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Volksaufstände und ihre Plätze

Dezember 16, 2013

Manche Revolutionen (siehe Wikipedia) hatten einen zentralen Ort des Geschehens, an dem die Menschen demonstrierten, andere entwickelten sich dezentral (z.B. die Februarrevolution in Russland 1917). Seit dem Erlebnis der ägyptischen Revolution interessieren mich hier die konkreten Plätze (oder auch Boulevards), die zu symbolischen Räumen für Umstürze wurden. Die wenigsten heißen heute „Platz der Revolution“ (derjenige in Havanna zum Beispiel wurde erst zur Machtübernahme Fidel Castros fertig gestellt). Der Midan Tahrir hieß schon vor der letztlich gescheiterten Revolution von 2011-2013 „Platz der Freiheit“ (Foto unten vom 16. März 2013):

Midan Tahrir Cairo März 2013 (c) Ekkehart Schmidt

Name des Platzes/Ortes, Stadt, Land, Volksaufstand/ Revolution, Datum (Umstände)

  • Avenida Rio Branco, Rio de Janeiro, Brasilien, Proteste gegen Korruption, soziale Ungerechtigkeit und Milliardenausgaben für die Fußball WM, Juni 2013 (sowie der Platz an der Kathedrale in Sao Paulo und andere Straßen und Plätze im ganzen Land)
  • Maidan Azadi („Freiheitsplatz“, Teheran, Iran, islamische Revolution 1978/79 (die sog.Muharram-Proteste während der Revolution gegen das Schahregime gipfelten am 2.12.1978 in einer Massendemonstration mit über 2 Mio. Menschen rund um den Freiheitsturm, wobei die aufgebrachte Menge den Rückzug des Schahs und die Rückkehr von Ajatollah Khomeini forderte)
  • Gerichtsplatz, Benghasi, Libyen, Volksaufstand gegen Ghaddafi, 2011
  • Große Kirche, Emden, Deutschland, Emder Revolution, 1595 (die Stadt Emden erreichte damit ihre Quasi-Autonomie)
  • Grüner Platz („Märtyrerplatz“), Tripolis, Volksaufstand gegen Ghaddafi, 2011
  • Gwanghwamun Platz, Seoul, Massendemos für eine Demokratisierung bzw. gegen Korruption der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye, 1987 und 2016
  • Hofgarten, Bonn, Demos gegen die Notstandsgesetze von 1968, Friedensdemonstration gegen die atomare Bedrohung, 1981-1983
  • Hösök tere („Heldenplatz“), Budapest, Ungarn, ungarischer Volksaufstand gegen die kommunist. Regierung und die sowjetische Besatzungsmacht, 1956 (Sturz der Stalin-Statue am 23. Okt. nach Großdemonstrationen u.a. vor dem Parlament)
  • Largo do Carmo, Lissabon, Portugal, Nelkenrevolution gegen die autoritäre Diktatur des sog. Estado Novo, 25. April 1974 (hier wurde das Gebäude belagert, in das sich Diktator Marcelo Caetano während dieser v.a. durch Militärs umgesetzten Revolution geflüchtet hatte)
  • Maidan Nezalezhnosti („Platz der Unabhängigkeit“),  Kiew, Ukraine, orangene Revolution 2004/ Volksaufstand „Euromaidan“ 2013/14
  • Medan Merdeka, Jakarta, Indonesien, Demo von Muslimen gegen den Gouverneur, Dez. 2016
  • Midan Kasbah/ Boulevard Bourguiba, Tunis, Tunesien, Jasmin Revolution 2011
  • Midan Tahrir, Kairo, Ägypten, Volksaufstand gegen das Mubarak-Regime ab Januar 2011
  • Piata Victoriei (Siegesplatz), Bukarest, Rumänien, wochenlange Demonstrationen gegen die Regierung im Februar 2017, der Korruption vorgeworfen wird
  • Plaça Altamira (eigentl. Plaça Francia), Caracas, Venezuela, Demonstrationen gegen die Regierung Maduro, vordergründig wg. Sorgen um die Kriminalität, die Untätigkeit der Polizei und die Zensur der Medien, im Hintergrund steht jedoch ein zwischen der Links-Regierung Maduro und der rechten Opposition,  März – April 2014 (siehe auch Plaça Venezuela)
  • Plaça de Catalunya, Barcelona, Spanien, Proteste/ Platzbesetzung für eine sozialere Politik und gegen die Austeritätspolitik im Zuge der Eurokrise, 2011
  • Plaça de Venezuela, Caracas, Venezuela, Proteste und Auseinandersetzungen zw. Anhängern von Cháves bzw. Maduro und der rechten Opposition ab Februar 2014 sowie im Frühjahr 2017: Durch die Demonstrationen kam es zu einer Zweiteilung der Stadt, wobei die Plaça zur Grenze zw. dem Westen (Anhänger der Reg.) und dem Osten (Opp.) wurde, die auf den nahen Stadtautobahnen Francisco Fajardo und Francisco Miranda demonstrierten (siehe auch Plaça Altamira)
  • Plaça de Mayo, Buenos Aires, Argentinien, Cacerolaza (Demo der Mittelschicht, mit Löffeln auf Töpfen schlagend) gegen den Staatspräsidenten bis zu dessen Rücktritt, 19.-20.12.2001
  • Piaţa Revoluţiei (Revolutionsplatz, bis 1989 Piața Palatului), Bukarest, Rumänien, Revolution gegen das kommunistische Regime Ceaucescu, 1989
  • Place de la Bastille, Paris, Frankreich, französische Revolution, 1789 (Sturm auf die Bastille am 14. Juli zur Erlangung der dortigen Waffenvorräte, eigentlich v.a. ein symbolisch wichtiges Ereignis)
  • Place de la Nation, Ouagadougou, Burkina Faso, 2014 (Aufstand mehrerer tausend Oppositioneller Ende Oktober/ Anfang November zunächst gegen Blaise Compaoré und nach dessen Entmachtung gegen das Militär, das die Staatsgewalt wieder an zivile Kräfte übergeben soll)
  • Place de la République, Paris, Frankreich, während der Pariser Kommune wurde der von den Kommunarden schwer befestigte Platz am 25. Mai 1871 von der Versailler Armee gestürmt, 2015 gab es hier große und erhebende Demonstrationen gegen den Terror gegen Charlie Hebdo und die Anschläge vom November, seit den ersten Aprilwochen 2016 nächtigten hier bis weit in den Sommer hinein Hunderte in den „nuits debout“ im Protest gegen die Aufweichung des Arbeitsrechts
  • Platz des 17. Juni, Berlin, Deutschland, Volksaufstand gegen das kommunist. Regime in der DDR, 17. Juni 1953 (ist nur einer von vielen Orten, an denen demonstriert wurde, aber dieser Platz vor dem Bundesfinanzministerium wurde nach dem Aufstand benannt)
  • Puerta del Sol, Madrid, Spanien, Proteste/ Platzbesetzung für eine sozialere Politik und gegen die Austeritätspolitik im Zuge der Eurokrise, 2011 und 2015
  • Syntagma Platz, Athen, Griechenland, Protest gegen die Sparpolitik im Zuge der Schuldenkrise sowie gegen Rechtsradikalismus, 2012-13
  • Taksim, Istanbul, Türkei, Aufstand gegen die Bebauung des Gezi-Parks und Erdogan generell, Juli 2013
  • Tian’anmen Platz (Platz des himmlischen Friedens), Peking, China, Niederschlagung einer ursprüngl. student. Demokratiebewegung durch das Militär, 3./4. Juni 1989 (trotz anderslautender Bezeichnungen wie Tian’anmen-Massaker kam es an diesem Ort zu keinen Toten)
  • Timişoara, Rumänien, Versammlung von Gläubigen vor dem Block mit dem Gebetsraum der Gemeinde und der Wohnung des regimekritischen Pastors László Tőkés am 15.12.1989, am Folgetag Demonstration auf dem Opernplatz, was sich zum Beginn des kurzen und blutigen Aufstands gegen Nicolae Ceauşescu entwickelte
  • Union Square am Capitol Hill, Washington D.C./ USA, häufiger Ort von Massendemonstrationen, so am 28. August 1963, als sich mehr als 250.000 Menschen mit Martin Luther King am „March auf Washington“ beteiligten,  1 Mio Menschen im Sept. 2009, die gegen Obamacare demonstrieren oder bis zu 1 Mio Menschen zur Amtseinführung von Donald Trump bzw. Marsch für Frauenrechte am 22. Januar 2017
  • Wilhelm-Leuschner-Platz (künftig „Platz der Friedlichen Revolution“), Leipzig, Deutschland, Montagsdemonstartionen während der Revolution 1989
  • Willy-Brandt-Platz, Frankfurt/M., Deutschland, Blockupy-Protestcamp an der Europäischen Zentralbank seit 2011 gegen die Austeritätspolitik in der Eurokrise (Occupy-Proteste 2012 ebenso auf dem Römerberg und dem Paulsplatz)
  • Zocalo, Mexiko-City, Mexiko, Mitte November 2014, Massendemonstrationen gegen Korruption und ein vermutliches Massaker an 43 Studenten durch Polizisten in Iguala

Work in Progress

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