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Pasticceria Cavo_Genua

August 20, 2014

Der konkrete Stadtkörper der früheren Seemacht Genua entwickelte sich in der räumlichen Enge eines schmalen Küstenstreifens zwischen Gebirge und Mittelmeer. Rund um die Hafenbucht wuchsen die Häuser entlang enger Straßen in die Höhe. Dennoch stellt die Altstadt mit ihrem Labyrinth aus kleinen Gässchen und Plätzchen die größte historische Altstadt Europas dar. Erst einige Kilometer entfernt präsentiert sich die lang ausgestreckte Stadt heute mit traumhaften Villenvierteln, von denen man noch immer über prächtige Gärten aufs Meer blickt.

Geht man heute, wie wir vor zwei Wochen, vom Bahnhof Piazza Principe hinunter zum Hafen, kann man sich in den „carrugi“ genannten Gassen leicht verlaufen. Es sei denn, man folgt stur einer langen Gasse, die parallel zur Uferpromenade verläuft. Ob die Via di Prè „bessere Zeiten“ gesehen hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Heute jedenfalls ist es eine von außereuropäischen Migranten dominierte Gasse. Wir passierten auf dem Weg entlang einer Kirche, einer Markthalle und einem ehemaligen Stadttor schwarzafrikanische Internetcafés, senegalesische Schnellimbisse, indisch geführte Minimärkte oder nordafrikanische Lokale, ehe der Blick an der kleinen Piazza Fossatello plötzlich auf ein historisches Gebäude fiel, das noch immer in seiner früheren Funktion genutzt wurde – eine Ausnahme hier: Die Pasticceria Cavo (oder um genau zu sein: Pasticceria Liquoreria Marescotti di Cavo).

Auf den ersten Blick ein edles Juwel, Reminiszenz an alte, längst vergangene Tage – und man hofft natürlich, dass das Caffè den Lauf der Zeiten überlebt hat. Der livrierte Kellner, die Gedecke und die ganze Inneneinrichtung wirken auch so. Etwas überraschend ist nur die Kassiererin, die sich eine gute Viertelstunde auf ihrem Stuhl fläzend die Fussnägel feilt oder lackiert. Egal, wir bestellen uns Kaffee und ruhen erst einmal.

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Pasticceria Cavo_Genua © Ekkehart Schmidt

Das Caffè wurde 1906 eröffnet und scheint heute vor allem noch als Konditorei und Liquoreria (Verkaufsstelle vor allem des Amaretti di Voltaggio) von Bedeutung zu sein, aber nicht mehr als Treffpunkt und Ort der Muße im Sinne einer Kaffeehauskultur. Im Erdgeschoss gibt es keine Sitzmöglichkeit, vor der Tür auch nur zehn Korbsessel und der Saal im ersten Stock scheint kaum noch genutzt zu werden. Er wirkt noch musealer als der Rest des Lokals, scheint aber abends als Restaurant aufzuleben. 

Unser zweistündiger Zwischenstopp zwischen der Cinque Terre und Milano war vorbei, wir mussten zurück zum Bahnhof. Hätten wir noch Zeit gehabt, wären wir einige Schritte weiter gegangen bis zum Übergang der Via di Fossatello in die Via San Luca und hätten herausfinden können, warum diese – wie ein großes Banner besagte – zum Weltkulturerbe erklärt wurde. So ging es nach dieser kurzen Stippvisite in ein Relikt aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende (mit ausgezeichnetem Espresso) abrupt zurück durch ein afrikanisch dominiertes Migrantenviertel des 21. Jahrhunderts. Später las ich, dass wohl die Palazzi dei Rolli gemeint sind, wie man die historischen Adelspaläste in der Altstadt bezeichnet.

Adresse: Via di Fossatello 35R e 37R, Genua/ Italien, Tel.: +39 010 209 1226, mail: info@cavo.it, homepage

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  1. Starbucks widerstehend: Kaffeehaus-Originale | akihart

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