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Au Rendez-Vous des Belges_Paris

Juli 31, 2013

Je nachdem aus welcher Himmelsrichtung ein Zugreisender nach Paris kommt, tritt er von einem anderen Bahnhof in die Stadt, falls er nicht gleich in die Metro hinab geht. Sieben solcher Bahnhöfe wies Paris früher auf, heute sind noch sechs in Betrieb: Gare St.Lazare, Gare Montparnasse, Gare d’Austerlitz, Gare de Lyon, Gare du Nord und Gare de l’Est. Über den „Ostbahnhof“ erreichen die Züge aus dem Elsaß, aus Lothringen, Luxemburg, dem Saarland und Frankfurt (mit Süddeutschland) die Stadt. Der „Nordbahnhof“ ist Endpunkt der Reisen aus Lille, Belgien, den Niederlanden und Köln (mit West-, Nord- und Ostdeutschland). Wer hier auf den Vorplatz trifft, ist beeindruckt vom großstädtischen Flair der haussmann’schen Fassaden mit Cafés und Hotels. Mittendrin, klein und unscheinbar, lockt seit mindestens 60 Jahren das Café „Au Rendez-Vous des Belges“ mit seiner kleinen Terrasse und gemütlichem Blick auf das rege Treiben vor dem Bahnhof. Aber treffen sich hier wirklich die Belgier?

Bei meinem zweiten Besuch, am 6. Juli 2013, habe ich mir, auf meinen Zug nach Lille wartend, das Lokal einmal genauer angeschaut:

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Die überdachte Terrasse zwischen dem Café du Nord, dem Restaurant du Maison blanche, dem Café Terminus Nord und dem Café Aux villes du Nord bietet an 15 Tischen mit Bambus-Bast-Stühlen in Beige-Schwarz einen Blick auf den Haupteingang des Bahnhofs mit der Hektik anhaltender Taxis, Stadt- und Reisebusse sowie den von der nur 800m entfernten Gare de l’Est kommenden Reisenden. Ein profanes Schild nennt die Ziffern 7/7 und 24/24, um klarzustellen, dass das Lokal nie schließt. Hier draußen sitzen eher Reisende, denen das Lokal egal ist: Hauptsache ein Sitzplatz, um die Wartezeit zu überbrücken. Keine Belgier, die auf den TGV nach Bruxelles warten, höchstens EU-Belgier, jedenfalls eher Deutsche und Briten.

Café Le rendez vous des belges_Paris © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Vielleicht war das früher anders. Die Männer an der Theke behaupten, hier drinnen seien Belgier tatsächlich unter sich. Ich glaube das weniger, höchstens tendenziell. Und wenn, dann Belgier und Migranten aus der ehemals belgischen Kolonie Kongo, der Theker und eine der Kellnerinnen zum Beispiel. Jedenfalls heute. Ob sie sich Gedanken machen über die Stiche aus der Kolonialzeit über der Theke, welche in klassischer Manier „rückständige“ Schwarze und „moderne“ Weiße zeigen? Oder ob die Inhaber, Paulo und Claude irgendwann einmal darüber reflektiert haben, ob das noch zeitgemäß ist?

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Neben 13 Figuren oder sonstigen Zitaten und Silhuetten des Männeken Pis finden sich im Inneren des Lokals noch Gemälde zweier berühmter Belgier: Jacques Brel und Georges Simenon. Brel habe seine Lieder gelebt, sagt mir einer der Männer an der Theke. Ich hatte eine kleine Prüfung daraus gemacht, ob ich die beiden Männer erkenne (und war sehr zufrieden mit mir). Ganz hinten gibt es eine Art Séparée mit Szenen aus den Tintin-Comics (zu deutsch: Tim und Struppi), hier „Tintin au Congo“. Und natürlich gibt es belgisches Bier, von Abbaye de Leffe über Jupiler bis Lindemans – was allerdings tatächlich Belgier anziehen könnte, auch solche, die auf keinen Zug warten. Auf den drei Fernsehern läuft Fußball und Radsport, vor allem aber Rugby.

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Au Rendez-Vous des Belges © Ekkehart Schmidt

Wie überall in Paris unterscheiden sich die Preise zwischen „Bar und „Salle“ (also Terrasse): 25 cl Bier kosten drinnen 2,30 EUR, draussen 3,40 EUR. Es gibt Sandwichs für 3,60 –  5,20 EUR und Speisen in einer Bandbreite von 7,80 – 11,50 EUR, was für diese Lage sehr fair ist. Omelette und Bruschettas können wohl empfohlen werden. Merkwürdig allerdings, dass man ab 14.30 Uhr nur noch einen doppelten Espresso (keinen einfachen mehr) für 4,60 EUR bekommt – und ab 22 Uhr eine majoration von 50 cent zu zahlen hat. Aber das ist hier bei längeren Wartezeiten auf jeden Fall eine bessere Wahl, als die Konsummöglichkeiten im Inneren der Gare du Nord – ob Belgier oder nicht.

Adresse: 23, rue de Dunkerque, 75010 Paris, Tel.: 01-42 82 04 72 (auf Google Maps: 48.87968,2.355311)

Kurzbeschreibung in Mon Nuage

Fotos © Ekkehart Schmidt

From → Cafés, Paris

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