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Anna – Teppichdesignerin in Kerman

August 30, 2012

Anna liebt die Natur in den Bergen südlich von Kerman. Und das Fotografieren natürlicher Muster, Strukturen und Farben, mit allen Details. Nach der Rückkehr von Raijen – gelegen gut 2.800 m hoch, am Fuß des Kuh-e Hazar, dem mit 4.420 m vierthöchsten Berg des Iran – in der Ebene von Kerman am Rand der Wüste Dasht-e Lut, zeigte sie uns im Elternhaus, wie sie diese Eindrücke in ornamentale Teppichmuster umsetzt:

Anna hat ein vierjähriges Studium des Teppichdesign an der Shahid Bahonar Kunstfakultät der Universität Kerman absolviert, dabei auch viel über Miniaturen und anderes traditionell persisches Kunsthandwerk gelernt. Der „Kerman“ gehört zu den repräsentativsten persischen Teppichen, er ist dicht und fest geknüpft und meist in hellen Farben gehalten. Es gibt ihn mit und ohne Medaillon. Viel verwendet werden Blumen- und Figurenmuster sowie Arabesken. Aus ihrem Zimmer holt Anna einige Rollen faszinierend exakter Zeichnungen und konkreter Entwürfe für Web- und Knüpfteppiche. Wir schauen uns einen nach dem anderen an, sie erklärt die notwendige penibel-exakte Arbeit mit Pinsel und Farbe auf Millimeterpapier, auf dass die Entwürfe Farbpunkt für Farbpunkt  in winterlicher Saisonarbeit von Bäuerinnen nachgeknüpft oder – nach einer Digitalisierung – per Maschine als Industrieteppiche hergestellt werden können. Die Stunden vergehen im Flug…

Wie ist das denn nun mit den Farben? Früher wurden Teppiche mit Fäden geknüpft, die mit Naturfarben gefärbt worden sind. Anna zeigt ihre spezifische Palette der für Kerman-Teppiche benutzten und hier regionalspezifisch benannten Farben. Sie sind nach Tieren und Pflanzen oder auch Getränken und Gewürzen benannt: Zum Beispiel ein Hellblau namens Douri (nach dem Joghurtgetränk), ein Braun namens Dartshini (Zimt) oder ein Ockergelb namens Shotori (Kamel). Sie malt mir diese Palette in mein Tagebuch:

Und dann schauen wir uns weitere Entwürfe an. Anna hat noch keine feste Stelle als Teppichdesignerin gefunden, aber ab und an bekommt sie Aufträge. Die 27-Jährige erhält etwa 500 Euro für zwei Entwürfe, hat aber noch zu wenige solcher Bestellungen. Sie bräuchte Kontakte zu Teppichknüpferinnen einerseits und Abnehmern andererseits, denke ich, um vielleicht Auftragsarbeiten zu machen.

Ein Designentwurf bildet nicht den gesamten Teppich ab, es reichen die entscheidenden Elemente, da sich durch das Prinzip der Symmetrien und Spiegelungen das komplette Muster schon aus einer Teilzeichnung der Ränder und des Kerns ergibt. Für einen Entwurf sitzt Anna dennoch gute zwei Monate in ihrem Zimmer im Elternhaus (in dem sie auch Miniaturen, Ringe und vieles mehr erstellt – aber das sind andere Geschichten).

Copyright der Fotos: Ekkehart Schmidt-Fink

From → Heim Art, Iran

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