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Café Tamandouni_Teheran

April 1, 2013

Mein erster Abend dieses Jahr in Teheran. Noch wusste ich nicht, wie schwer es sein würde, authentische Cafés europäischen Stils zu finden, in denen ich mich wohl fühle. Aber dass dies hier ein besonderer Ort ist, war sofort zu spüren. Ihn umgab nicht nur um diese späte Abendstunde, als zwei Männer an einem Feuer eingangs der kleinen dunklen Gasse standen, die von der Khiabane Vali-e Asr gegenüber des Theaters westwärts ins Dunkle führte, als würden sie auf etwas warten oder etwas bewachen, eine Aura eines geheimnisvoll interessanten, versteckten Ortes. Was natürlich eine falsche Empfindung sein  mußte, schließlich liegt eine der wichtigsten Kreuzungen der 15-Millionenstadt keine 100 Meter entfernt.

Aber der Schriftzug „Café“ war nur erkennbar, wenn man die Hauptstraße verliess und direkt davor stand. Es schien geschlossen zu sein, doch dann kam ein langbärtiger Mann vom Feuer rüber, der mich an eine leicht vergilbte Version der Gitarristen von ZZ Top erinnerte und fragte, ob ich noch hinein wolle? Äh, ja? Er stellte sich als eine Art Nachtwächter heraus, klopfte an und führte mich hinein in eine schwarz-dunkel verrauchte Welt, wie ich sie aus Studentenzeiten im Marburg der 1980er-Jahre kannte. Oder wie es in den 1968er-Jahren in San Francisco oder Greenwich Village ausgesehen haben könnte. Zwei Frauen gingen gerade, sagten dem überraschenden Gast dennoch fröhlich freundlich einladend „Hello!“. Dann traf ich auf drei Theker, bekam meinen Espresso mit Schokostückchen, kam aber nicht zum Tagebuch-Schreiben, weil ich nunmehr der einzige Gast geblieben war und wir vier gerne alles – oder jedenfalls alles Wesentliche – voneinander wissen wollten.

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

„Tamandouni“ heißt „Zivilisation“, bekam ich erklärt. Das klingt frech in Zeiten der islamischen Republik, zudem hier verpönte westliche Musik läuft und im Eingangsbereich ein Riesenporträt des Dichters Ahmed Schamlu steht. „Man“ (also „sie“) hätten den Laden schon öfters zu gemacht wegen der Musik, erzählt Hamid. Aber dann habe man einfach ein paar Wochen gewartet, ehe man wieder aufgemacht habe. Hamid kennt die erstaunlichsten Bands. als Deutscher werde ich nach „Eloy“ gefragt, offenbar Krautrock der frühen 70er-Jahre. Er spielt mir etwas vom Laptop vor. Ich empfehle ihm meine Lieblingsband dieser Stilrichtung: „Can“ aus Köln. Mir fällt nur die LP „Soon over Babaloona“ ein

Frech wirken auch die Riesenbilder diverser Revolutionen (1789, 1978 und 1989), Ikonen von Aufruhr in gut 1,20 x 4 Meter Größe auf Holz gezogen. Ein Foto von 2009 fehlt. Gegen Mitternacht fuhren mich Hamid und die Brüder Ehsan und „Johnny“ (wie Depp) zum Hotel zurück. Es sei zu gefährlich hier um diese Uhrzeit auf Taxis zu warten. Und eine der Frauen habe angerufen, ich solle zurückrufen. Und warum nicht einen Film darüber drehen, wie es sei, 42 Jahre nach jenen fünf (väterlicherseits berufsbedingten) Jahren in Teheran zurück in meine Kindheit zu reisen. Hmm? Jedenfalls war ich am nächsten Tag mittags wieder hier.

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Café Tamandouni Teheran © Ekkehart Schmidt

Fotos vom Februar 2013 © Ekkehart Schmidt

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From → Cafés, Iran

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