Skip to content

Transitraum Doha

Oktober 12, 2013

In Doha landen täglich Tausende zwischen. Zwischen Frankfurt und Manila, Nairobi und London, Paris und Osaka… Menschen von allen Kontinenten, unterwegs zu einem anderen. Menschen unterschiedlichster kultureller Prägung, wahrscheinlich in den seltensten Fällen mit einem Gespür für den Ort, an dem sie sich befinden. Den Transitbereich verlässt kaum jemand. Man befindet sich auf der arabischen Halbinsel und ist doch nicht da, sondern in einem sehr merkwürdig unspezifischen Raum: architektonisch westlich geprägt, auch die Dutyfree-Läden, Cafés und Restaurants sind alles, nur nicht arabisch. Man ahnt die Wüste von Qatar, in der es sich auch jetzt im Oktober schon in den Morgenstunden stark aufheizt, aber wirklich empfinden kann man seine Anwesenheit nicht. Oder nur wie in einem 3D-Film. Hier ist alles klimatisiert und auch in anderen Bezügen auf einen globalen Minimalstandard geschaltet, der für jeden angenehmn sein soll.

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Ich habe mich hier von gestern 23 Uhr bis heute früh 2.30 Uhr aufgehalten. Und mich dabei gefragt, ob es einen vergleichbaren anderen Ort gibt. Eine solche Insel interkultureller Begegnung, auf der sich alles trifft: Geschäftsleute, Gastarbeiter, Girlies und Großmütter.

Bei Interkontinentalflügen von Ost nach West und umgekehrt gibt es noch Abu Dhabi und Dubai, die heute eine ähnliche Drehscheibenfunktion für den Flugverkehr gewonnen haben, seitdem ab den frühen 1980er-Jahren Beirut und Teheran wegen Bürgerkrieg und Revolution als Zwischenstationen „ausgefallen“ sind. Aber sonst?

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Vor allem Emirates, Etihad und Qatar Air sind Airlines, auf deren Basis mit starker staatlicher Unterstützung sehr bewußt in diese Nische investiert wurde. Es soll etwas aufgebaut werden, das den arabischen Golfstaaten in der Nach-Erdöl-Zeit halbwegs vergleichbare Einnahmen bieten soll: Aus den heutigen Drehscheiben sollen später interessant Business- und Tourismusdestinationen werden. Bis es so weit ist, begegnen sich hier Menschen unterschiedlichster soziokultureller Hintergründe. Oder auch nicht. Sie sind sich der Situation oft nicht bewusst: Da laufen ostasiatische Frauen in kurzen Hosen und osteuropäische Blondinen in Tops an voll verschleierten Araberinnen vorbei und es wirkt, als würde niemand auf den anderen achten, als hätte auch niemand ein Problem mit der Frage, ob er gegen ortsübliche Kleidungssitten verstoßen könnte…

Fast alle sind auf der Durchreise von einer christlich oder hinduistisch/ buddhistischen Welt in die andere. Sie machen Sprünge über Tausende von Kilometern und sind gedanklich überall, nur nicht in Doha. Niemand hat sich den Ort gewählt, man will nur anderswo ankommen und kämpft mit der eigenen Müdigkeit.

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Transitraum Doha © Ekkehart Schmidt

Was sie eint ist der Anschluß an die virtuelle Welt zu Hause. Das reale Setting hier ist vor allem irreal.

Fotos © Ekkehart Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: