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Hotel Stalingrad_Brüssel

April 3, 2014

Nein, es ist kein altes Hotel, sagt Ismael. Es existiere seit 17 Jahren. Da ich mich, ob der Lage direkt gegenüber der Gare du Midi im Eckhaus ausgangs der Avenue Stalingrad, wundere, weil doch die Lage so perfekt sei, dass man ein langansässiges Haus erwarte, ergänzt er: Ja, es habe vorher schon etwas hier gegeben, aber nur mit etwa vier Zimmern. Und heute habe man ja immerhin zwanzig: auf vier Etagen je fünf. Ich habe das Hotel letzte Woche deshalb gewählt, weil mich das urig-schmuddelig-authentische Marolles-Viertel gerade im Übergang zum arabisch geprägten Bahnhofsviertel seit gut einem Jahrzehnt fasziniert. Die Av. Stalingrad trennt und eint beide zugleich. Vor einem Jahr waren wir in sehr touristisch geprägter Nähe der Brüssel Altstadt am anderen Ende der Straße abgestiegen: im Hotel A la Grande Clôche. Jetzt, alleine unterwegs, gönnte ich mir das kleine Abenteuer eines offensichtlich arabisch geführten Hauses.

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Ich habe das Viertel als etwa schmuddelig in Erinnerung, daher bin ich von dem Hotel sehr positiv überrascht.

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

Wegen des ausschliesslich von Männern aus Marokko, Algerien oder Tunesien besuchten „Salon de thé El Manama“ im Erdgeschoss, in dem Hotelgäste ihr Frühstück bekommen, vertieft sich das Gespräch mit Ismael, der sich als erstaunlich gut informiert und an diesen Fragen interessiert erweist. Das sei hier früher ein jüdisches Viertel gewesen, ab 1917 bis in die 1960er/70er-Jahre, doch heute dominieren hier die Maghrebiner. Es habe sich jedoch nicht um Juden aus dem Maghreb gehandelt, sondern aus Russland. Sie  seien damals wegen der Revolution hierher geflohen.Wir reden über die Unterschiede zwischen sephardischen und aschkenasischen Juden. Erstere seien spanisch-orientalischer Herkunft, letztere seien die in Mittel- und Osteuropa lebenden. Hier im Marolles-Viertel hätten die Aschkenasim dominiert.

Aber die Einwanderungsgeschichte des Viertels hört mit den Maghrebinern nicht auf, weiß Ismael. Jenseits der Avenue und der Hochgleisstrecke hätten schon einige Häuser die Besitzer gewechselt: Die Flamen würden Häuser kernsanieren und als schicke Apartments vermieten. Es sei schick, wieder zurück in die Stadt zu ziehen. Das Viertel hier, direkt unterhalb des berühmten Marolles-Viertel, wird also offensichtlich aufgepeppt. Nachdem ich am Abend noch eine Runde gedreht habe und sehr viele „Salons de thé“ entdecke, von denen die meisten geradezu edel aufgemacht sind, aber eindeutig marokkanische Namen tragen, wird klar, dass es auch für die mittlerweile etablierten Araber ein Anliegen ist, aus der Schmuddelecke heraus zu kommen. Die aufwändige Aufmachung der Decke in der Hotellobby sowie des Salon de thé zeigen dies ebenso wie der kostenlose Wifi-Zugang und das „gutbürgerliche“ Bad. Dass mein Aufenthalt entgegen meiner Erwartungen und trotz der für Brüssel mit 50 EUR extrem billigen Übernachtung nun doch nicht abenteuerlich geworden ist, enttäuscht mich daher gar nicht.

 
Adresse: Hotel Stalingrad, Avenue Stalingrad 117, 1000 Bruxelles, Belgien, Tel.: 0032(0)2511 11 32

Hotel Stalingrad_Brüssel © Ekkehart Schmidt

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  1. Salons de thé à la bruxellois | akihart

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