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Caffè Greco_Rom

Dezember 7, 2014

Was es einmal war, kann es nicht mehr sein – zu prominent waren die Stammgäste, als dass das Interesse von täglich einer Hundertschaft Touristen dieses älteste römische Kaffeehaus unbeeinflusst gelassen hätte. Sie kommen selten in größeren Gruppen, um da einen Espresso zu trinken, wo schon Casanova, Goethe, Nietzsche, Schopenhauer, die Gebrüder Mann oder Henry James gerne saßen. Aber sie haben das etwa 1740 entstandene, aber erst 1760 urkundlich erwähnte Haus zu einem Museum gemacht, das kein authentisches Leben mehr hat. Besuchenswert ist es dennoch unbedingt, auch weil es sich bei den Gästen um Connaisseure handelt : Das Caffè Greco (auch Antico Caffè Greco). In der teuersten Einkaufsstraße Roms, der Via Condotti, nahe der spanischen Treppe, wirkt es von außen unscheinbar, man betritt zunächst eine edle Konditorei und blickt dann durch einen sehr langen Flur mit Sitzgelegenheiten, an dessen Ende der Einfall von Tageslicht darauf hinweist, dass es einen zweiten Eingang gibt (hier vom jenseitigen Ende aus fotografiert).

Caffè Gréco_Rom © Ekkehart Schmidt

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

Auf dem engen Flur zwischen beiden Eingängen kommt man durch eine labyrinthartige Abfolge von Seitenräumen, deren jeder in Form, Farbe und Dekoration anders gestaltet ist – alle aber verweisen mit Zeichnungen, historischen Fotos, Skulpturen, Autographen und anderen Erinnerungsstücken auf die ehemals illustren Gäste des Hauses. Ursprünglich bestand das Café nur aus einem Raum. Der heutige Besucher kann es sich in einer ruhigen Nische auf Samtgestühl und an Marmortischen gemütlich machen. Falls er einen Platz findet und sich die hohen Preise leisten mag. Es wird aber auch toleriert, wenn man einfach hindurchschlendern und die Atmosphäre auf sich wirken lassen will.

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

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Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

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Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

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Plötzlich ist man in der Via delle Carozze (wenngleich Via Condotti an der Wand steht) und das Café wirkt völlig anders.

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

Das Greco ist eine Institution der besonderen Art, gegründet 1760 von einem griechischen Levantiner namens Nicola di Maddalena – daher der Name, der übersetzt etwa „Griechisches Café“ bedeutet. In den Anfangsjahren war es vor allemm Treffpunkt deutscher und skandinavischer Künstler, die in der Nähe der Spanischen Treppe ihre Ateliers und kleinen Wohnungen hatten. Etwa um 1815 verkehrte und sass hier im wichtigsten Lokal des damaligen Ausländerviertels (Roma dei Forestieri) alles, was Rang und Namen hat und sich in Rom aufhielt: Kunsthistoriker, Philosophen, Maler, Autoren und Musiker. Zu den ersten zählte Goethe, der 1786 nach Rom kam und – mit Unterbrechungen – zwei Jahre blieb. Er hielt sich hier allerdings unter dem Namen Philipp Möller auf, um anonym arbeiten zu können Im Gästebuch tatsächlich nachgewiesene weitere berühmte Besucher des Lokals, die nicht immer Stammgäste waren, aber sich bei einem Caffè oder Aperitivo zumindest einigermassen regelmässig hier aufgehalten haben, sind: Giacomo Casanova, Richard Wagner, Felix Mendelssohn Bartholdy, Arthur Schopenhauer, Franz Liszt, Franz Grillparzer, Angelica Kauffmann, Friedrich August Tischbein oder Percy Bysshe Shelley, später auch Friedrich Nietzsche, Tschaikowsky, Hector Berlioz, Georges Bizet, Stendhal, Gabriele d’Annunzio, Giacomo Leopardi, Hans Christian Andersen, Nikolaj Gogol, Anatole France, Lord Byron, Thomas und Heinrich Man sowie John Keats und Henry James. Von den „allererlauchtesten“ dieser großen Namen der europäischen Geistesgeschichte wurden hier Porträts oder einzelne Werke aufgehängt. Ich kenne weltweit kein anderes Café, das eine solch prominente Gästeliste aufweisen kann.

Im so genannten Omnibus, einem schmalen weißen Saal, hielt König Ludwig I als Kronprinz Hof, sich als Künstler unter Künstlern fühlend. Nachdem er Jahre später abdanken musste, zog er sich aus Bayern nach Rom zurück und wieder ins Caffè Greco. Herbert Rosendorfer, der das Lokal gut kannte, schrieb 1990 in Abwandlung eines Goethe-Zitats: „Wer das Caffè Greco nicht besucht hat, dem macht Rom nicht das vollständige Bild der Seele“. Die schönste Anekdote steuert aber Rolf Uesseler bei: „Die Geschichte will, dass die christlich gesinnte deutsche Malergruppe der „Nazarener“ Schopenhauer hier gewaltsam vertrieb, weil es – wie es seine Gewohnheit war – bissig-ketzerische Bemerkungen über die Deutschen und die Kirche machte“.

Adresse: Via Condotti 86, 00187 Rom, Italien, Tel.: +39 06 679 1700, Öffnungszeiten: Di – Sa 9 bis 19.30 Uhr, So und Mo 10.30 bis 19 Uhr, Homepage

Verwendete Quellen: Rosendorfer, Herbert: Rom. Eine Einladung, Köln, 1990, 11. aktual. Aufl. 1999, S. 21, 25f, 56; CS: Caffè Greco in Rom, my-entdecker.de, 12.01.2012; Thiele-Dohrmann, Klaus: Europäische Kaffeehauskultur, München, Zürich 1999, S. 184-204; Uesseler, Rolf (Hg.): Rom. Stadtreisebuch, VSA-Verlag, Hamburg 1990, S. 151f

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Caffè Greco_Rom © Ekkehart Schmidt

From → Cafés

3 Kommentare
  1. Ron permalink

    Toller, informativer Artikel ! Danke Ekkehart !

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