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Doha Museum of Islamic Art

Februar 28, 2015

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Es ist wohl bezeichnend für Qatar, dass ein chinesischstämmiger Stararchitekt unter Aufwendung enorm hoher Kosten im fast vollständig transformierten ehemaligen Wüstennest Doha eine Ikone nicht nur der nationalen, sondern auch der islamischen Identitätssuche im 21. Jahrhundert überhaupt geschaffen, das auch im globalen Maßstab auf einer Stufe mit anderen Häusern kostbarster Kunst, wie dem Louvre, den Guggenheim Museen, dem Pergamon Museum oder dem Städel steht. Dies jedoch weniger wegen der gezeigten Exponate, sondern vor allem wegen der diese umhüllenden Architektur. Das im November 2008 eröffnete Museum  für Islamische Kunst (engl.: Doha Museum of Islamic Art) gilt als letztes Meisterwerk des heute 91-jährigen Architekten Ieoh Ming Pei, der sich während einer halbjährige Studienreise unter anderem nach Kairo intensiv mit den Formen arabischer Architektur beschäftigt hat, um deren Essenz zu verstehen und mit seinem Entwurf eine postmoderne Synthese dieser Traditionen zu schaffen.

Das Ergebnis ist… ein wirkliches Wunder, in Myriaden ineinander verarbeiteter Details und Zitaten anderer Bauten von Rabat und Granada über Kairo und Damaskus bis Mekka. Nur die islamische Architektur der Türkei, des Iran und seiner östlichen Nachbarn findet sich nicht, also keinerlei blautürkise Kacheln oder seldschukische Steinmetzarbeiten, was diesseits des – je nach Blickwinkel persischen oder arabischen Golfs – nicht wundert. Das Bauwerk ist stilistisch rein arabisch, wenn man das in dieser Weise ethnisierend ausdrücken kann und soll. Der eine Grundfläche von 260.000 Quadratmetern umfassende Gebäudekomplex beherbergt wesentliche Teile der umfangreichen Kunstsammlung der Emire von Katar, die aus Keramiken, Teppichen und Textilien, Waffen, Büchern und Dokumenten besteht, deren Herkunft freilich die gesamte muslimische Welt des Mittelalters von Andalusien und Marokko im Westen bis nach Indien und Zentralasien im Osten umfasst. Die Sammlung besticht nicht durch die Menge der Artefakte, sondern durch die wohl durchdachte Auswahl einiger weniger, aber umso signifikanter Kunsthandwerkstücke.

Das Gebäude fasziniert in vielerlei Hinsicht: durch sein Setting, die äußere Erscheinung zu verschiedenen Tageszeiten, den Blick vom Gebäude aus, die aus jeder der vielen Etagen aus immer neue Perspektiven bietende grandiose zentrale Halle, seine Exponate und nicht zuletzt in der Beobachtung der hier wandelnden (das ist tatsächlich der einzig richtige Ausdruck) Menschen, insbesondere der Qataris in ihren archaisch wirkenden, de facto aber stolz präsentierten traditionellen Gewändern: die Männer in Weiß, die Frauen in Schwarz. Ausnahmslos. Zu Recht stolz auf diesen Kontrapunkt islamischer Architektur vor einer westlich-amerikanischen Hochhausskyline.

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Das Museum wurde auf einer künstlichen Insel in der Westbay des Hafens errichtet. Der Zugang von der etwa einen Kilometer entfernten Altstadt erfolgt über eine von Palmen beschattete Uferpromenade und seitlich flankierenden Parkanlagen, in denen während meines Besuchs im Oktober 2013 Fotos zum Thema Hadsch aufgestellt waren.

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Neben der äußeren arbeitete das Team um I.M.Pei auch an den inneren Formen (Rundungen, Kreise, Vierecke) und vor allem an einer symbolischen Darstellung der Elemente Licht, Gestein und Wasser sowie ihres Zusammenspiels, insbesondere der räumlichen Wirkung von Schatten. Und man beschäftigte sich lange mit der Frage, welche Materialien zu verwenden seien: Kalkstein und Marmor vor allem, sowie Metall, aber kein Holz. In der zentralen Halle wurde eine kreisrunde Lampe von enormem Durchmesser aufgehängt, wie man sie auch in Moscheen in Istanbul oder Kairo findet. Generell erscheinen mir die Ibn Tulun und die Sultan Hassan Moschee in Kairo als wesentliche Impulsgeber für diese sehr modern wirkenden Formen.

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

 Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Man kann den Blick kaum von diesen Fenstern auf die Wasserfront lösen, die wie eine Gebetsnische (Mihrab) wirkt, allerdings nicht nach Mekka, sondern zur Skyline der West Bay ausgerichtet wurde und daran erinnert, dass die Grundform des Gebäudes der von Kuppelmoschee nachempfunden ist. Fasziniert bin ich jedenfalls Etage für Etage hoch gestiegen, ohne zunächst Interesse an den Ausstellungsräumen zu bekommen.

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Zurück in der zentralen Halle ist es mittlerweile dunkel geworden. Viele Menschen genießen die blaue Stunde mit Blick auf die Bucht im Café.

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Die Zeit verfloss, es wurde schnell dunkel und auf dem Weg zurück in die Stadt konnte ich mich wieder lange nicht lösen von den unterschiedlichsten Perspektiven auf dieses insulare Gebäude zwischen Vergangenheit und Zukunft einer innerhalb von 30 Jahren völlig transformierten Stadt.

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Doha Museum of Islamic Art © Ekkehart Schmidt

Adresse: Corniche, P.O. Box 2777, Doha, Katar, Tel.: +974 4422 4444, Homepage

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