Skip to content

Hotel Suisse_Kairo

Mai 14, 2013

Es war so einer dieser Abende letzten Februar, an dem ich bei der Kairo-Exkursion der RUB Bochum auf dem Heimweg vom Midan Tahrir in die Innenstadt, während die Student/innen in ihr Drei- oder Viersternehotel zurückkehrten, zu Fuß in Richtung meines preiswerten und doch angenehmen Hostels (die Dozenten können leider nicht angemessen bezahlt werden) mal wieder an diesem Schild vorbei kam. Und endlich bin ich schnell noch hoch, um mir diese legendäre Herberge anzuschauen. Jedenfalls für mich legendär: Meine Mutter hatte über die Jahre immer wieder Anekdoten von ihrem Aufenthalt im März 1968 erzählt, so dass mir die „Swiss Pension“ sehr vertraut geworden war.

45 Jahre später heißt es auf den rotweißen Schildern und Visitenkarten „Hotel Suisse“. Wie unpassend, großspurig gar, jedenfalls irreführend der Begriff „Hotel“ ist, ahnte ich im Aufzug  nach oben: Schließlich residierten im altehrwürdigen Haus in der Sharia Mohammed Bassiouni im gleichen Stock auch das „Dahab Hostel“ und weiter oben das „Austria Hotel/ Backpackers Point“. Jedenfalls gibt es im westlich-europäischen Verständnis klare Unterschiede zwischen einem Hostel, einer Pension und einem Hotel. Ein Hotel aber hat in Kairo normalerweise einen ebenerdigen Zugang und besteht nicht aus einer Etage im 5. oder 6. Stock. Etikettenschwindel war zu befürchten.

Hotel Suisse Kairo © Ekkehart Schmidt

Hotel Suisse Kairo © Ekkehart Schmidt

Hotel Suisse Kairo © Ekkehart Schmidt

Hotel Suisse Kairo © Ekkehart Schmidt

Hotel Suisse Kairo © Ekkehart Schmidt

Hotel Suisse Kairo © Ekkehart Schmidt

Ich wurde freundlich von zwei alten vor sich hin dösenden Herren empfangen, erzählte von meiner Mutter 1968 und daß ich ihr gerne einen aktuellen Einblick als Erinnerung liefern möchte. Ob ich mal gucken könne? Von Maurice, einem der Herren bekam ich bei einem kleinen Rundgang vier Schlafsäle aufgeschlossen und durfte mit dieser Begründung auch fotografieren. Ich begegnete dabei ein oder zwei Gästen, ohne die ich das Gefühl bekommen hätte, daß es sich hier nur noch um einen Hotel-Zombie handelt – so arg durchgehangen wirkten die Betten, verstaubt-unattraktiv alles auch im Vergleich zu modernen Hostels, die ähnliche Preise verlangen. Aber vielleicht ist dies heute eben doch das billigstmögliche in Kairo: 60 LE das Einzelzimmer, 70 LE zu zweit und 90 LE in der Nutzung zu dritt (bei 1 EUR = 8 LE).

Hotel Suisse Kairo © Ekkehart Schmidt

Hotel Suisse Kairo © Ekkehart Schmidt

Die 30jährige Renate mit ihren grünen Kleidern ist 1968 jedenfalls von vielen als Russin wahrgenommen worden, trotz angesagter Farah-Diba-Frisur dieser Jahre in Teheran, von wo aus sie diese Reise unternommen hatte. Und Russen seien damals nicht gut angesehen und empfangen worden. Sie erinnerte sich am Telefon heute zunächst an diesen „kohlrabenschwarzen zwei Meter hoch gewachsenen“ Kellner, der hier damals in ausgesuchter Freundlichkeit im Frühstückssalon serviert hat: Ihr erster Nubier! Es war in den Wochen direkt nach dem „Sechs-Tage-Krieg“ mit Israel und ein Gefühl der Unsicherheit lastete über der Stadt, weshalb sie immer schon früh am Abend zurück in ihre Pension ging. Es heulten oft noch die Sirenen, Erinnerungen an die Bombennächte in der Heimatstadt Kassel während des 2. Weltkriegs hervor rufend. Vor Türen und Fenstern vieler Häuser der Kairener Innenstadt sah sie damals aufgeschichtete Sandsäcke: Man rechnete offenbar damit, daß die Israelis die Stadt bombardieren könnten.

An den Pyramiden war sie die – gefühlt – einzige Touristin, auf die sich die Dragomanen mit ihren bunt behängten Touri-Kamelen natürlich eifrig stürzten. Sie habe sich einen angemietet, um Ruhe zu haben, ihm dann aber auch nicht so über den Weg getraut, daß er sie mit ihrer Kamera hätte oben auf dem Tier fotografieren dürfen: Nicht, daß er mit dem – wenngleich eher billigen – Gerät abhauen würde. Und auch in jene Grabkammer traute sie sich nicht mit dem Führer hinunter: Zu dunkel und unheimlich. Aber alles zusammen war es wohl doch eindringlich und schön damals in Kairo, wozu ein wohlig-sicheres Gefühl in der Suisse Pension sicher auch beigetragen hat.

Die Pension hat tatsächlich in Person des Gründers vor rund 60 Jahren eine schweizerische Wurzel. Das ist heute, abgesehen von Schlüsselanhängern mit der schweizerischen Flagge, das einzige, was noch mit der Alpenrepublik zu tun hat. Keineswegs gibt es hier ein erhöhtes Aufkommen schweizerischer Gäste.

Weitere Herbergen und Hotels in Kairo

Hotel Suisse Kairo © Ekkehart Schmidt

From → Hotels, Kairo

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: