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Meine Vorbilder

Februar 25, 2014

Mit Ende 20 habe ich viele philosophische Bücher gelesen, auf der Suche nach dem einen, richtigen Weg durch dieses schwierige Leben. Dann fragte ich einmal meinen Vater, welcher Philosoph für ihn am wichtigsten war. Die Antwort war zunächst furchtbar enttäuschen und ernüchternd: Es gab bei all seiner Belesenheit keinen. Für ihn habe immer einfach nur gezählt, das Leben zu meistern.

Erst viel später, als ich selber Familienvater geworden war, konnte ich das verstehen und für mich akzeptieren, dies als Vorbild zu nehmen. Oh je: „Vorbilder…“: Das klingt irgendwie so nach strenger Disziplin und Zwang. Darum soll es in dieser kleinen Auflistung aber nicht gehen. Ich bin mir manchmal sofort in der jeweiligen Zeit, oft erst viel später bewusst geworden, dass ich Vorbilder (oder Idole) entdeckt hatte, deren Leben mich faszinierte, deren Ideale, Prinzipien, Werk, Charakter oder Lebensweise mir in idealisierter Weise richtungsweisend geworden sind. Und denen ich (meist) bewusst nachgeeifert habe. Heute findet sich da kaum noch ein Philosoph.

Ein Nachdenken über meine Vorbilder – in der chronologischen Reihenfolge ihrer Prägung auf mich – ist natürlich in erster Linie ein Stück Selbsterkenntnis. Erst Recht, wenn ich dies in dem Jahr unternehme, in dem ich 50 werde. Nur für mich. Aber vielleicht regt es andere an?

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Name (Nationalität und Beruf / was mich faszinierte bzw. ihre Anregung)

Räuber Hotzenplotz (dtsch. Romanfigur/ immer eine Rückzugshöhle im Wald haben); Mumin (nordischer Troll/ immer als Teil einer Gemeinschaft handeln); Pippi Langstrumpf (schwed. Romanfigur/ sein eigenes freies Leben aufbauen); Huckleberry Finn (US-amerik. Romanfigur/ Rebellieren gegen die Zwänge der Erwachsenenwelt); Lukas der Lokomotivführer (dtsch. Romanfigur: mutig in die Ferne streben, keine Angst vor Gefahr haben, in sich vertrauend) Henry Hudson (US-amerik. Entdecker/ gegen alle klimatischen Widrigkeiten die Expedition fortsetzen); Sophie Scholl und Willi Graf (dtsch. Studenten/ Widerstand leisten gegen Unrecht); Gerd Müller (dtsch. Fußballer/ aus unmöglich erscheinenden Situationen den Weg zum Torabschluß finden); Heinrich Schliemann (dtsch. Feldarchäologe/ beharrlich und gründlich kombinierend Historisches zu Tage fördern);  Bärbel Bürk (dtsch. Regieassistentin und Mitschülerin/ kreativ Kleidung selbst gestalten und sich damit ausdrücken); Egon-Erwin Kisch (tschech. Reporter/ auf der Suche nach einer guten Story mitten rein gehend); Hans-Dietrich Genscher (dtsch. Außenminister/ ständig unterwegs, um Probleme zu klären); Boris Becker (dtsch. Tennisspieler/ niemals aufgeben); Jack Kerouac (US-amerik. Autor/ ständig unterwegs auf der Suche nach sich selbst); Max Beckmann (dtsch. Maler/ das Leben wird Werk); Harald Naegeli (der „Sprayer von Zürich“/ man kann intelligent Graffitis „zeichnen“); Jean-Paul Sartre (frz. Philosoph/ Intellektuellenleben in Paris); Joan Armatrading (US-amerik. Sängerin/ das eigene emotionale Empfinden mutig in die Welt tragen); Jimi Hendrix (US-amerik. Musiker/ Wut und Melancholie kreativ ausdrücken);  August Macke (dtsch. Maler/ das Licht im Orient suchend); Ernest Hemingway (US-amerik. Autor/ reisend, beobachtend, beschreibend); Max Picard (schweiz. Autor, der das Erzählende der Dinge, Ortschaften und Menschen genau und geduldig in ganz eigenen Bildern sah und beschrieb, ohne gewollt zu pointieren); Eugen Wirth (dtsch. Geograph/ räumliche Phänomene in Städten akribisch genau kartieren); Navid Kermani (dtsch. Autor/ ein Bekannter aus Studienzeiten, der es schafft, sich Gehör zu verschaffen); Walter Schmidt (dtsch. Beamter und Vater/ das Leben meistern, welche Herausforderungen es Dir auch stellt); Ralf Rousseau (dtsch. Tai-Chi-Lehrer/ zu sich selbst zurück finden); Peter Handke (österr. Autor/ sprachlich präzise scheinbar unbedeutende Themen umkreisen); Ryszard Kapuściński (poln. Journalist, reisender Reporter und Autor/ für seinen anekdotischen Stil, mit dem er die Reportage ins Literarische transportiert); Ben Schott (brit. Ersteller von Sammelsurien/ Auflistungen kontinuierlich und präzise recherchiert weiter verfolgen); Alexander von Humboldt (dtsch. Universalgelehrter/ beharrlich geografische Hypothesen durch eigene Anschauung überprüfen); Jürgen Blenck (emerit. dtsch Universitätsdozent/ es zählt vor allem, was man persönlich weiter gibt); Patrick Modiano (frz. Literaturnobelpreisträger/ akribisches Nachforschen von Schicksalen im Stadtraum Paris)

Fotos: Boris Becker (Augsburger Allgemeine Zeitung), Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir (Bruno Barbey)

Etwas Theorie zum Thema bei Wikipedia.

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