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Poutine – eine Riesensauerei aus Québec

November 26, 2014

Natürlich mussten wir im Oktober zu Zeiten der Krimkrise sofort an Wladimir denken, als uns im kanadischen Québec bei nahezu jedem Schnellimbiss oder Restaurant das Angebot einer „Poutine“ ins Auge sprang. Wladimir ist jedoch eindeutig männlich, während eine Poutine à la québecoise zwar nichts mit einer „pute“ oder dem Fluch „putain“ zu tun hat, aber gleichwohl weiblich ist. Dazu kommen noch andere Unterschiede oder auch Gemeinsamkeiten, auf denen wir hier jedoch nicht herumreiten mögen. Da uns am ersten Tag in Kanada viele erste Eindrücke beschäftigten – von der Vegetation über Bustypen, Siloanlagen und Architekturformen bis hin zum sehr eigenwilligen französischen Akzent -, dachten wir nicht weiter über diese merkwürdige Absonderlichkeit nach…

Poutine in Québec © Ekkehart Schmidt

Poutine in Québec © Ekkehart Schmidt

Poutine in Québec © Ekkehart Schmidt

Poutine in Québec © Ekkehart Schmidt

Poutine in Québec © Ekkehart Schmidt

…bis wir abends in Québec City Hunger bekamen, ins erstbeste Lokal in der Grande Allee gingen und die Kellnerin fragten, was sie uns empfehlen kann: „Essayer une poutine“ kam die Antwort derart spontan, dass wir nicht Nein sagen konnten. Es handele sich um Pommes Frites mit Cheddar Käse und einer Bratensoße. Tja, aber welche Sorte? Mit Würstchen, Hähnchen, Entenbrust oder „Smoked meat“? Ich probierte Ente und wurde ob meiner guten Wahl anerkennend nickend gelobt.

Poutine in Québec © Ekkehart Schmidt

Der Anblick überraschte… Es war aber im Prinzip sehr lecker, jedenfalls bis zur Hälfte. Dann begann mein Magen sich wegen Überfettung zu sträuben. Ich tilgte gleichwohl meine Schale. Alle paar Wochen eine Poutine zu essen, wäre vorstellbar. Aber dieses T-Shirt hätte ich mir dann doch nicht gekauft:

Poutine in Québec © Ekkehart Schmidt

Zurück zu Hause habe ich ein wenig recherchiert: Man hat das Gefühl, dass sich eine halbe Wissenschaft rund um die „richtige“ Zubereitung dieser erst Mitte der 1950er-Jahre entstandenen Spezialität entwickelt hat. Der Käse zum Beispiel: Der Cheddar muss en grains sein, d. h. es ist ungepresster Käsebruch zu verwenden, damit das offenbar so beliebte „Quietschen“ beim Draufbeißen hervorgerufen wird. Einen guten poutine fromage en grains zeichnet aus, dass der Käse nie älter als 24 Stunden ist, damit er diese Eigenschaft behält. Diesen Effekt kann man wohl nicht mit Mozzarella oder einfach geriebenem Cheddar erzielen.

Woher aber kommt der Name? Es gibt ein Erklärungsmuster, demzufolge Poutine eine Abwandlung von „pudding“ sei. Sehr viel schöner (deshalb aber nicht wahrer) ist die Geschichte von einem Gast, der damals im Städtchen Warwick beim Kioskbetreiber Fernand Lachance aus unerfindlichen Gründen Pommes frites mit Quark bestellte. Lachance habe daraufhin geantwortet: „Ça va faire une maudite poutine“ („Das wird eine Riesensauerei“).

Nachtrag vom Mai 2016: Bei meinem zweiten Besuch in der Provinz Québec sind mir in Montréal in und rund um den Boulevard St. Laurent und am Marché Jean Talon wieder viele Poutine-Lokale begegnet. Diesmal habe ich nicht davon gekostet, sondern mit „smoked meat“ bei Schwartz’s eine ähnliche Variante deftiger Kost probiert.

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Mehr dazu bei Wikipedia (deutsch, nur kurz; ausführlicher und mit wissenschaftlichem Anhang auf französisch).

Poutine in Québec © Ekkehart Schmidt

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  1. Schwartz’s_Montréal | akihart

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