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Mobile Cafés in Kiew

April 2, 2015

Im 25. Jahr der Transformation von einer Planwirtschaft zu einer Marktwirtschaft regiert in Kiew der Turbokapitalismus mit seinen superreichen Oligarchien, zugleich lebt ein Grossteil der Bevölkerung in Armut. Aber Not macht erfinderisch. Am unteren Ende der Einkommenskala gibt es im informellen Sektor einige innovative Überraschungen zu entdecken. Die durch den Bürgerkrieg sich täglich verschärfende ökonomische Krise verschärft die Armut jüngerer wie älterer Ukrainer. Neben den Grossmüttern, die selbst erstellte Spitzenware, Puppen oder Gemüse aus den eigenen Gärten an Metrostationen anbieten, gibt es seit einigen Jahren mobile Cafés, die meist von jungen Leuten betrieben werden. Oder zumindest bedienen sie dort. Bei meinem Kiew-Besuch am vergangenen Wochenende konnte ich nicht tiefergehend recherchieren, wohl aber eine kleine Foto-Doku erstellen.

Diese „Coffee cars“ oder „Portable Cafés“ als Ersatz für fehlende Cafés tauchten in Kiew etwa ab 2010 auf, verstärkt wohl seit der Fussball-EM 2012. Schon deutlich länger gibt es im Sommer auf Straßen und Plätzen mobile Milchstände sowie eigentümliche kleine Tankwagen, die jetzt im Winter aber nicht zu sehen oder geschlossen waren. Letztere bieten „Kvas“ an, ein alkoholfreies, säuerliches malzbierähnliches Getränk, das durch Gärung aus den Grundzutaten Zucker, Wasser und Roggen (Roggenbrot) hergestellt wird (mehr dazu hier).

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Man findet sie an Ecken mit hohen Passantenströmen, unter anderem an der Sophienkathedrale (Fotos oben) oder am Michaelskloster (Fotos unten) und anderen sowohl für Einheimische wie für Touristen prominenten Orten.

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Neben aufwändig umgebauten originellen Wagen finden sich auch Autos und kleine Lieferwagen, die lediglich eine Kaffeemaschine in den Kofferraum eingebaut bekamen:

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Zu den Orten mit dem höchsten aufkommen mobiler Kaffeestände zählen der Maidan und der stalinistisch-prachtvoll Chreschtschatyk-Boulevard mit seinen Luxusläden und westlichen Schnellimbissketten (aber so gut wie keinen Cafés). Hier finden sich Exemplare, die sehr aufwändig, wenn auch immer individuell designed sind, dass sie wohl zu Ketten gehören. Sie nennen sich „Coffee City“, „Coffee Car“ oder „Aroma Kava“.

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Gerade am Krestshatyk Boulevard finden sich sehr viele – die Mietpreise sind hier so hoch, dass sich kein einziges Café in einem Lokal halten kann. Die mobilen Cafés bieten einen guten Ersatz, zumal man sich mit seinem „Take-away“-Kaffee schön auf Bänke und Treppen setzen kann. Ein ähnliches Phänomen findet sich in Rom, aber dort liegt der Grund für das Aufkommen mobiler Verkaufsstände im generellen Verbot von Geschäften rund um antike Stätten. Die aus Deutschland bekannten Eiswagen wiederum sind wirklich mobil: Sie stehen selten länger an einem Ort, sondern fahren der Kundschaft hinterher.

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Es herrscht hier durchaus Wettbewerb. Also werben einige mit witzigen Schildern:

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Am Bessarabska Markt:

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Freitag- und Samstag-Abends herrscht besonders viel Betrieb. Hier am Maidan, am Chreschtschatyk-Boulevard, am Kontraktowa-Platz in Podil oder am Hauptbahnhof sind freilich einige mobile Cafés schon derart etabliert, dass sie einen echten Pavillon haben aufstellen können. Dazu gehören „Aroma Café“ und das edle „Opancyk“.

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Auch am Kontraktova-Platz im Stadtteil Podil finden sich im „Basar“ der dortigen Händler einige Café Pavillons. Überrascht war ich vor allem über einen Bus:

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

Dies ist nicht der einzige Kiewer Kaffeebus. Bei Flicr finden sich auch Fotos eines originellen blauen Busses (2012), von denen ich hier zwei entnommen habe.

Untitled 4

Untitled 6

Vereinzelte Kaffeebusse sind freilich schon anderswo in der Welt auf Tour geschickt worden, unter anderem in Frankreich (zumindest in Bordeaux und Paris) oder auch in China. Und natürlich gibt es auch anderswo mobile Cafés, zum Beispiel in Dakar/ Senegal, wo viele auch gar nicht motorisiert sind. Verkauft wird der typische Café Touba. Ich werde weiter die Augen aufhalten.

Ein ganz anderes Thema sind mobile Imbissbuden und Food-Trucks. Einen besonders schönen fand ich 2010 im tunesischen Monastir.

Mobile Cafés in Kiew © Ekkehart Schmidt

From → Cafés, Kiew

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