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1. Mai „Bei Jutta“ in Witten

April 29, 2015

Es ist 1. Mai und somit nicht nur „Tag der Arbeit“, sondern der Morgen nach dem „Tanz in den Mai“. Hier in der Johannisstraße sind die Fassaden zweier Kneipen, der „Alten Zeit“ und „Bei Jutta“ (zugleich „Schultes Brennerei“) mit Birkenästen und bunten Krepptüchern geschmückt. Letztere so aufwändig, dass kaum noch Licht ins Innere fällt. Aber das ist wohl auch an anderen Tagen nicht unbedingt erwünscht. Nicht dass die vier Leute (plus weißem Mops), die hier an der eichrustikalen Theke schon morgens um 10 Uhr 30 ihr frisch gezapftes Bier bekommen, lichtscheu wären – aber es muss trotzdem nicht immer jeder in dieser engen Nachbarschaft sehen, wer hier schon wieder an der Theke steht.Diese besteht, innenarchitektonisch gar nicht schlecht gemacht, aus einer stilisierten Holzhütte im Inneren dieser pragmatischen Nachkriegsbaus.

1. Mai

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1. Mai

1. Mai

Auf meine Frage, ob denn hier noch eine Brennerei sei, sagt die gut 50jährige Frau hinterm Tresen, das sei schon eine Weile her, vielleicht einige Jahrzehnte. Die 20jährige, die eben erst gekommen ist und hinter der ihr ebenfalls sehr vertraut scheinenden Theke verschwand, nicht ohne vorher jedem – auch mir – die Hand gegeben zu haben, weiß es besser: Die ist im Krieg zerstört worden. Jetzt erinnert sich auch erstere: Genau, Witten feiert ja dieses Jahr 800jähriges Stadtjubiläum …, und ich glaube, mir sagte jemand, dass wir auch 150 Jahre Brennerei feiern können. Tatsächlich: „Seit 1865“ steht draußen stolz an der Fassade, also wäre nächstes Jahr Jubiläum.

Wenn es denn außer dem Namen auch noch eine Brennerei gäbe… In drei Glasvitrinen stehen Fundstücke aus dem Keller („außer dem Bitburger-Glas natürlich“). Ich schaue mich um, während „Mary Lou“ augelegt wird und finde Schilder, Flaschen, Fläschchen und mehr mit Aufschriften wie Brennerei Grengeldanz…, Während ich mich umschaue, wird weiter geflachst: “Bitte schön, junger Mann. Sei froh, daß ich nicht ‚Alter Sack‘ gesagt habe“, sagt die Angestellte oder Nachfolgerin der Namengebenden Jutta Schneider, die ich auf einem Foto neben den Elvis Presley-Devotionalien- und Karnevalsbildern entdecke. Später finde ich einen WAZ-Artikel von 2011, der die 65jährige als dienstälteste Wirtin der Stadt porträtiert und verrät, dass sie mit ihrem „neuen Knie“ nicht mehr hinter der Theke stehen kann

1. Mai

1. Mai

1. Mai

1. Mai

Ich hab mir dies am 1. Mai vor einem Jahr notiert. Mit dem Gedanken, ein Jahr später – zum 125. Jubiläum dieses internationalen Feiertags – dazu anzuregen, sich diese fast schon im Aussterben befindliche urdeutsche Folklore einmal anzuschauen. Es muss ja nicht schon um 10.30 Uhr sein. Mittags reicht völlig. Wo auch immer man sich befindet. Ich werde hier in Saarbrücken mal in Malstatt und Burbach schauen, was sich für Lokale finden lassen. In Köln würde ich in Kalk, Mülheim oder Nippes suchen.

Adresse: Johannisstraße 30, 58452 Witten, Tel. 02302-584028

Artikel zu 125 Jahren „Tag der Arbeit“

1. Mai „Bei Jutta“ in Witten © Ekkehart Schmidt

One Comment
  1. T. Döll permalink

    Na doll

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