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Gigi Bar_Santa Marinella

September 28, 2014

Für uns war es der Traum vom Sommer an der italienischen Küste: Auf dem Weg per Eisenbahn von Rom nordwärts war oder erschien Santa Marinella der einzige Badeort zu sein, der sich trotz der relativen Nähe zur italienischen Hauptstadt (60 km) und deren badedurstigen Wochenendausflüglern einen gewissen Charme erhalten hat – ein Villenort mit schönem Sandstrand. Und vor allem einer Bahnstation keine 300 Meter Fußweg entfernt. Dort fanden wir an der historischen Via Aurelia die Gigi Bar und verbrachten einen wunderbaren Mittag. Später haben wir deutlich schönere und nicht so überlaufene Badeorte gefunden. Aber dieser war eben der erste, der als solcher nach einem halben Jahre deutschen Grauwetters als traumhaft empfunden wurde – trotz des überfüllten Strands. Ab Ende der 1940er-Jahre muß es für manche Prominente so ähnlich gewesen sein, die hier ihren Sommer in damals sicherlich noch exklusiverer und authentischerer Atmosphäre verbrachten. In den 1950er und 1960er Jahren war Santa Marinella derart bekannt als Treffpunkt von Politikern und Filmschaffenden, dass sogar Loriot auf den Ort aufmerksam wurde: In einem seiner ersten Fernsehsketche las er einen hiesigen Urlaubsprospekt vor, der in sehr mangelhaftem Deutsch geschrieben war.

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Der schnellste Weg zum Strand führt damals wie heute über eine Treppe unter der Bar hindurch. Von dort sieht man über den Umkleidekabinen die Dachterrasse der Gigi Bar: Dort ließen wir erstmal die Atmosphäre auf uns wirken. Nach über einem halben Jahr deutschen Winters ein wohliges Baden in Hitze, Himmels- und Meeresbläue. Espresso und etwas zu Essen dazu, ehe es rein ins Wasser ging (für unseren Sohn das erste Mal).

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

Bekannt wurde der Ort auch dadurch, dass der abgesetzte König Faruq von Ägypten die ersten Jahre seines Exils nach der Revolution von 1952 in Santa Marinella verbrachte. Zu der Zeit stiegen im nahen Hotel „Le Palme“ auch viele Filmstars und Politiker aus Rom ab und besuchten sicherlich auch die Gigi Bar, die damals fast einzige Lokalität am Strand. Wie Angelo Carlino Bandinelli in seiner Ortsgeschichte schreibt, entwickelte sich hier damals mit Gästen wie Esther Williams und Gregory Peck sowie dem etwa von 1950-57 hier lebenden Paar Ingmar Bergmann und Roberto Rossellini so etwas wie ein „Dolce vita sulla riva del mare“. Auch Filme wurden hier gedreht. Weiß man das alles, sieht man die heute eher unspektakuläre Bar mit anderen Augen. Wir erfuhren das allerdings erst im Nachhinein.

Attraktiv ist der Ort auch deshalb, weil der eigentlich Rom am nächsten gelegene Strand von Ostia mittlerweile von der Mafia übernommen worden ist und stark an Attraktivität verloren hat. Ostia liegt 70 km südlich von Santa Marinella.

Welche Bedeutung der Name „Gigi“ hat, kann ich leider nicht sagen: Es gibt neben der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Colette viele Bedeutungen. am naheliegendsten ist die, dass es sich um die Kurzform des italienischen Vornamens Luigi handelt, also möglicherweise des ersten Inhabers.

Verwendete Quellen: Angelo Carlino Bandinelli: Santa Marinella nel caleidoscopio del tempo, Rom 2002, S. 217f (online hier) und ein  Wikipedia-Text zur Stadt.

Gigi Bar_Santa Marinella  © Ekkehart Schmidt

From → Cafés

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