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Damien Hirst in Doha

Oktober 29, 2013

Wahrscheinlich ist das ein nachhaltig bedeutsamer PR-Coup, Damien Hirst für eine Retrospektive namens „Relics“ in Doha gewonnen zu haben. An diesem bislang weitestgehend kunstfreien, erst durch den Erdölboom zu einer Miniaturmetropole mit viel Blingbling herangewachsenen Ort, war ein Zeichen zu setzen, das weltweit wahrgenommen wird. Das ist mit dem 2008 eröffneten, wirklich phantastischen Bau des Museums für Islamische Kunst ein erstes Mal gelungen. Aber dann zog Abu Dhabi mit dem Neuen Louvre nach, um sich als Kulturzentrum der Golfregion zu positionieren.

Die am 10. Oktober eröffnete Ausstellung beeindruckt tatsächlich nachhaltig, nicht nur durch die Exponate, sondern vor allem durch das Setting in den Al-Riwaq Hallen am Hafen, in direkter Nachbarschaft zum Museum für Islamische Kunst: Zum einen, indem der Quader in Popart-Druckpunkten farbig gestaltet wurde, vor allem aber durch die Begegnungen im Inneren. Katarische Familien und Expads laufen nebeneinander her durch die Exponate – von den zwei berühmten in Formaldehyd konservierten Haien und geteilten Kühen in Vitrinen über ein medizinisches Kabinett bis zum Totenkopf mit Diamanten („for the love of god“) – und reagieren ganz unterschiedlich.

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

Das Benutzen einer Kamera war in der Ausstellung auf Anweisung des britischen Künstlers nicht gestattet. Meine hatte ich abzugeben, um drinnen dann überall die Besucher mit iPads fotografieren zu sehen. Da ist wohl etwas falsch verstanden worden. Oder anders interpretiert worden. Wahrscheinlich war auch die Wahrnehmung der Werke völlig unterschiedlich, je nachdem, aus welchem Kulturkreis man kam. An der Installation einer Kuh mit blutig abgetrenntem Kof voller lebendiger Fliegen, gingen arabische Familien emotionslos vorbei, während osteuropäische Besucher (der Mann hier arbeitend) versuchten, ihren Kindern den Blick darauf zu verwehren. Im Westen ist der Tod tabuisiert, gerade der für Fleischgenuss unumgängliche. In der arabischen Welt dagegen gehört er zum Leben dazu.

Von mir gibt es jedenfalls nur Fotos vom Souvenirshop und der freundlichen Frau, die eine Umfrage dazu machte, woher man kommt und über welches Medium man von der Ausstellung erfahren hat.

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

In den Tagen der Vernissage gab es noch eine andere, spektakuläre, aber vorerst nur temporäre Präsentation von Werken des Künstlers: Eine Installation von 14 gigantischen Bronze-Skulpturen von 5 bis 11 Metern Höhe, die den Weg der menschlichen Wesen ab dem frühesten Embryonalstadium bis zur Geburt nachvollziehen, wurde für einen Tag enthüllt. Das Werk „The Miraculous Journey“ wird jetzt bis Januar 2014 verhüllt bleiben: Bis zur Eröffnung des neuen medizinischen Zentrums Sidra, auf dessen Gelände sie errichtet wurden. Auch dies erstaunt, sind doch im Islam, jedenfalls in strenger Auslegung, Darstellungen des Menschen eigentlich verboten. Entsprechende Reaktionen blieben auch nicht aus.

Alles, was von Damien Hirst in Doha gezeigt wurde, bezieht sich auf den Menschen und den Tod, dessen er allein in der Tierwelt sich bewusst ist. Hirst jedenfalls kann die Tatsache, sterben zu müssen, nicht akzeptieren. So hat er selbst den Totenschädel eines Babies verwendet und verfremdet.

Quellen und mehr: Präsentation der Ausstellung;  Just here: Damien Hirst is coming to town; Qatar Museums Authority: Relics. Damien Hirst, Doha 2013 (Katalog); Le Voyage miraculeux, installation géante de Damien Hirst au Qatar, le quotidien, 11.10.2013

Damien Hirst in Doha © Ekkehart Schmidt 2013

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