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Unwetter am Dragonerweg

Februar 23, 2014

Blauer Himmel mit Sonne ist das denkbar ungeeignetste Wetter zum Fotografieren von Landschaften. Jedenfalls dann, wenn man sich für deren Authentizität interessiert und sie erlebt: Alle Landschaft ist von Wasser, Wind und Wetter  (ja, gut: auch von der Sonne) geformt worden. Wir haben uns nur durch die Bemühungen der Tourismusindustrie daran gewöhnt, zu glauben, allein bei strahlendsten Sonnenschein sei eine Landschaft „schön“. In unseren Breiten kommt dazu, dass fast überall auch der Mensch entscheidend und einschneidend tätig wurde. Die Bauern und Forstwirte vor allem. Sie haben über Jahrtausende die gegebene Natur überprägt und Kulturlandschaften geformt. Regionen wie der Westen des Bliesgaus mit seinen Feldern und Obstbaumwiesen unter bewaldeten Hügelkuppen, von denen man weite Fernblicke bis in die Vogesen hat, haben bei „Kaiserwetter“ einen sehr anziehenden Reiz, werden durch Wolkengebirge im Herbst oder Vorfrühling aber keineswegs unspektakulärer.

Wenn man 30 – 50 km weit schauen kann, staffelt sich nicht nur die Landschaft in aneinander gereihten Ebenen über Täler und Hügel hinweg, auch die Wolken bilden parallele Streifen unterschiedlichster Schattierungen. Die Horizontlinie verläuft im Gefühl für den „goldenen Schnitt“ auf Eindrittel- oder Zweidrittelhöhe. Richtet man den Blick eher in den Vordergrund, kann man vor allem Farbflächen wahrnehmen und die Bildausschnitte so wählen, dass sich Dreiecke und Vierecke ineinander  fügen. Bei beiden Blickwinkeln ist es das Spiel von Licht und Schatten, das fotografisch interessant ist. Pures Licht ohne Kontraste ist meist öde. Richtig dramatisch wird es erst, wenn man sich bei Unwetterwarnungen auf den Weg macht. Wie wir vorgestern am Gut Hartungshof, von dem westwärts – über ein Dragonerweg genanntes Teilstück – der Jakobsweg auf 350 m Höhe nach Lothringen führt.

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Vom Hartungshof führt eine Stichstraße, die ein Waldstück rechterhand vom  monokulturell bewirtschafteten Ransbacher Berg mit Mobilfunkmast linkerhand trennt, steil bergauf und trifft auf einen kürzlich auffällig naturnah neu hergerichteten Höhenweg: den so genannten Dragonerweg. Von hier geht der Blick südwärts über Bliesransbach, Bliesmengen-Bolchen und Frauenberg bis zum Westrand der Nordvogesen und den Bergkegeln bei Toul, nordwärts einerseits über die Fechinger Autobahnbrücke bis Saarbrücken, andererseits über ein Naturschutzgebiet und die Hügel bei St. Ingbert bis zum Kraftwerk bei Bexbach. Schnurgerade führt der Weg zu einem „Heckenstück“ genannten Wald oberhalb des Wintringr Hofs.

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Welche Bedeutung hat dieser Name, fragt man sich. Dragoner waren – laut analogem Google, meinem altbewährten Meyers Grossem Taschenlexikon – Reitertruppen, die sich Ende des 16. Jahrhunderts formierten, bis Mitte des 17. Jahrhunderts meist als berittene Infanterie im Kampf zu Fuß eingesetzt wurden und erst Anfang des 18. Jahrhunderts die volle Anerkennung als Kavallerietruppe erreichte. Wikipedia ist da schon exakter: Die französische Armee habe 1635 aus bereits bestehenden Dragonereinheiten sechs Regimenter gebildet. 1638 wurde Dragoner zur offiziellen Bezeichnung der französischen Fußsoldaten zu Pferd. Auch in England und Preußen gab es Dragoner. Mehr dazu bei Wikipedia.

Der Begriff ist französisch und leitet sich wahrscheinlich von einer als dragon bezeichneten Handfeuerwaffe ab. Ein anderer Erklärungsansatz besagt, dass jene Reiter, die bei den Prozessionen des Papstes auf ihrer Lanze einen Drachenschild als Sinnbild des Teufels trugen, draconarii („Drachensoldaten“ nach draco = griechisch: Drachen) genannt worden seien. Davon soll sich das Wort Dragoner ableiten.

Ob nun Franzosen oder Preussen diesen Feld- und Waldweg für Patrouillen genutzt haben, ist mir völlig unklar. Man müsste wissen, wann der Weg entstanden ist. Sicher ist nur, dass er in den letzten Jahren im Rahmen eines LEADER-Projektes saniert und (für seine Funktion als Teil des Jakobswegs) verschönert worden ist.

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

Unwetter am Dragonerweg © Ekkehart Schmidt

From → SaarLorLux

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