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Bistrot de la presse_Luxemburg

Februar 11, 2015

Desillusionierungen sind nicht immer unbedingt frustrierend, aber sie sind im positiven Sinne Enttäuschungen. Sie zeigen einem mindestens, dass man sich in einer Vorstellung geirrt hat, im Idealfall sind sie lehrreich. Wie mein heutiger Besuch in diesem so nett kleinen und intimen Lokal, meinem vielleicht dritten in sieben Jahren Luxemburg. Ich war mir sicher, hier ein übrig gebliebenes Lokal aus der Vorfinanzzeit zu betreten, in dem sich ältere Einheimische in luxemburgischem Identitätsgefühl und großherzoglichem Patriotismus suhlen: Stühle, Tische und Theke in Eiche rustikal, die Wände voller alter Fotos der großherzoglichen Familie, auf deren Stadtschloss mit patrouillierendem Ehrengardisten (und diesen fotografierenden chinesischen Touristen) man von hier aus schaut. Wie auch auf das Abgeordnetenhaus, die chambre des députés, wegen der hier wohl tatsächlich oft nicht nur Parlamentarier (wie heute Justin Turpel von déi lenk) und Journalisten sitzen.

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Man kann hier leckere Linsensuppe mit Würstchen und Speck bestellen und bekommt dann zu zweit eine Schüssel, die für fünf Leute gereicht hätte. Oder ein Käsesandwich. Die Inhaber sind recht herzlich und freundlich und haben einen guten Sinn für Humor. Jedenfalls wurde an der Theke heute jede Gelegenheit für einen Scherz genutzt. Zu einer anderen Uhrzeit als heute früh um 10 Uhr 15 ist es hier sehr lebhaft. Tolles Lokalkolorit, würde man denken. Dann aber fragte ich bei Heidi hinter der Theke nach: Das Lokal existiert nicht etwa seit 1948 oder so, sondern seit 1998. Und vorher war hier ein Optiker…

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Das Bistrot ist auf alt und authentisch gemacht und dennoch kein tourist trap. Denn es scheint geworden zu sein, was ich glaubte, dass es das schon immer war: Eine luxemburgische Institution, ein Hort einheimischer, einfacher und unprätentiöser Lebensart in einer ansonsten völlig durchgestylten Café- und Bar-Umgebung. Ich habe mich durch meine eigene Vor-Stellung täuschen lassen und konsterniert feststellen müssen, wie schnell das geht.

Hier treffen sich tatsächlich Bürger, lesen die Zeitung und erinnern die Politiker von gegenüber daran, für wen sie arbeiten. Und wenn eine Demo vor der Chamber vorbei ist, geht man hier noch einen trinken. Ich kenne das von Votum Klima, wie zum Beispiel heute am Divestment Day. Andere haben sich am Abend nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo instinktiv vor dem Bistrot versammelt – und nicht vor dem edlen Konsummagneten „Chocolate House“ nebenan.

Adresse: 24 Rue du Marche Aux Herbes, 1728 Luxemburg, Tel.: 46 66 69

Homepage und ein Blogtext zum Bistrot

Bistrot de la presse_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

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  1. Starbucks widerstehend: Kaffeehaus-Originale | akihart

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