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Onager – Vom persischen Wildesel

Dezember 28, 2013

Im Kölner Zoo begegnete mir heute eine Tierart, deren Existenz mir nicht bekannt oder völlig entfallen war. Anders meinem Vater, der sich deswegen an die Onager erinerte, weil es im September 1966 hieß, Franz Josef Strauß sei zur Jagd auf persische Wildesel im Iran gewesen. Mein Vater trat gerade seine fünfjährige Dienstzeit im Iran an und von dem Strauß-Besuch erzählte man sich offenbar innerhalb der deutschen Community so manche Anekdote. Als empörend habe man das damals jedenfalls nicht empfunden. Der damalige Finanzminister war dort auf Einladung des Schahs auf Staatsbesuch  und hat wohl neben Eseln auch Hirsche und Bären gejagt – immerhin besser, als in Afrika Löwen oder Elefanten zu jagen, könnte man meinen.

Heute sieht man diese Dinge etwas anders, schließlich ist der Onager mit geschätzten 400 noch in freier Wildbahn lebenden Exemplaren stark vom Aussterben bedroht. Seine aktuelle Verbreitung beschränkt sich im Iran auf winzige Regionen bei Semnan und Sirjan, wie die folgende Grafik von Christophe Cagé (2009) zeigt:

Verbreitung des Onager, Christophe Cagé 2009, creative commons

Onager im Kölner Zoo © Ekkehart Schmidt

Onager im Kölner Zoo © Ekkehart Schmidt

Onager im Kölner Zoo © Ekkehart Schmidt

Onager im Kölner Zoo © Ekkehart Schmidt

Der Onager ist eine Unterart des asiatischen Esels (Equus hemionus) und gilt als eine Pferdeart. Äußerlich ähnelt er dem afrikanischen Esel (Equus asinus) – der Stammform des Hausesels. Neben dem Onager gibt es noch Unterarten wie dem „Khur“ (im Iran ausgestorben) oder dem „Kulan“ in Turkmenestan. Die Tiere bewohnen trockene halbwüsten- und steppenartige Landschaften von West- bis Zentral- und Nordasien und ernähren sich hauptsächlich von harter Grasnahrung. Ihr Sozialgefüge gilt als sehr komplex.

Der Onager wurde früher als Kreuzung zwischen Esel und Pferd angesehen, was ihm auch den Namen „Halbesel“ eingetragen hat. Wie der Afrikanische Wildesel und das Przewalskipferd hat der Onager einen „Aalstrich“ auf dem Rücken, einen „Schwalbenbauch“ und eine „Mehlschnauze“, heißt es in einer Beschreibung des Kölner Zoos.

Er ist ein wahres Laufwunder, das Ausdauer und und Schnelligkeit miteinander vereint, heißt es weiter auf der Webseite des Zoos: „Mit Spitzengeschwindigkeiten von 80 km/h kann ihm kein Rennpferd Paroli bieten. Arnulf Johannes, der 1956 für den Hamburger Zoodirektor Hagenbeck Onager importierte, konnte sich von ihrer Ausdauer überzeugen : Im heißen Wüstenklima hielten die Tiere über 45 Minuten lang eine Geschwindigkeit von fast 50 Stundenkilometern aufrecht.“

Onager im Kölner Zoo © Ekkehart Schmidt

Im Iran leben die Onager in zwei voneinander getrennten Populationen. Die größte stellt jene des 14.000 km² großen Touran-Schutzgebietes bei Semnan mit rund 470 Tieren, die zweite und kleiner kommt im Bahram-e Gur Schutzgebiet zwischen Schiraz und Kerman vor, welches 3850 km² umfasst und knapp 100 Individuen beherbergt (diese Zahlen bei Wikipedia gehen noch von einer Gesamtpopulation von 600 aus). Durch drakonische  Strafen für Wilderei und die Schaffung zusätzlicher Wasserstellen bemüht sich die iranische Regierung, das Überleben der Unterart sicherzustellen.

Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) leben heute etwa 150 Onager in wissenschaftlich geleiteten Zoos. EEP-Koordinator ist Stephan Hering-Hagenbeck im Tierpark Hagenbeck in Hamburg. Onager aus Zoos wurden in der Wüste Negev/ Israel ausgesetzt, jedoch entstammt ein Großteil der Population aus Kreuzungen mit Kulanen. Eine wesentlich kleinere Gruppe wurde in Saudi Arabien angesiedelt (siehe Karte ganz oben).

Mehr zu Eseln im Iran: Die Esel von Qaleh Hasan Ali; der „Bayern Kurier“ zu Franz Josef Strauß auf Jagd im Iran: Uaaa, Uaaaah … (zitiert in: DER SPIEGEL 45/1966)

Onager im Kölner Zoo © Ekkehart Schmidt

From → Iran

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  1. Versuch über die Esel von Qaleh Hasan Ali | akihart

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