einem Sims unter der Decke platziert wurde, „wächst einem so zu“, wie die sympathische Kellnerin sagt. Mittlerweile sind es gut 50 Stück, da wird es dann schon ernst…

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Vielleicht ist das Winckelmann Café tatsächlich nicht nur eine Geheimtipp in Sachen preiswerter Küche für Rentner und Besucher des nahen Krankenhauses, sondern auch in Bezug auf authentische altmärkische Kost. Ich kann das schwer beurteilen, aber die Soljanka für 3 Euro und die Königsberger Klöpse für 3,40 Euro, die wir als Tagesgericht aßen, waren ordentlich. Ich bin kein Fan „gutbürgerlicher“ Küche, aber manche Angebote der Speisekarte – von Altmärkischer Hochzeitssuppe über Ungarischem Kesselgulasch zu Spanferkelrollbraten und Kassler Nackenbraten – hätte ich durchaus gerne einmal probiert. Nachmittags gibt es zudem hausbackene Kuchen und Eis.

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

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Und Winckelmann? Das klingt authentisch, wie ein altes Lokal aus DDR-Zeiten. Aber das wäre ein Trugschluß. Der Inhaber heißt Müller und das Lokal existiert seit 1998 in den Räumen eines früheren Reparaturbetriebs für Nähmaschinen in einem kleinen Fachwerkhaus. Es ist benannt nach Johann Joachim Winckelmann, dem Begründer der Klassischen Archäologie und Kunstgeschichte, der 1717 in Stendal geboren wurde. Der berühmteste Sohn der Stadt, dessen Porträt über unserem Tisch hing und dessen Kurzbiographie auf der Webseite des Lokals einen gesonderten Platz bekam, wird bei Wikipedia auch als geistiger Begründer des Klassizismus im deutschsprachigen Raum bezeichnet.

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Das Restaurant verfügt über zwei durch ein Treppchen voneinander getrennte Gasträume. Eine Reservierung ist sinnvoll, schließlich verfügen diese Räume nur über 9 bzw. 16 Sitzplätze und da man in der Altmark früh aufzustehen scheint, wird schon ab 11 Uhr zu Mittag gegessen. Im Hof befindet sich ein Wintergarten, in der ersten Etage scheint es noch einen separaten Nebenraum zu geben. Egal ob zum Kaffee oder zum Mittagstisch: Hier kann man sich wohlfühlen, etwas tratschen und sich wirklich als Gast in Stendal fühlen, dieser sympathischen Stadt, die einem Merian-Autor noch 1990 als Inbegriff einer lähmenden Resignation galt.

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

Adresse: Altes Dorf 25, 39576 Hansestadt Stendal, Tel.: (03931) 79 68-70 Fax: -71, Homepage

Verwendete Quelle: Heidenreich, Gert: Sachsen-Anhalt: Nichts zum „Anliebeln“, Merian, 43. Jg., Nov. 1990, S.15-34, 31

Winckelmann Café_Stendal © Ekkehart Schmidt

From → Cafés

2 Kommentare
  1. oft vorbeigefahren…. nie wahrgenommen. danke für diesen Tipp.

Trackbacks & Pingbacks

  1. Starbucks widerstehend: Kaffeehaus-Originale | akihart

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