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Café ABC Amos_Metz

Mai 11, 2015

An den meisten Vorplätzen großstädtischer Bahnhöfe vermisse ich stilvolle und/ oder altehrwürdige, jedenfalls authentische Cafés, in denen man eine längere Umsteigezeit verbringen kann, ohne auf die meist gesichtslosen Niederlassungen von Ketten im Bahnhofsgebäude zurückgreifen zu müssen. Weder in Saarbrücken, Trier, Manheim oder Frankfurt, noch in Kassel, Düsseldorf oder Hannover und ebenso wenig in Stuttgart, Ulm oder München bin ich je fündig geworden. Das Café Reichard in Köln oder das Ferdinand in Bochum sind schon die fünf Minuten zu weit vom Bahnhof entfernt, als dass man den Aufenthalt im echten Stadtkörper entspannt genießen könnte. Im Bahnhof all dieser Umsteigestationen zu bleiben, heißt, nicht wirklich vor Ort gewesen zu sein, nicht in die ureigene lokale Atmosphäre hineingeschnuppert zu haben. Anders an der Place du Général Charles de Gaulle in Metz: Tritt man aus dem Bahnhofsgebäude, fällt der Blick sofort auf eine einladende Häuserfront in 50 m Entfernung, mit dem Hotel Metropole und dem Hotel Alerion, in dessen Erdgeschoß ein großes Kaffeehaus bzw. eine Brasserie lockt. Vor gut 20 Jahren war ich wohl das erste Mal hier, von Saarbrücken kommend, in dem begeisterten Gefühl, endlich mal wieder in Frankreich zu sein.

Letzte Woche ergab sich hier für mich zum etwa zehnten Mal diese Situation, aber der Aufenthalt gegen 22 Uhr nach der Fahrt mit dem Spätzug aus Luxemburg war mit 20 min zu kurz für ein Getränk. Gleichwohl war wie immer klar, daß ich auf die Place Charles de Gaulle hinaustreten, eine kleine Runde im „Quartier impérial“ drehen würde, wie die Metzer das in der Zeit der deutschen Besatzung von 1870/71 bis 1918 entstandene, architektonisch sehr einheitlich großstädtische Viertel nennen. Das „ABC Amos“ besteht seit 104 Jahren, sagte mir Senior-Kellner Jean schon 2012 wie aus der Pistole geschossen, um sich – auf meine Nachfrage „Exakt?“ – gleich zu korrigieren: „Ja, und dieses Jahr werden es 105 sein. Immer unter dem gleichen Namen“.

Café ABC Amos_Metz © Ekkehart Schmidt

Café ABC Amos_Metz © Ekkehart Schmidt

Café ABC Amos_Metz © Ekkehart Schmidt

Café ABC Amos_Metz © Ekkehart Schmidt

Café ABC Amos_Metz © Ekkehart Schmidt

Café ABC Amos_Metz © Ekkehart Schmidt

Ich war hier nicht immer abends. Schon einige Male durfte ich hier – meist nach einer Übernachtung im Alerion Hotel auf dem Weg nach Paris oder Marseille – früh am Morgen in diesem wunderbaren Frankreich-Feeling das „Petit déjeuner express“ für 2,90 Euro bestellen, weil es meist nicht mehr braucht, als  einen Espresso, ein Glas Orangensaft und ein Croissant. Beim „Petit déjeuner complèt“ für 6,80 Euro gibt es neben einem Heissgetränk, einem Orangensaft und dem Croissant noch Baguette mit Butter und Marmelade. Aber das sind ja nur Äußerlichkeiten: Was zählt und gespürt wird ist dieses Gefühl, d’être en France!

Die Fotos, die ich in den vergangenen Jahren im Inneren gemacht habe, finde ich gerade nicht. Aber sie werden bald auftauchen. Innen ist es wenig spektakulär: In der Mitte der Tresen, links das Café, rechts der Restaurant-Bereich, alles in eher uncoolem 70er-Jahre-Design. Es geht darum, sich Zeit zu lassen, die Menschen zu beobachten: Andere Reisende in der Wartesituation, neben Einheimischen beim ersten Espresso, in der Mittagspause oder beim Bier: Amos ist eine seit 1868 bestehende Brauerei. Woher der Name „ABC“ stammt, muß ich noch herausfinden.

Nachtrag vom 19. Mai 2016: Mist, jetzt war ich am 10. Mai noch einmal hier, habe früh um 7 Uhr in Eile das „Petit déjeuner express“ vertilgt (für mittlerweile 3,50 EUR), aber vergessen, nach „ABC“ zu fragen.

Café ABC Amos_Metz © Ekkehart Schmidt

From → Cafés, SaarLorLux

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