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Namen von Gastwirtschaften

Juli 30, 2013

Versuch einer kleinen Typologie

Grand Café Brüssel (c) Ekkehart Schmidt

Namen von Lokalen sollen Assoziationen wecken und Kunden anlocken. Jedenfalls seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Abgesehen von britischen Pubs mit ihrer ureigenen Namenstradition hießen vorher wohl die meisten nach dem Inhaber oder dem Standort bzw. trugen den Ausschank selbst im Namen. Heute soll vor allem eine Sehnsucht geweckt werden, zum Beispiel nach einem beliebten Urlaubsland und dessen Atmosphäre.  Oder aber es wird eine Zugehörigkeit zu einer Subkultur ausgedrückt, um Gleichgesinnte anzulocken. Der Zeitgeist wandelt sich, manche Namen aber sind geblieben und zu Zeugnissen der Sehnsüchte früherer Generationen geworden, dabei meist sehr altbacken wirkend, aber erstaunlich persistent.

  • Afternoon Tea: Ab 1830 in England im Bürgertum entstandene Tradition eine kleine Speise zum Tee zu genießen, wurde in den letzten Jahren u.a. in London zu neuem Leben erweckt. Hier gibt es heute weit über ein Dutzend Lokale wie das Claridge’s Afternoon Tea, meist in sehr edlem Setting in traditionsreichen Hotels, in denen man für einen deutlich erhöhten Preis Tee und Kuchen, vor allem aber das Lebensgefühl der „upper class“ erleben kann.
  • Akropolis: Die Namen griechischer Restaurants verweisen fast immer entweder auf die Antike mit ihrer Helden- und Götterwelt von Apollon und Dionysos über Odysseus bis Poseidon, auf antike Stätten wie die Akropolis, Delphi oder Olympia, auf die Inselwelt von Mykonos bis Rhodos oder aber auf den Gemeinschaft stiftenden Charakter einer Taverne. Überprüfbar zum Beispiel im Branchenbuch von Hamburg.
  • Bar-Tabac: Zwar gibt es selten Lokale dieses Namens, aber jene mehr oder weniger gemütlichen Bars und Cafés, die gleichzeitig kleine Tabakgeschäfte sind, gehören originär zu Frankreich: Sie besaßen ursprünglich alleine das exklusive, staatlich konzessionierte Recht zum Verkauf von Tabakwaren und waren gerade in Kleinstädten und Dörfern von morgens bis in den späten Abend hinein durchgehend geöffnet und stellten oft den zentralen Ort für soziale Kontakte während des Schlürfens eines Kaffees oder Pastis dar. Typisch war auch das zusätzliche Angebot einfacher, kleiner Speisen. Als Zeichen dieses Verkaufsmonopols hatten Bar-Tabacs einen roten Doppel-Kegel über dem Geschäftseingang angebracht. Ebenso wie die Bezeichnung Bar-Tabac sieht man dieses Erkennungszeichen, das neben dem PMU-Schild prägend für das Straßenbild französischer Gemeinden ist, noch heute, aber diese Art Lokalität hat mit der Einschränkung des Rauchens in der Öffentlichkeit einen faktischen Bedeutungsverlust erlitten. Seit dem allgemeinen Rauchverbot in Innenräumen müssen immer mehr Bars-Tabac schließen. Das Lebensgefühl, das sich für viele Franzosen mit ihnen verbindet, fand auch Niederschlag in zahlreichen Filmen, z.B. Bar Tabac von Serenella Converti oder Die fabelhafte Welt der Amelie, der u. a. in dem bekannten Pariser Bar-Tabac Café des Deux-Moulins gedreht wurde. Quellen: Wikipedia und Christan Schubert in der FAZ vom 24.12.2013: Die Franzosen rauchen jetzt elektrisch
  • Bope- Bistro nennt man in Luxemburg als Sammelbegriff „die gute alte Kneipe unserer Großväter“. Cafés oder Bistros diesen Namens gibt es freilich nicht, wohl aber ein gleichnamiges Buch des Musikers Serge Tonnar;
  • Café de la gare: In Frankreich, Belgien und Luxemburg sind diese Cafés und Brasserien mehr als simple Bahnhofsgaststätten: Es geht weniger um Reisesehnsucht, denn um das Ritual, vor und nach der Zugfahrt zur Arbeit mit Bekannten und Freunden einen oder zwei zu trinken, auf dass man sich nicht ganz als Arbeitssklave fühlt
  • Café de Paris: Die Sehnsucht der französischen (oder auch belgischen) Provinz nach hauptstädtischem Kaffeehausleben…
  • Café des sports: Überall in Frankreich gibt es diese Cafés bzw. Bars, in denen Sportbegeisterte auf Riesenleinwänden Fußball oder die Tour de France gucken (Google-Karte).
  • Casa …: Einige Restaurants führen das Wort „Casa“ in ihrem Namen (ital.: daheim, span.: Haus), meist in Verbindung mit einem Vor- oder Familiennamen. Man möchte damit das Familiäre des Betriebs betonen, gerade ausserhalb von Italien und Spanien, wie z.B. bei der Casa Fabiana in Luxemburg. Als das älteste aktive Restaurant der Welt gilt heute das Casa Botín in Madrid; es hat ohne Unterbrechung seit 1725 geöffnet und wurde daher in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.
  • Chez…: Ist die Inhaberpersönlichkeit in der eigenen Wahrnehmung und im Gründungskonzept eines Lokals von großer Bedeutung, spiegelt sich das häufig auch im Namen, konkret: in einer Benennung nach dem Vornamen, womit Kommunikation und Nähe signalisiert werden. Zum Beispiel Chez Julie in Luxemburg. Oder Bei … im deutschen Sprachraum.
  • … Eck: Eckkneipen sind in Deutschland eine Institution altmodischer Gemütlichkeit und schon fast sprichwörtlich für die Welt der kleinen Leute und ihrer Kneipe um die Ecke, nahe der eigenen Wohnung. Hier kann man nur etwas trinken, aber nicht essen. Wichtiger ist, das man hier nicht alleine ist.  „Da fragt Dich keiner, was Du hast oder bist“, heisst es im melancholischen Schlager „Die kleine Kneipe“ von Peter Alexander (Lyrics hier), den die ZEIT einen „Lobgesang kleinbürgerlicher Gemütlichkeit“ nannte. Meistens gibt es nur eine Theke und noch ein bis zwei Tische, eine Dartscheibe und Spielautomaten. Eckkneipen sind meist nach dem Namen einer der sich hier kreuzenden Strassen benannt (z.B. Förster’s Eck oder Kurze Eck in Saarbrücken, Metzer Eck, Tschaikowski Eck oder das Sophien Eck in Berlin). Mehr: Tagesspiegel: Berlins beste Eckkneipen und ein eigener Blog zu (Berliner) Eckkneipen
  • Eiscafé Venezia: Wie kommt es, dass scheinbar jedes zweite Eiscafé in Deutschland „Venezia“ heißt? Oder „Lido“, „San Marco“ und „Riviera“ (alles in oder bei Venedig). Spiegel-Online ging der Frage nach: Hier! Dort auch! Und da: Venezia!, man wurde aber nicht wirklich fündig. Sicher ist, dass die Inhaber in den seltensten Fällen aus Venedig stammen, sondern aus einem Tal in den Dolomiten („Dolomiti“ oder „Cortina“ kommen entsprechend auch häufig als Namen vor). Vielleicht liegt es daran, dass die Deutschen, die in den 1950er-Jahren Italien als Urlaubsziel und das „Dolce vita“ entdeckten, am ehesten mit dieser Stadt Sonne, Meer und Eiscreme assoziierten. Ein wenig auch mit Florenz („Firenze“), nicht aber mit Roma oder Napoli – diese Städte dienen eher als Namensgeber für Pizzerien.
  • Grand Café: Dieser häufig und nicht nur im französischen Sprachraum genutzte Name, der Größe im räumlichen Sinne auszudrücken anstrebt, aber auch in Bezug auf Gediegenheit und den Anspruch, so etwas wie „das erste Haus am Platz“ zu sein, scheint aus der Belle Epoque zu stammen. Insofern passt der Name nur in einen großstädtischen Kontext – von Brüssel (Foto oben) und Paris über Münster und Stuttgart bis Oslo.
  • Heuriger: bezeichnet in Österreich sowohl einen Jungwein als auch das Lokal, in dem dieser ausgeschenkt wird. Es kann sich dabei um einen Buschenschank (saisonal begrenzter Ausschank des Erzeugerbetriebs) oder um eine als Heuriger geführte Gastwirtschaft handeln. Das Recht der Winzer, Eigenbauwein zuhause ohne besondere Lizenz auszuschenken, geht in Österreich auf eine Verordnung des Kaisers Joseph II. von 1784 zurück. Der Ausschank wurde ursprünglich abgehalten, um den Winzern und der Bevölkerung des Ortes den Wein der aktuellen Ernte zu präsentieren. Ein zweiter jährlicher Termin war üblich, um in den Fässern Platz für die kommende Weinlese zu schaffen. In anderen Weinbaugebieten heißen Heurige beispielsweise: Straußen- oder Besenwirtschaft (beide Namen sind wie Buschenschank von dem vor die Tür gehängten Buschen abgeleitet). In Franken Heckenwirtschaft (von Häcker = Winzer). In Friaul-Julisch Venetien (Italien), den ehemals österreichischen Gebieten auf dem Triester und Görzer Karst heißt der Buschenschank osmiza (slowenisch osmica, abgeleitet von osem, acht, da die Konzession ursprünglich auf acht Tage beschränkt war); in Friaul heißt er frasca (Zweig, Buschen) und auch privada (Privatausschank). Quelle: Wikipedia
  • Irish Pub: Natürlich gibt es auch irische Pubs mit eigenen Namen, besonders ausserhalb der Insel tragen jedoch viele Kneipen, die nach Traditionen der irischen Pubs gestaltet und betrieben werden, genau so. Typisch ist der Ausschank irischer Biersorten wie Stout (z. B. der Marke Guinness) oder dem rötlichen Ale (z. B. der Marke Kilkenny) sowie typisch irischer Gerichte und Knabbereien. Zur Kultur der Irish Pubs gehört jedoch vor allem Musik und Kommunikation, ist doch ein Pub in Irland nicht nur zentraler Treffpunkt zum Reden und Musizieren, sondern auch ein wichtiger Ort der Sozialisation und des gesellschaftlichen Lebens, auch Generationen übergreifend. In den Städten (und außerhalb Irlands) gibt es in Irish Pubs typischerweise Livemusik mit Musikern verschiedener Stilrichtungen sowie Abende mit offener Bühne („Open Stage“), an denen Gäste ihre Instrumente mitbringen und zusammen musizieren und singen können. Mit der Auswanderung aus Irland (z. B. während der großen Kartoffelfäule 1845–1848) verbreitete sich die irische Kultur und mit ihr die Irish Pubs. Zu irischen Feiertagen (St. Patrick’s Day, Halloween) wird in Irish Pubs auf der ganzen Welt gefeiert. Mehr Literatur dazu nennt ein Wikipedia-Artikel.
  • Istanbul Kebab: Seit 1971 der erste Döner Kebab in Deutschland gebrutzelt wurde, fanden sich tausende Nachahmer. Viele Inhaber benannten ihr Lokal eher phantasielos ihrer eigenen Sehnsucht folgend nach Istanbul oder dem Bosporus, andere wählten ihre Heimatstadt (Adana, Urfa …).
  • Kiraathanesi: Ich habe noch keinen Beleg gefunden, aber dieser häufige Zusatz zu türkischen Teestuben bedeutet in meiner Erinnerung ursprünglich in etwa „Literaturcafé“, ist heute aber eher ein sehr einfaches Teehaus, in dem sich ausschließlich Männer bei Backgammon, Domino und anderen Spielen die Ödnis ihres Daseins überspielen, möchte man die Stimmung etwas sarkastisch beschreiben.
  • „Krug zum grünen Kranze“: Heute sind Lokale dieses Namens eher Gartenlokal als Kneipen, eines der berühmtesten findet sich in Halle bei der Burg Giebichenstein. Joseph von Eichenfdorff dichtete in der 1750 entstandenen Schenke an der Saale und auch das Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ wurde wahrscheinlich hier von Wilhelm Müller gedichtet. Im „Bier-Lexikon“ von Rolf Lohberg findet sich eine Erklärung zu diesem heute etwas merkwürdig klingenden Namen: In den römischen Städten im besetzten Germanien gab es „Taberna“, Lokale, die nach dem Zusammenbruch der Römerherrschaft weiter gediehen. Allerdings sei damals die Abgrenzung zwischen Brauerei, Wirtshaus und Privatwohnung nicht so klar gewesen wie heute. Berufsordnungen gab es noch nicht. Bier wurde seit der Germanenzeit im Haushalt gebraut – und oft mehr, als man trinken konnte. Die Familie ließ dann bekanntmachen, daß sie von ihrem Bräu ausschenken wolle. Vater, Mutter und Kinder liefen durch die Gassen und verkündeten es laut. Die Möglichkeit des privaten Bierausschanks bewirkte, daß es allenthalben florierende Kneipen gab. 1250 ließ sich Herzog Ludwig der Strenge für seine Bayern eine Schankordnung einfallen. Später machten sich die hausbrauenden Familien nicht mehr die Mühe, die Nachbarschaft persönlich einzuladen, wenn sie neues Bier hatten, sondern verfuhren wie die Metzger. Wenn die ein frisch geschlachtetes Schwein loswerden wollten, steckten sie eine Fahne aus der Haustür. Jeder wußte dann: hier gibt’s frisches Fleisch. Als Zeichen für den Ausschank von Getränken bürgerte sich das Aushängen von einem Kranz oder einem Strauß ein. So entstand der Name „Krug zum grünen Kranze“. Eine Schweinsblase mit dem Kranz über der Tür bedeutete: Hier gibt es frische Schlachtplatte mit Bier!
  • China Restaurant Peking: Häufige Namen chinesischer Restaurants sind neben „Peking“ auch „Shanghai“, „Jasmin“ oder „Dynasty“. Insgesamt herrscht aber eine große Namensvielfalt, wie man bei Google Maps sehen kann.
  • Pizzeria Roma: Auch bei Pizzerien scheint die Hauptstadt des Herkunftslandes am appetitanregendsten zu wirken (Verteilung auf Google Maps), ähnlich gut scheint „Napoli“ wie auch „Vesuvio“ zu gehen.
  • Café PMU: In kleineren französischen Orten sind die nach dem staatlich kontrollierten Anbieter von Pferdewetten Pari Mutuel Urbain benannten Café-Bistros generell ein Treffpunkt für den Austausch vor allem der älteren Generation
  • Zur Post / Postillion/ Café de la poste: Die Postkutschen der vergangenen Jahrhunderte mußten große Entfernungen hinter sich legen und immer wieder rasten. So entstand ein Netz an Lokalen und Herbergen, welche die Post im Namen führten. Gerade im ländlichen Raum existieren noch viele von ihnen, natürlich eher Tradition und ein Ambiente der „guten alten Zeit“ signalisierend (siehe die Cafés und Restaurants de la Poste in Google Maps).
  • Ratskeller/Ratsklause: Meistens örtliche Traditionsgaststätten mit gutbürgerlicher Küche, die sich in einem Rathaus oder in direkter Nachbarschaft dazu befinden. Häufig sind die Wirtschaftsräume Eigentum der Stadt oder Gemeinde, die sie an einen Gastwirt verpachtet. Sehr bekannt sind der 600 Jahre alte Bremer Ratskeller, der Ratskeller zu Lübeck oder auch der in Saarbrücken. Die Seite www.zum-ratskeller.de  listet, nach Postleitzahlen sortiert, sämtliche deutsche Ratskeller auf. Aber auch in US-amerikanischen Regionen mit hohem Anteil deutscher Zuwanderer (im Mittleren Westen aber auch in Neuengland) hat sich der Name erhalten, zum Beispiel der Punk-Ur-Club The Rathskeller in Boston.
  • Sonnati Ghavekhane/ oder Chaikhane: Im nach Modernität strebenden zivilen Iran nennen sich die wenigen Tee- und Kaffeelokale oft übersetzt „Traditionelles Kaffeehaus“, womit eine Eigenschaft und ein bestimmter Einrichtungsstil bezeichnet wird, der stilistisch stark von der Kadscharenzeit des 19. Jahrhunderts beeinflusst wird oder tatsächlich historisch aus dieser Zeit stammt (zum Beispiel in Kerman). Der Begriff „Tradition“ ist hierbei für Perser eher positiv besetzt im Sinne von Identität und Herkunft (insbesondere nicht islamisch).
  • Stella Bar: Wenngleich man in Ägypten an touristischen Orten auch Weltmarken wie Heineken oder Tuborg bekommen kann, ist und bleibt “Stella” (lateinisch für Stern) die ägyptische Biermarke. Es handelt sich nicht um eine Zweitmarke des belgischen Biers Stella Artois, sondern ist eine eigenständige Marke der 1897 – allerdings in Belgien – gegründeten Brauerei Crown Brewery Company, die im damals stark christlich geprägten Alexandria mit dem Verkauf begann. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden mit Unterstützung der Brauerei vor allem in der Kairoer Innenstadt viele „Stella Bars“, von denen noch etwa zwei Dutzend meist sehr altehrwürdiger, zum Teil aber auch eher wie Spelunken wirkender und sich verschämt “Cafeteria” nennender Etablissements übrig geblieben sind. Mehr dazu hier.
  • Stube/ Stuff: Was in Deutschland die „Stube“, ist in Luxemburg die „Stuff“: Eine einfache gemütliche (bzw. oft spiessig-altbackene) Kneipe, nach dem jeweiligen Ort oder Viertel benannt, z.B. die „Dikrecher Stuff“ in Diekirch, die „Bonneweger Stuff“ in Luxemburg-Bonneweg oder die „Garer Stuff“ im Bahnhofsviertel.
  • Trattoria: In diesen kleinen italienischen Speiselokalen werden einfache Speisen zubereitet und angeboten:  Das Wort leitet sich ab von italienisch trattore ‚Zubereiter‘ (von Speisen). Die Atmosphäre ist familiär und unterscheidet sich somit von der eines Restaurants. Trattorien sind typisch für den ländlichen Raum Italiens. In den Städten gibt es solche, die nur ein einfaches Gericht (oder eine geringe Auswahl) für die Mittagspause anbieten und abends geschlossen sind. Es gibt allerdings auch sehr gute Trattorien, die sich letztlich nur durch eine etwas familiärere Atmosphäre von einem Restaurant unterscheiden – was gefährlich ist, wenn man mit schmalem Geldbeutel glaubt, hier gut und preiswert essen zu können. Als Student besuchte ich in Venedig nach langer Suche eine familiär und billig wirkende Trattoria abseits der Touristenströme und verließ diese deutlich irritiert nach Zahlung einer gesalzenen Rechnung. Während es in Italien in einer Trattoria meist keine Pizza gibt, ist in Deutschland eine Trattoria so etwas wie eine gehobene Pizzeria. (Quelle: Wikipedia)
  • Trinkhalle: So, meist ganz ohne weiteren Namenszusatz, nennt sich nicht nur ein Teil der Kuranlagen in einem Kurort,sondern auch eine Art Kiosk, der vor allem eine Verkaufsstelle für direkt vor Ort im Stehen getrunkenes Bier anbietet. Ihre Entstehungsgeschichte ist interessant: Leitungswasser war früher ungekocht ein gesundheitliches Risiko. Die Arbeiter tranken stattdessen Bier und Schnaps. Um den umsichgreifenden Alkoholismus einzudämmen, förderten die Städte die Einrichtung von Trinkhallen, an denen Mineralwasser und andere alkoholfreie Getränke angeboten wurden. Sie entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung hauptsächlich vor den Werktoren von Zechen oder Fabriken, später auch an anderen öffentlichen Plätzen. Die meisten wurden von ehemaligen oder nicht mehr arbeitsfähigen Bergleuten oder Kriegsveteranen betrieben. Trinkhallen breiteten sich bald in ganz Deutschland aus, allerdings auch mit anderen Bezeichnungen wie Wasserhäuschen (in Frankfurt/ Main und Umgebung), Spätverkauf bzw. kurz Spätkauf oder Späti (in Berlin, Dresden, Leipzig), Kiosk (in Nord- und Süddeutschland, Schweiz), Bude (im Ruhrgebiet) und Büdchen (in Düsseldorf und Köln). Im Laufe der Zeit änderte und erweiterte sich das Sortiment. Heute findet man in Trinkhallen fast alles, was man nebenbei nach Ladenschluss oder am Wochenende brauchen könnte: Getränke und Dinge des sofortigen Bedarfs wie Tabak, Süßwaren (und ähnliche Genussmittel), Lebensmittel und auch Medien. Viele Trinkhallen dienen zugleich als Annahmestellen für Lotto und Toto und verkaufen Zeitungen oder Zeitschriften sowie Fahrscheine für den ÖPNV. Für mich als Kind war v.a. wichtig, dass es hier Lakritze gab – jedenfalls am Büdchen der Straßenbahn Linie 1 in Refrath. (Quelle: Wikipedia)
  • Truck Stop: In den USA, in denen noch viel stärker als in Europa, Güter per Lkw transportiert werden, gibt es keine Autobahnraststätten, wie wir sie kennen. Die Highways werden beherrscht von wirklich mächtigen Lkws, auf die die Bezeichnung „truck“ zutrifft und deren Fahrer_innen (trucker) sich als wirkliche Könige der Straßen fühlen können. Sie überwinden riesige Distanzen, entsprechend findet ihr Leben rund um den Truck statt. Die Lkw-Treffpunkte (truck stops) haben sich über ihre ursprüngliche Funktion als reine Versorgungseinrichtungen fortentwickelt. Viele sind heute kleine Städtchen mit Food Courts, Ärzten, Filmtheatern, Konferenz-Centern und  Freizeiteinrichtungen. Sie heißen Iowa 80 oder Colby 7-24, Willie’s Place oder Davis Travel Center (Links zu Hunderten von Adressen quer durch die USA finden sich auf der Seite von Reiner Klatt)
  • Waldschänke: Schänke ist die historische Bezeichnung für eine Gaststätte mit Krugrecht. Die Schreibweisen „Schenke“ (zu „ausschenken“) und „Schänke“ (zu „Ausschank“) kommen ähnlich häufig vor. Aus der Vielfalt der Benennungen – von Dorf- bis Junkernschenke – hat sich vor allem die der Waldschänke (z.B. in Berlin) erhalten. Besonders häufig handelt es sich hiebei um Ausflugslokale, in denen man nach einer Wanderung am Stadtrand einkehrt. Die Bezeichnung „Kneipe“ leitete sich vom Wort „Kneipschenke“ ab und wurde laut Wikipedia-Artikel erstmals 1781 vom Theologen und Publizisten Christian Wilhelm Kindleben für „eine schlechte Bierschenke“ genutzt.
  • White Hart und White Horse: bezogen auf britische Pubs existieren wahre Typologien an Namenshintergründen. Besonders viele Beispiele gibt ein Wikipedia-Artikel, demzufolge es Bezeichnungen gibt, die auf einen spezifischen Alkohol bezogen sind, auf Tiere allgemein (sehr beliebt ist „Swan“) und speziell auf die Jagd bezogen (Fox & Hounds), ebenso Farben und Kombinationen mit Farben (besonders beliebt ist Red Lion), Speisen, fremde Begriffe (wie der populäre „Bierkeller“ oder die „Bodega“, meist ohne weiteren Namen). Auch konkrete Ortschaften, Lokalitäten, Berufsgruppen, Sportarten, verkehrsspezifische Namen und insbesondere Schiffe,. Häufig sind auch Bezüge zu Königen (sehr oft: „King’s Head“, „King’s Arms“ oder „Crown“), insbesondere Loyalitätsbekundungen (wie „White Hart“ und „White Horse“ – erstere bezieht sich auf König Richard II, letztere auf das House of Hanover), historischen Ereignissen (sehr oft findet sich: „Royal Oak“, bezogen auf Begebenheiten einer Schlacht im 17. Jh.), Mythen und Legenden (z.B. „Black Horse“) oder auch die christliche Religion (wie „Lion & Lamb“). Besonders lange, meist über Jahrhunderte, hält sich auch der Name „New Inn“.

Anzumerken ist erstens, dass eine Vielzahl lokaler oder regionaler Eigenentwicklungen der Ausschankkultur nicht unbedingt am Namen zu erkennen ist. dies gilt zum Beispiel für die Beisl in Wien oder die Caffs in London. Zweitens interessieren hier natürlich nicht die in ihrer Eintönigkeit sich gleichenden Ketten wie Costa, Starbucks, Hardrock-Café oder McCafe bzw. Betriebe der Systemgastronomie wie Nordsee, Vapiano oder Burger King, die ganz aus Prinzip niemals einen lokalen Eigennamen tragen. Kaffeehaus-Originale aus aller Welt habe ich in einem kleinen, sehr subjektiven Sammelsurium aufgelistet.

From → Cafés, Sammelsurium

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