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Das Kaufhaus ЦУМ_Kiew

Mai 17, 2015

In Kiew sieht man zur zeit einige mit riesigen Planen umhüllte Gebäude. Neben dem während der Endphase des Euromaidan im Februar 2014 abgebrannten Hauses der Gewerkschaften am Maidan und einem kleineren Bau nahe der Sophienkathedrale, fällt vor allem ein riesiger Baukomplex am teuren Krestschatyk-Boulevard auf, der etwa seit Anfang Mai 2014 mit einer Plane in den ukrainischen Nationalfarben (Blau für den Himmel, Gelb für das Getreide) eingehüllt wurde.

Die Kerzen des Maidan © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Das Kaufhaus CUM_Kiew  © Ekkehart Schmidt

Hinter der fußballfeldgroßen „Fahne“ am Krestschatyk verbirgt sich sechsstöckiges, V-förmiges Gebäude, das 1936-39 im konstruktivistischen Stil errichtet wurde. Der obere Teil der Eckenfront hat eine Stufenform. Schaut man genau hin, erkennt man, dass das Gebäude komplett entkernt worden ist. Das Zentrale Universal Kaufhaus ЦУМ (transkribiert CUM, oder auch ZUM, sprich: Tsum) war ein Stück Tradition, ein staatliches Kaufhaus alten Stils – teilweise auf neu gemacht – in dem man alles bekommt. Jedenfalls im Prinzip. In der kommunistischen Planwirtschaft der Jahre bis 1991 gab es hier freilich nur, was vorab staatlicherseits als sinnvolles, produzierbares oder importierbares Angebot definiert wurde. Das Interesse der Nachfrageseite war naturgemäß eher zweitrangig. Dennoch wurde es als „Harrod’s von Kiew“ bezeichnet, in dem man noch eine typische sowjetische Atmosphäre fühlen könne. Zumindest konnte man wohl noch auf das sowjetische Einkaufsregime treffen: Nach Auswahl eines Artikels hat man sich den Preis zu merken, zur zentralen Kasse zu gehen und zu zahlen. Zurück bei der Verkäuferin konnte man dann mit dem Kassenzettel das Produkt einlösen. Seit 2012 wird das Gebäude umgebaut. Bei meinem Besuch im März 2015 wirkte es nicht so, als würde das Kaufhaus vor Ende 2016 fertig gestellt werden.

Das Kaufhaus CUM_Kiew  © Ekkehart Schmidt

Das Kaufhaus CUM_Kiew  © Ekkehart Schmidt

Das Kaufhaus CUM_Kiew  © Ekkehart Schmidt

Das Kaufhaus CUM_Kiew  © Ekkehart Schmidt

Auf der Stirnseite des Gebäudes prangt der Tryzub, das ukrainische Staatswappen in Form eines Dreizacks. Der Schriftzug links und rechts davon bedeutet „Glory to Ukraine! Glory to Heros!“, wie mir eine ukrainische Freundin sagte. Also etwa: „Ruhm der Ukraine! Ruhm unseren Helden!“.

Das Kaufhaus CUM_Kiew  © Ekkehart Schmidt

Das Kaufhaus CUM_Kiew  © Ekkehart Schmidt

Es fehlt mir an Informationen über den Umbau, die heutigen Eigentumsverhältnisse, zeitlichen Planungen und vor allem die Konzeption des künftigen Warenangebotes. Ich weiß nicht, ob das ЦУМ in neuer Pracht wieder aufersteht oder ob hier eine Shopping Mall entsteht, vergleichbar mit den moderneren Kaufhäusern wie dem Globus unter dem Maidan, dem Kvadrat nahebei bzw. dem Metrograd und dem Mandaryn Plaza etwas weiter die Straße hinunter – oder eben eine Mall wie sie zur zeit im globalisierten Kapitalismus weltweit gebaut werden: als Tempel der teuren Weltmarken. Wahrscheinlich ist immerhin, dass sich bei dem zu erwartenden hohen Preisniveau viele Ukrainer einen Besuch nicht werden leisten können. Bekannt ist mir bislang nur, dass das britische Architekturbüro Benoy ein sehr lichtdurchflutetes, gläsern-durchscheinendes Gebäude plant. Bei Wikipedia findet sich ein Foto des Zustands im Jahr 2012, bei Benoy ein virtuelles Foto des geplanten Zustands nach Ende der Bauarbeiten:

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Verwendete Quelle: Benoy: TSUM, o.D.; Gerlach, Thomas/ Schmidt, Gert: Die Ukraine entdecken, Berlin, 9. überarb. Aufl., 2007, S. 483; Schäfer, Günther: Kiev. Rundgänge durch die Metropole am Dnepr, Trescher Verlag Berlin, 3. akt. Aufl. 2011, S. 46; Max: Kiew – Unbekannte Schönheit der Ukraine, osteuropa-reisen.net, 05.11.2010; Foto bei SPIEGEL Online: Besuch in der Ukraine: Steinmeier trifft die Machtlosen, 12.05.2014; Wikipedia-Artikel: Zentralkaufhaus;

Das Kaufhaus CUM_Kiew  © Ekkehart Schmidt

From → Kiew

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