Skip to content

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken

Mai 28, 2015

In den ersten Wochen, nachdem ich 1994 nach Saarbrücken in die Mainzer Straße gezogen bin, fielen mir diese weißen Pfeile auf, die an Jahrhundertwendehäusern runter zu Kellerfenstern wiesen. Ich kannte das von meinen früheren Wohnorten Köln, Bonn und Marburg nicht. Jemand sagte mir, sie würden die Eingänge von Schutzräumen kennzeichnen. Für die Bürger oder für den Rettungsdienst nach einer Bombardierung der Stadt? Tatsächlich stammen sie aus dem 2. Weltkrieg, als in vielen großstädtischen Gebäuden neben öffentlichen Hoch- und Tiefbunkern auch private Luftschutzräume in Kellern eingerichtet wurden. Erst jetzt habe ich angefangen, mich genauer mit diesen Luftschutzpfeilen zu beschäftigen. Also zunächst auf die Suche zu gehen, ob sich noch welche finden: Ja, tatsächlich, 59 habe ich bislang entdeckt. Es scheint sie – bis auf drei Ausnahmen – nur noch in Brebach, an der Johanniskirche sowie im Ostviertel zu geben, d.h. im gründerzeitlichen Quartier zwischen Landwehrplatz, Großherzog-Friedrich-Straße, Heinrich-Böcking-Straße und Mainzer Straße. Aber man muß auch dort schon sehr genau hinschauen. Hier die drei aus der Mainzer Straße 84, 62 und 37, die noch immer sichtbar sind:

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Zwei farblich deutlich besser erhaltene Exemplare finden sich nahe der Johanniskirche in der Johannisstr. 1 und der Nassauerstr. 5 (die einzigen im Nauwieser Viertel):

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmid

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Ersterer ist im September 2016 einer Haussanierung zum Opfer gefallen. Letzteren wird ein unwissender Passant kaum wahrnehmen. Anders dagegen die weiteren, eigentlich unübersehbaren, schön erhaltenen Beispiele mit gegabelter Pfeilspitze, die sich an zwei Wänden des Nebengebäudes der alten Feuerwache finden (auf dem ersten Foto unten rechts). Aber werden sie gesehen? Auf der Rückseite finden sich drei weitere weiße Streifen an Kellerfenstern, jedoch ohne Pfeilspitze, so dass mir unklar erscheint, ob es sich um Luftschutzpfeile handelt.

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

An der Front des benachbarten Otto-Hahn-Gymnasiums befanden sich ebenfalls drei gegabelte Pfeile, die jedoch – wahrscheinlich mit einer Metallbürste – entfernt worden sind:

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Nahebei in der während der 1880er- bis 90er-Jahre mit Häusern des Mittelschicht-Bürgertums bebauten Rosenstraße 12, 13, 14, 15, 20, 21 und 22 finden sich gut und schlecht erhaltene einfache Pfeile. Klar wird mir hier, dass sie nicht zu etwaigen Eingängen zeigen (für die musste man wohl ins Treppenhaus gehen), denn: Die Kellerfenster sind viel zu klein, um einzusteigen. Eine andere erste Bilanz: Man findet die Pfeile nur noch an Mauern aus Sandstein oder Backsteinen, also an Wänden, die normalerweise nicht neu gestrichen werden.

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Saarbrücken (c) Ekkehart Schmidt

Saarbrücken (c) Ekkehart Schmidt Saarbrücken (c) Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Auch in der Paul-Marien-Straße 14, 16, 22 und auf der anderen Straßenseite am Haus Nr. 15 der Saarland Versicherung bin ich fündig geworden, obwohl die meisten Pfeile dort extrem verblichen sind: Ich habe langsam ein Auge dafür bekommen, während für die meisten Leute ohne diesen Such-Blick da wohl nur eine Ansammlung „irgendwelcher Grafitti“ ist, die sie nicht mehr wahrnehmen. Ich habe dagegen bei dieser dreitägigen Aktion zusätzlich festgestellt, wie viele sehr schöne Gebäude es hier im Ostviertel gibt.

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Das einzige Gebäude, an dem sich neben einem arg verblichenen vertikalen Pfeil auch ein horizontaler Pfeil in den Hof und daneben die Buchstaben „SR“ (für Schutzraum) befindet, ist Nr. 61 der Großherzog Friedrich Straße. Kaum noch erkennbar ist auch neben dem vertikalen Pfeil noch ein „R“ zu lesen, während das „S“ völlig verblichen ist.

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

In Brebach findet sich noch die Markierung „LSR“. Nur ein einziges weiteres Haus, an dem zumindest der Buchstabe „R“ noch zu erkennen ist, habe ich bislang gefunden: In der Mainzer Straße 62 (siehe ganz oben). In der Großherzog Friedrich Straße finden sich weitere Pfeile an den Fassaden der aufwändigen Mietshäuser für das wohlhabende Bürgertum der Gründerzeit: neben der erwähnten Nummer 61 auch in Nr. 63, 87, 88, 109, 119, 140 und 144. An einem Bau finden sich zwei, deren unteres Ende durch einen Neuanstrich im Zuge einer Sanierung geköpft wurden. In Nr. 47 findet sich noch der Hauch eines Schattens eines langen Pfeils.

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Sicherlich sind viele Pfeile nach dem Krieg entfernt worden. Hier einer von zwei Pfeilen (andere finden sich neben dem Gymnasium und der Großherzog Friedrich Str. 63 in der Böcking Str.), den man vergeblich vollständig zu entfernen versucht hat (was ja legitim ist, aber ich hoffe, dass wenigstens einige unter Denkmalschutzgesichtspunkten und als historische Zeugnisse erhalten bleiben):

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Der Pfeil in der Großherzog Friedrich Str. 63 ist der am nachhaltigsten beseitigte Pfeil, den ich bislang gefunden habe. Nur in einer Fuge findet sich noch ein Farbrest und dennoch erkennt man mit etwas Entfernung und Blickschulung, dass da ‚mal etwas war:

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

In Nr. 87 findet sich auch ein vollständig abgekratzter Pfeil auf grobem Sandstein.

Die meisten Exemplare dicht beieinander finden sich in der – mit ihren schönen Vorgärten –  idyllischen Lessingstraße mit ihren Beamtenhäusern der 1930er-Jahre in den Nummern 40, 44, 45, 47, 49 und 53:

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Am Staden finden sich nur in der Graf Johann Straße 19 ein gut erhaltener Luftschutzpfeile und nebenan in Nr. 21 ein fast nicht mehr erkennbarer (zwischen zwei Rosenzweigen sieht man Farbreste). In der benachbarten Heinrich Böcking Str. 15 und 17 sind mit meinem jetzt geschulten Blick zwei zu finden: einen hat man versucht, in Rot zu übermalen, der andere ist völlig verblichen:

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Ich suche weiter. Die spannende Frage ist, ob es diese Relikte auch außerhalb des Ostviertels gibt. Hoffentlich. Denn festzuhalten bleibt  schon einmal, dass es weder in den Altstadthäusern rund um den St. Johanner Markt (vielleicht wegen der nicht vorhandenen oder zu kleinen Keller), auch nicht in Alt-Saarbrücken (das stark zerbombt wurde und im historisch-stengelschen Teil am Schloss ist heute alles weiß gestrichen), am Triller, auf der Hohen Wacht oder St. Arnual, noch in der City zwischen Dudweiler Straße und Bahnhof oder im Mühlenviertel und auch nicht auf dem Rotenbühl oder Am Homburg solche Spuren gibt, obwohl dort sehr viel Altbausubstanz aus dieser Zeit erhalten blieb. Weiße Pfeile gibt es dort nur auf Fahrradwegen. Im Nauwieser Viertel haben sich nur zwei erhalten (Johannisstr. 1 und Nassauerstr. 5). Wahrscheinlich gab es in der City und dem Nauwieser Viertel wegen der Hochbunker in der Richard-Wagner-Str. und der Schmollerstr. kaum Luftschutzkeller. Die einzigen weiteren Ausnahmen sind eine weiße Spur über einer Metalltür hinter der Christ König Kirche jenseits der Bismarckbrücke, die ein Pfeil hätte sein können, außerdem zwei Markierungen an der Zufahrt von der Straße aus, sowie ein weißer Streifen an der Ziegelsteinmauer vor dem Polizeipräsidium am Kieselhumes/ Ecke Mainzer Straße, das  wohl auf dem Grund ehemaliger Wohnhäuser steht.

Auch in den Teilen von Burbach zwischen Saar und Eisenbahn sowie in Malstatt und auf dem Rastpfuhl gibt es keine Pfeile, wie ich Ende Juli überprüft habe – wohl deswegen, weil dort zwei Hochbunker bestanden (und noch immer bestehen): am Burbacher Markt und in der Paul-Schmook-Straße.

Heureka! Bei der Präsentation des Projekts bei der Nacht der schönen Künste am 24. Juli wurde mir ein heißer Tipp gegeben: In Brebach gebe es mindestens einen Pfeil! Ich bin gleich los, radelte Straße für Straße ab und fand 10 Pfeile, eine Markierung „LSR“ und einige unklare Farbreste: Drei in der Saarbrücker Straße (Nr. 54, 64 und 141):

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Zwei weitere am Haus Poststraße 7/ Ecke Zur Alten Fähre, dem ehemaligen Brebacher Postamt:

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Dazu einen Farbrest in der Zwergstraße 2 und besagte Markierung (ohne Pfeil) für Luftschutzraum in Nr. 7 (man beachte den passenden Zwerg im Kübel sowie den Mörtel, mit dem der obere Teil von „LSR“ bedeckt wurde):

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Nahebei in der Gartenstraße 30 ein besonders schönes Beispiel, bei dem klar wird, dass man hier eine andere Pfeilform genutzt hat, die an Fliegerbomben erinnert. Zudem haben einige Pfeile oben einen Kasten mit einem Kreuz aufgemalt, aus dem wohl die genaue Lage des betreffenden Kellers hervorgehen soll.

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Ähnlich auf der anderen Seite des Viertels in der Johannisstr. 6 und am Mühlenweg 16 und 18:

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Im benachbarten Güdingen gibt es zumindest einen Luftschutzpfeil: Ein relativ stark verblichenes Exemplar in der Bühlerstr. 104, auch hier mit einem Viereck mit Kreuz oberhalb des Pfeils.

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Jetzt muss ich noch Schafbrücke, Gersweiler und die Neuhauser Str. am Fischbach überprüfen

Mittlerweile habe ich weitere Pfeile in Merzig, Mainz, Heidelberg, Kassel und Hannover entdeckt. Carsten Schmitt verdanke ich den Hinweis, dass es sie auch in Speyer und Metz gibt. Online finden sich kaum Dokumente zu privaten Luftschutzräumen, eine Ausnahme ist Karlsruhe. In einem Blog von Peter Hartleb heisst es: „Diese Pfeile waren Hinweise auf Luftschutzräume und eine Hilfe zum schnellen Bergen Verschütteter unter beschädigten Häusern“. In Karlsruhe wiesen senkrechte Pfeile auf die Lage der Räume hin, während waagerechte und kürzere Pfeile (von denen ich in Saarbrücken erst einen gefunden habe) den Bürgern den Zugang wiesen. Die Pfeile begannen auch deswegen so hoch an den Häusern, weil mit Schuttbergen gerechnet werden musste. Stahlklappen vor Kellerfenstern habe ich nur in der Schopenhauer Str. 25, in einem Wohnblock im Zentrum von St. Arnual (Saargemünder Str. 90 und 92 sowie Julius-Kiefer-Str. 56 und 60) und in der Papestr. 12 gefunden (folgendes Foto). Ohne Pfeile. Dafür vor dem Haus Bismarckstr. 36 eine Zugangsklappe mit der Aufschrift „Luftschutz“ (ohne verbliebenem Pfeil am Haus):

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Auf einer Internetseite „Relikte.com“ zum Luftschutz in Bremen finden sich Erläuterungen zur Rechtslage: „Bereits in den 1930er Jahren wurde die Bevölkerung Deutschlands für das Thema Luftschutz sensibilisiert. Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 ist der Reichsluftschutzbund gegründet worden. Man hat sich zunächst um die Ausgestaltung von Richtlinien für den Bau von Schutzräumen gekümmert.

Dieses führte am 26. Juni 1935 zum Luftschutzgesetz. 1937 wurde verfügt, daß bei Neubauten „gas-, trümmer- und splittersichere Luftschutzräume in endgültiger Bauweise“ eingebaut werden mußten. Die Verordnungen sahen auch vor, daß falls eine Einrichtung von Schutzräumen innerhalb eines Neubaus nicht möglich war, ein externer Schutzbau zu schaffen sei. Die weitaus größere Zahl der Gebäude waren bestehende Altbauten, für die das vorgenannte nicht in gleicher Form galt. Es wurde aber verlangt, daß in diesen Fällen ‚gas-, trümmer- und splittersichere Luftschutzräume in behelfsmäßiger Ausführung‘ in den Bauwerken eingerichtet werden mußten. (…) Kellerräume, die zum Luftschutz ausgebauten worden sind, mußten an der Außenseite der Bauten mit weißen Pfeilen gekennzeichnet werden. Damit sollte nach einem Bombenschaden am Haus den Rettungskräften die Suche nach Verschütteten erleichtert werden.“ Das erinnert mich an ein Graffiti an einem Hochbunker in Berlin etwa 1983: „Wer Bunker baut wirft Bomben“.

Es fällt schwer, sich 70 Jahre nach Kriegsende die damalige Situation in Saarbrücken vorzustellen. Mit den funktionslos gewordenen Pfeilen werden die heute über 80jährigen Bürger jedoch den Horror von drohenden Bombenangriffen verbinden, von denen einer im Oktober 1944 fast die gesamte City zerstörte. Saarbrücken erlitt, abgesehen von Artilleriebeschuss und Jagdbomberattacken, nach Angaben in Wikipedia von 1939 bis 1940 insgesamt 30 Bombenangriffe der Alliierten Luftstreitkräfte. Der erste fand in der Nacht des 29./30. Juli 1942 statt. Im Verlauf des Krieges wurde Saarbrücken durch Bombenangriffe der britischen und amerikanischen Luftstreitkräfte stark zerstört. Der schwerste Angriff fand in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1944 statt, als 325 britische Bomber über 350.000 Brandbomben abwarfen. Dabei starben 361 Menschen, 45.000 wurden obdachlos. Alt-Saarbrücken war nahezu vollständig zerstört. Die letzten Luftangriffe erfolgten am 13. Januar 1945.

Viele Keller scheinen per Durchbruch miteinander verbunden worden zu sein, so zumindest in der Feldmannstr., der Uhlandstr. und der Schopenhauerstr., wodurch man im Falle eines Treffers von einem Luftschutzraum aus von Haus zu Haus gelangen konnte, bis man eine intakte Treppe ins Freie fand. Meine Mutter ist bei einem Großangriff auf Kassel durch solche Verbindungswege gerettet worden. Ich bin daher bei aller Kritik an diesen Kriegsvorbereitungen noch heute dankbar für die Voraussicht beim Bau dieser Durchbrüche 😉

Nachtrag vom 29. November 2016: Ich habe mich zwischenzeitlich mit einigen Experten für den Saarbrücker Untergrund ausgetauscht und ihnen die Pfeile gezeigt: Patrice Wijnands und Florian Brunner. Ein Ergebnis war diese Reportage des SR „Die Pfeile und der Krieg“ (ab Minute 16.40 – 28.40).

Quellen und weiterführende Literatur: Hartleb, Peter: Erinnerungen an den Luftschutz. Ehemalige Luftschutzbunker in Karlsruhe; Relikte.com: Luftschutz in Bremen – privater Luftschutz;  Öffentliche Zivilschutzanlagen – Ein Überblick,  Der Saarbrücker Untergrund, Saarbrücker UnterweltenIm Regionalverband Saarbrücken gibt es 78 Bunker, Der Bunker unter dem Saarbrücker Wackenberg; Seck, Doris: Es begann vor 40 Jahren. Saarländische Kriegsjahre. Eine SZ-Serie, 1979; Wikipedia-Artikel: Saarbrücken;

Pfeile zu Schutzräumen_Saarbrücken  © Ekkehart Schmidt

8 Kommentare
  1. moma58 permalink

    Interessanter Bericht und gut gesehen und nachgefragt.

    • Danke: Ja, man sieht nur, was man weiß. Aber erst muss da eine erstaunte Frage sein, der man dann auch nachgeht..

  2. carstenschmitt permalink

    Ha, da wollte ich selber vor Jahren mal was drüber machen, jetzt bist Du mir mit deinem schönen Artikel zuvorgekommen. In Speyer habe ich auch einige dieser Pfeile gesehen, in Metz gibt es angeblich einen riesig großen an einer Hausfassade, wobei dort LSR daneben steht (Luftschutzraum).

Trackbacks & Pingbacks

  1. Versuch über einen gelben Pfeil | akihart
  2. Verblasste Relikte der Nazi-Zeit | akihart
  3. Taxi adé | akihart
  4. Luftschutzpfeile in Merzig | akihart

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: