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Versuch über einen gelben Pfeil

Mai 25, 2015

Bei Stadterkundungen spontanen Impulsen von Neugierde folgen, dabei einfach auch einmal frech verbotene Wege gehen, bewußt um die Ecke gucken und aktiv hinter die Kulissen schauen, verhindert das passive Abklappern des Kanons so genannter Sehenswürdigkeiten und hilft dabei, einen Ort wirklich zu verstehen, ihn sich vielleicht sogar ganz individuell anzueignen. Man erlebt nicht unbedingt Spektakuläres, aber man bekommt Einblicke in den Alltag jenseits der Fassaden. Im Idealfall kann man eine Art „Tiefenbohrung“ machen, indem man sich an einem Ort vom Allgemeinen ins besondere Detail vorarbeitet, durch dessen Betrachtung oder Untersuchung sich das Ganze erst wirklich vollständig erklärt. Oder umgekehrt.

Also: Im Hotelaufzug den Knopf für das oberste Stockwerk drücken und schauen, ob man irgendwie über Nottreppen aufs Dach kommt, oder in London nachfragen, was sich im Dachstuhl der Houses of Parliament befindet, schauen, wie es im Toilettenkeller der Cinémathèque in Luxemburg aussieht, was es mit den weißen Pfeilen im Saarbrücker Ostviertel auf sich hat oder ob man einen Zugang in das seit der ägyptischen Revolution von 1952 leerstehende ehedem luxuriöse Hotel Continental Savoy in Kairo findet.

Nach dem Besuch der Bessarabska-Markthalle in Kiew und einem Nachsinnen über die frühere Leninstatue, hatte ich mich Ende März ins Prègo Café am Bul. Schevchenko gesetzt, neue Energie getankt und ging dann aufs Geratewohl gegenüber in die Einfahrt neben einer altbacken wirkenden Bank in Hausnummer 3, weil es da in einen Hinterhof führte, der mir etwas versprach.

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Um es vorweg zu nehmen: Spektakuläres habe ich nicht gefunden, nur Banalitäten wie einen schlafenden Mann in einem Auto, der sich vielleicht vor der Arbeit drückte. Die Rückseite eines Hotels und einen gelben Pfeil.

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Das kleine Wellblechhäuschen neben der Zufahrt wirkt, wie von Lüftungs- oder Regenwasserrohren getragen. War es einmal ein Pförtnerhaus?

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Es könnte auch ein Lieferanteneingang gewesen sein, betrachtet man die erstaunlich modern anmutende Tastatur für geheime Zahlenkombinationen. Vielleicht wurde diese dann durch eine simple Klingel ersetzt, auf welche der Pfeil aufmerksam machen sollte. Aber auch die ist abgebrochen oder abmontiert worden. Das Häuschen ist mit dem offensichtlich erfolgten Wandel der Nutzung des Hauses funktionslos geworden. Wozu auch immer es diente. Zurück auf dem Boulevard schaute ich mir das Hotel etwas genauer an:

Grüner Hinterhof am Premier Palace_Kiew © Ekkehart Schmidt

Das 1908-11 errichtete „Premier Palace“ am Bul. Schevchenko 5-7 war das erste Fünfsternehotel in Kiew,ist ein Hotelklassiker und galt zumindest noch 2007 als „zweifellos das edelste Hotel in Kiew“. Erbaut als „Grand Palace Hotel“ in einer Mischung aus Art Nouveau und Art Deco, hat das ehemalige Stadtpalais eine sehr interessante Geschichte, unter anderem befand sich hier in frühen Sowjetzeiten das Deutsche Konsulat. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus stark beschädigt und 1949 neu aufgebaut. Von 1959 bis 2000 hieß das Hotel Ukraina, ehe es im Zuge eines Eigentümerwechsel und einer umfassenden Sanierung neu benannt wurde. 2001 wurde es zum ersten Fünfsternehotel des Landes und ist heute noch immer eines der beliebtesten Hotels für Hochzeitsfeiern der Oberschicht. Das Hotel verfügt über 289 Zimmer – von denen viele individuell eingerichtet sind und an historische Persönlichkeiten erinnern – sowie acht Restaurants und Bars, die Preise für Einzelzimmer bewegen sich zwischen 219 und 303 Euro. Mir gefiel es von außen gar nicht, die übermäßig saubere Fassade wirkte in dem Sinne „kaputt saniert“, als keinerlei Reste von Patina toleriert wurden. Ganz anders mein eben erkundeter unmittelbar benachbarter grüner Hinterhof. Durch den Kontrast interessierte mich jetzt das Hotel, das ich sonst nicht weiter beachtet hätte.

Lokalisierung: 3 бульвар Тараса Шевченка
Zitierte Quellen: Anders, Ada: Ukraine, Reise-Handbuch, DuMont, Ostfildern 2012, S. 131; Gerlach, Thomas/ Schmidt, Gert: Die Ukraine entdecken, Berlin, 9. überarb. Aufl., 2007, S. 267; Homepage des Hotels: Erläuterungen zur Geschichte, Historische Fotos;
Versuch über einen gelben Pfeil © Ekkehart Schmidt

From → Kiew, Reisen

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