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Teheran: Theater

Mai 7, 2013

Der Iran ist das einzige islamische Land mit eigener jahrhundertealter Tradition des Dramas. Dies wurzelt in der schiitischen religiösen Praxis der Aufführung von Ritualen in Erinnerung an den gewaltsamen Tod des dritten schiitischen Imams und Märtyrers Hossein, bei der mit Gesängen und Prozessionen ein ureigenes Genre szenischer Aufführungen entwickelt wurde, das bis heute von großer Bedeutung für die Volkskultur ist. Aber auch europäisches und somit „säkulares“ Theater  existiert im Iran seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Einen großen Aufschwung nahm es in den 1960er-Jahren, wobei die entstandenen Stücke keinesfalls Kopien westlicher Themen und Techniken waren.

1967 wurde die auf Initiative von Farah Pahlavi errichtete, nach einem Dichter benannte Rudaki-Halle im Stadtzentrum von Teheran eröffnet: ein Opernhaus, mit dem das Herrscherhaus räumlich, optisch-architektonisch und symbolisch die angestrebte (westliche) Modernität in den Mittelpunkt der vom Basar nordwärts wachsenden Hauptstadt positionierte. Die Revolution von 1979 führte nach einer kurzen Blüte enormer künstlerischer Freiheit zunächst zu einer politischen Kontrolle über das Theater, doch blieb es eine wichtige Kunstform, die nach Einschätzung von Niemann/ Paul nach wie vor auf hohem künstlerischem Niveau steht und auch aktuelle Themen behandelt.

Heute finden in der Vahdat Halle zwar keine Opern- und Ballettaufführungen mehr statt, stattdessen nur noch Aufführungen von originär iranischen Theaterstücken, Puppentheater, Musik- und Tanzvorführungen (nur Männer) und vergleichbare nicht-westliche Produktionen. Die gezeigten Stücke sind dabei durchaus auch subtil regimekritisch. Teheran verfügt über ein sehr theaterfreudiges anspruchsvolles Publikum und das Angebot scheint groß, wie allein die vielen Plakate rund um das Theater und an den Eingangstüren viele Cafés des umgebenden Viertels – vom Café Teatr über die Café-Pizza Sepidgaah, das Rebar Café bis zum Café Tamandouni versprechen.

Die 1967 erbaute Rudaki-Halle ist für viele aber nur noch Kulisse hinter einer der wichtigsten Metrostationen der Stadt. An diesem Rundbau mit gut 1000 Sitzplätzen in einem im Inneren teilweise der Wiener Hofoper nachempfundenen Gebäude mit kleinem Park kreuzten sich in meinen Kindheitszeiten in Universitätsnähe die Khiabane Pahlavi und die Khiabane Reza Shah, heute umbenannt in Khiabane Vali-e Asr und Khiabane Enqelab-e Eslami. Und hier stieg meine Mutter in den Jahren 1966-71 immer aus dem vom hohen wohlhabenden Norden kommenden Taxi aus, um in der Innenstadt ihre Erledigungen zu machen. Etwa da, wo sich heute der Metro-Ausgang befindet. Im Februar 2013 war ich wieder dort:

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Das Theater erhält zur zeit in einer Großbaustelle einen Erweiterungs- oder Ergänzungsbau: So rund und hoch der Altbau ist, so flach und länglich wird der Neubau, zu dem mir nähere Informationen fehlen:

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

Am 4./5. Mai 2014 wurde weltweit über das Stadttheater berichtet: Erstmals in ihrer 35-jährigen Geschichte hat das Kultusministerium der Islamischen Republik eine Frau als Intendantin des Theaters ernannt; die 43-jährige Regisseurin Parisa Moghtadi. Präsident Hassan Ruhani hatte nach seinem Amtsantritt im August 2013 versprochen, dass Frauen während seiner Regierungszeit auch Führungspositionen einnehmen würden. Drei von Ruhanis Vizepräsidenten sind Frauen, aber in seine Regierung hat es bis jetzt noch keine Frau geschafft.

Quellen: Kötter, Daniel: State-theatre #2 TEHRAN, 2012; Niemann, Hartmut/ Paul, Ludwig: Reise Know How Iran, 3. akt. Aufl., Bielefeld  2012;  mxw/dpa: Neuer Job für Moghtadi: Iran ernennt erstmals Frau zur Theater-Intendantin, in: SPIEGEL ONLINE, 05.05.14; Wikipedi-Eintrag: Talar-e Rudaki;

Link zum iranischen Theater, Zur iranischen Theaterlandschaft

Theater Teheran © Ekkehart Schmidt

From → Iran

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