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Hotel du Centre_Metz

Januar 3, 2015

Wenige Tage vor Weihnachten hatte ich aufgrund einer beruflichen Abendveranstaltung das Glück, in Metz übernachten zu dürfen. Ich hätte nicht gemusst, schließlich geht um 23 Uhr 39 noch ein Zug zurück nach Saarbrücken. Aber die Ankunft um 0 Uhr 38 ist nicht wirklich zuzumuten, wenn die Veranstaltung gegen 20 Uhr 30 zu Ende geht. Aber es gibt eben in den drei Stunden dazwischen für Autoverweigerer wie mich keine einzige Verbindung mehr zwischen den beiden gerade einmal 60 km voneinander entfernten Nachbarstädten. Um 20 Uhr 19 fährt der letzte. Durch die TGV-Verbindung von Paris nach Strasbourg bzw. über Saarbrücken nach Frankfurt, die südlich an der Stadt vorbei geführt wurde, hier aber keinen Stopp macht, ist die Hauptstadt Lothringens vom Fernverkehr abgeschnitten worden. Was für den privaten und beruflichen deutsch-französischen Austausch eine Katastrophe ist, war mir allerdings sehr recht, konnte ich so doch einmal eines der alten authentischen Hotels der Innenstadt ausprobieren.

Metz war von 1670 – 1726 zu einer der stärksten Befestigungsanlagen Frankreichs ausgebaut und nach Wiedererrichtung der unter Napoleon I. geschleiften Zitadelle 1830 zur größten französischen Garnisons- und Festungsstadt geworden. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war die Stadt bis 1918 Teil des Deutschen Reiches. Unter Kaiser Wilhelm II. erfolgte zwischen 1880 und 1890 ein weiterer Ausbau der militärischen Anlagen, so dass Metz zu einer der größten Festungsanlagen der Welt und zweitgrößten Garnison des Deutschen Reiches wurde. Nach dem 1. Weltkrieg gehörte Metz erneut zu Frankreich, während des 2. Weltkriegs von 1940 bis zur Befreigung 1944 vorübergehend wieder zum Deutschen Reich.

Diese wechselvolle Geschichte wird vor allem Bahnreisenden wie uns bewusst, wenn sie vom Bahnhof in Richtung Centre Ville gehen: Zunächst kommt man durch das Quartier Impérial, in dem sich viele monumentale Bauten aus deutscher und insbesondere wilhelminischen Zeit erhalten haben, dann ändert sich jenseits der Avenue Foch plötzlich das Bild: Man durchläuft jetzt auf dem Weg zur Altstadt enge, gewundene und sehr französische Gässchen, wie die Rue Dupont des Loges, deren Häuser erst nach einigen hundert Metern ohne jedes Geschäft allmählich größer und städtischer werden. Hier – am Rand der, den Charakter der Stadt nicht durch eine billige Pflasterung beeinträchtigenden, Fußgängerzone (übrigens der größten Frankreichs) – findet sich in einem unauffälligen Eckhaus das Hotel Du Centre.

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Das nette kleine, etwas urige, aber saubere, sicherlich weit über 50 Jahre alte Zweisternehotel überrascht mit einem ganz eigenen Charakter, dessen unaufdringlicher Charme Nostalgiker wie mich ebenso wie Städtereisende mit kleinem Budget befriedigt. Ein Einzelzimmer kostet 65, das Doppelzimmer 68 und das Vierbettzimmer 108 Euro. Für das gute Frühstück zahlt man 8 Euro. Wir bekamen durch die sehr zuvorkommende und nette Frau an der Rezeption im 1. Stock eines der 15 Zimmer, benannt nach der 400 m entfernten Kathedrale: Saint-Etienne. Dann ging es über ein Treppenhaus in das zweite von vier Stockwerken, das ein echtes Unikat darstellt: Eine breite Wendeltreppe, deren seitliche Verankerung schon etwas aus der Halterung gebogen, aber dennoch sicher schien. Jedenfalls für gedankenlose Lebensoptimisten.

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

So liebe ich authentische alte Hotels: Sie sind auf eine charmante Weise alt, weisen Patina auf und wurden behutsam saniert, ohne die Originalität zu zerstören. Es gibt auch keinen Aufzug, der brutal irgendwo hineingequetscht wurde.

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Zwar ist die Straße relativ ruhig, doch kann der Lärmpegel an Wochenenden wegen mancher Cafés und Bars sowie der benachbarten Pizzeria „La Toscane“ deutlich ansteigen. Mir gefiel das durch Stuckverzierungen vielfach grau gebrochene Weiß unseres Zimmers und der verkleidete Kamin in der Ecke. Die Zimmer unter dem Dachstuhl haben mit ihren hervorstehenden braunen Balken einen ganz anderen, eigenen Charakter, wie wohl überhaupt jedes Zimmer ähnlich geräumig und individuell gestaltet wie unseres zu sein scheint.

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Tagsüber und von oben wirken das Treppenhaus mit seiner Glaskuppel und dieses merkwürdige Purpleblau des Geländers und der Wände, das sich überall im Hotel wiederfindet, ganz anders als abends: Wie ein umgestülptes Schneckengehäuse oder ein Schlund, in den man sich besser nicht stürzt (passend zu solchen Gedanken hängt im Flur ein Gemälde aus der Kaiserzeit, das die damalige „Totenbrücke“ zeigt). Das Haus könnte aus dieser Zeit stammen.

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

Die neue Inhaberin, Francoise Moise, die das Hotel im April 2013 übernahm, hat sicherlich noch einiges zu tun. Hoffentlich kann sie trotz gestiegener Ansprüche vieler Kunden, die Authentizität des Hauses bewahren.
Adresse: Hotel du Centre, 14, rue Dupont des Loges, 57000 METZ, Tel:  +33 (0)3 87 36 06 93, H: +33 (0)6 69 40 24 94, contact(@)hotelducentremetz.fr, Webseite

Webseite zur Geschichte der Straße

Hotel du Centre_Metz © Ekkehart Schmidt

From → Hotels, SaarLorLux

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