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Arriving Kaiserslautern

Januar 11, 2013

Reisende in ICE-Zügen haben sich seit dem WM-Sommermärchen 2006 daran gewöhnt, dass die Zugchefs Durchsagen vor und nach Haltestellen in englischer Sprache wiederholen. Bei den TGVs nach Frankfurt auch in französischer Sprache. Dazu wäre viel anzumerken. Mich stört seit 2006 nur ein einziges Wort mit zwei Buchstaben. Eine fehlende Präposition bei der Ortsangabe. Anders als bei den Durchsagen in der Sprache Voltaires, die in der Regel von den durchweg bilingualen deutsch-französischen Zugbesatzungen wunderbar flüssig erfolgen, radebrechen viele am Mikro der deutschen Hochgeschwindigkeitszüge offenbar nach vorgestanzten Floskeln. Ich nehme an, die Texte werden mangels Routine in der Sprache Shakespeares abgelesen. Der Text allerdings, von dem abgelesen wird, weist offenbar einen Fehler auf, der seit 2006 nicht korrigiert wurde. Vielleicht, weil nie jemand mit flüssigen Englischkenntnissen eine korrigierende mail an die Deutsche Bahn geschrieben hat?

Es ist eigentlich ganz simpel. Es heißt in 98 % der Fälle, wie ich es vor anderthalb Stunden gehört habe: „In a few minutes we will arrive Kaiserslautern (…)“. Das wäre richtig, wollte man sagen: In wenigen Minuten erreichen wir Kaiserslautern. Dann müsste man aber das Verb to reach benutzen (= erreichen) statt to arrive (= ankommen). Wie im Deutschen benötigt arrive/ankommen aber zwingend entweder die Präposition at oder in (bzw. im Deutschen „kommen wir in Kaiserslautern an“).

Also bitte entweder: „In a few minutes we will arrive at Kaiserslautern“ oder „In a few minutes we will reach Kaiserslautern“ (reach wäre am elegantesten im Falle von Saarbrücken – dem Ort, der vorhin die Endstation war: we reach our final destination).

Mich erstaunt vor allem, dass dieser simple Grammatikfehler bei Zigmillionen Bahnreisenden und 200.000 Deutsche-Bahn-Mitarbeiter/innen offenbar niemandem so störend auffällt, dass eine Korrektur veranlasst wird. Meinen Zugchef sprach ich darauf an, weil sein Abteilzimmer zufällig neben der Tür lag, bei der ich aussteigen wollte und weil er uns so nett ganz – ab von vorgestanzten Floskeln – vor der Schneeglätte beim Aussteigen warnte (in Mannheim hatte es leicht zu schneien begonnen): Erst duckte er sich sichtbar zusammen, bis er verstand, dass ich kein Deutsche-Bahn-Bashing mache, sondern einen freundlichen Hinweis gebe: „Oh. Ja. Ich werde das ‚mal weiterleiten. Schönen Abend noch“.

Der aus Dresden kommende ICE war auf die Minute pünktlich um 23 Uhr 24 in Saarbrücken. Von Schnee, geschweige denn Glätte war jedoch keine Spur. Ich hatte Mitleid mit meinem Zugchef, der sich jetzt vielleicht schämt, wenn er sich vorstellt, dass jetzt viele Reisende böse spotten. Das hat er nun davon, von festgestanzten Texten abzuweichen… Vielleicht überlegt er sich das künftig genauer. Bis auf eine kleine Ausnahme mit zwei Buchstaben. Da bin ich mir sicher. Jedenfalls bei ihm. Der Schnee fiel dann übrigens gegen 2 Uhr.

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