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Het Warm Water Bruxelles

Dezember 16, 2012

Seit August 2011 steht es zum Verkauf: das liebenswert schlicht eingerichtete Esscafé L’Eau Chaude bzw. Het Warm Water in französischer bzw. flämischer Schreibweise (oder auch ‚t Werm Woeter im spezifischen Dialekt des Marolles-Viertels im Süden der Altstadt von Brüssel). Es wurde unter diesem Namen zwar erst 1993 eröffnet, nimmt aber Bezug auf Zeiten großer Armut, als heißes Wasser in manchen Haushalten Mangelware war und deshalb in Geschäften verkauft wurde. Damals gab es im Viertel nichts, das nicht zu verkaufen gewesen wäre. Vielleicht entstand hier ein erstes Lokal zeitgleich mit den historischen Markthallen im Hinterhof, die heute geschlossen sind.  Die rue des Renards, an deren oberen Ende das Café liegt, ist eine sehr alte, zur Place de jeux de balles führende Gasse, auf der seit eh und je täglich ein Trödelmarkt stattfindet.

Les Marolles (c) Ekkehart Schmidt-Fink

Zunächst war das Lokal 2011 wohl auch geschlossen, aber jetzt läuft der Betrieb unter dem Namen „Zabo“ weiter wie gehabt, und die Kellnerinnen machen sich auch keine Sorgen um den Pachtvertrag, jedenfalls nicht bei unserem Besuch Anfang Dezember. Der Wunsch ist aber klar geäußert: Man möge es kaufen und aus ihm einen warmen Ort machen, heißt es in Kreide auf einer Tafel.

Het Warm Water, Brüssel © Ekkehart Schmidt-Fink

Het Warm Water, Brüssel © Ekkehart Schmidt-Fink

Het Warm Water © Ekkehart Schmidt-Fink

Es scheint jedenfalls erheblich mehr als ein Café zu sein: Hier treffen sich noch die Leute aus dem Viertel, ab und an gibt es hier auch Kabarett und Musik (z.B. 2009 Yevgueni und Cabaret). Jedenfalls war und ist das Warm Water eine Institution: Der Name stammt aus den ärmsten Zeiten des Viertels, als die Arbeiterfamilien in der Mitte des Monats weder ausreichend Gas, noch Brennholz zum Kochen von heißem Wasser mehr hatten und dieses hier und in anderen Geschäften besorgten, um sich Kaffee zu kochen (heißt es jedenfalls bei Gustave Abeels). Deshalb stehen im Treppenhaus auch Dutzende Wasserkannen. Heute kann man hier wunderbar frühstücken, gerne auch mit Kindern (Spielzeugecke im ersten Stock). Wir probierten eine Lasagne und einen Teller mit Frischkäsebroten zum Salat: alles bio, einfach und gut. Schnickschnack gibt es nicht: Die Kaffeekarte bietet nicht Espresso oder „Lait russe“, den belgischen Milchkaffee, sondern schlicht Filterkaffee.

Het Warm Water, Brüssel © Ekkehart Schmidt-Fink

Het Warm Water, Brüssel © Ekkehart Schmidt-Fink

Het Warm Water, Brüssel © Ekkehart Schmidt-Fink

Het Warm Water, Brüssel © Ekkehart Schmidt-Fink

Het Warm Water, Brüssel © Ekkehart Schmidt-Fink

Het Warm Water, Brüssel © Ekkehart Schmidt-Fink

Anschrift: 25, rue des Renards, 1000 Bruxelles, Tel.: 02/5139159, info@hetwarmwater.be, homepage

Literatur: Gustave Abeels: Petits métiers des Marolles, Brüssel 1987, p. 82-83; Charlotte van Kalster: Making your mouth water, auf: cafebabel.com, 02.06.2010

Fotos  © Ekkehart Schmidt-Fink

From → Cafés

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  1. Starbucks widerstehend: Kaffeehaus-Originale « akihart

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