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Café Hotel de l’Univers_Paris

Februar 27, 2014

Es wirkt bedroht. Nach dem Abriss des Eckhauses in der Rue des Poissoniers im arabisch-schwarzafrikanischen Zuwandererviertel Barbès kann man sich skeptisch fragen, wie die Zukunft für dieses alte, maghrebinisch geführte Café aussehen wird. Im Vergleich zu meinem letzten Besuch vor vier Jahren hatte sich innen nichts verändert.

Café Hotel de l'Univers_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Hotel de l'Univers_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Hotel de l'Univers_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Hotel de l'Univers_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Hotel de l'Univers_Paris © Ekkehart Schmidt

Ich habe mich vor 14 Tagen nicht getraut, heimlich die Menschen hier zu fotografieren. Nicht den netten und gesprächigen Theker, nicht die Runde der vor 10-15 Jahren pensionierter ehemaliger Fabrikarbeiter und Selbstständiger in der Ecke – allesamt aus dem Maghreb stammend, wahrscheinlich vor allem Berber aus Marokko. Man möge sie sich vorstellen. Archetypisch, wie sie auf mich wirkten. Hier, an ihrem Treffpunkt, wo sie täglich oder wöchentlich ein Stück Heimatgefühl tanken. Bei Espresso oder Thé à la menthe. Auch der Inhaber des Grand Hotel Barbes gegenüber und seine Mitarbeiter schauen hier fast täglich hinein. Zwei Institutionen einer allmählich historisch werdenden Epoche arabischer Arbeitsmigranten in Paris. Fast tröstlich: Im abgerissenen Eckhaus befanden sich nur Geschäfte der später zugewanderten schwarzafrikanischen Migranten.

Aufgabe für den nächsten Paris-Besuch: Klären, ob es auch hier Zimmer für Arbeiter gab. Oder gar ein Hotel, wie der Name suggeriert. Dieser Tage jedenfalls deutete nichts darauf hin. In den 1960er- und 70er-Jahren lebten viele Maghrebiner in Vierteln wie diesem als Dauergäste in solchen Café-Hotels, meist zu dritt oder viert in einem Zimmer. Gildas Simon hat das am Beispiel der Tunesier beschrieben.

Nachtrag vom (nächsten Paris-) Besuch am 17. März 2016: Das Café existiert noch, nebenan wurde ein postmoderner, weiß glänzender Bau hochgezogen, der relativ behutsam ins Viertel eingefügt, aber noch nicht bezogen wurde. Entscheidend ist natürlich die künftige Nutzung: Könnte es sich – mit teuren Appartments – um einen Vorboten der irgendwann zu erwartenden Gentrifizierung handeln? Leider hatte ich auch keine Zeit, ins Lokal zu schauen, weil ich mich zu lange in der Café Bar Le Titanic um’s Eck aufgehalten habe. Ich muss also wieder vorbeischauen. Baldmöglichst.

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Literatur: Gildas Simon: L’Espace des travailleurs tunisiens en France. Structures et Fonctionnement d’un champ migratoire international, Eigenverlag, Poitiers 1979, S.  192 ff, 208f.

Café Hotel de l’Univers_Paris © Ekkehart Schmidt

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