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Persische Klimaanlagen

August 18, 2012

Im von der Wüste mit ihren Extremtemperaturen Heiss-Eiskalt, Sommer-Winter, Tag-Nacht geprägten Iran war es schon zu Zeiten der frühen Hochkulturen für die dort lebenden Menschen von enormer Bedeutung, die Behausungen mit architektonischer Raffinesse so zu errichten, dass man im Inneren tagsüber und sommers in kühler Temperatur sowie nachts und winters in warmer Temperatur leben konnte. Ehe die Ortschaften vor einem halben Jahrhundert fast flächendeckend an das Elektrizitätsnetz angeschlossen wurden und in den Jahrzehnten danach strombetriebene Klimaanlagen für Kühlung und Wärme sorgten, wurde vor allem im Süden des Landes in Städten wie Yezd und Kerman ein effektives System von Windtürmen entwickelt, mit deren Hilfe jeweils angenehme bzw. erträgliche Temperaturen preiswert, ganz ohne Elektrizität erreichbar waren: die Bâdgir.

Bei einem wüstenhaften Klima mit  über 45 ° C heißen Sommern hat man die einstöckigen Lehmziegelhäuser mit oft hoch aufragenden viereckigen oder zylindrischen Windtürmen ausgestattet, deren schmale Öffnungen in der Spitze jeden noch so leichten Luftzug einfingen und durch  einen Schacht in die unteren Wohnräume leiteten. Dort sorgten sie auch in den heißesten Monaten für eine angenehm kühle Brise. Größere Bauten, wie diese Karawanserai in Kerman, benötigten entsprechend hohe und große Bâdgir:

Auch hinter dem Mausoleum eines Sufi-Meisters in Mahan finden sich über dem Vakil-Wasserreservoir mehrere Bâdgirs. Sie stehen über einem zylinderförmig unterirdisch errichteten Wasserbecken mit einer kegelförmigen Decke:

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Die Edelvariante, mit türkisfarbenen Fayencen verkleidet, im qadjarischen Golestan-Palast in Teheran (spätes 19.Jh.):

Die traditionellen Altstädte von Städten wie Yezd sind noch heute von diesen Türmen geprägt. In den Millionenmetropolen Teheran, Isfahan, Meschhed oder Schiraz sind die Hochhäuser dagegen wie anderswo im Nahen und Mittleren Osten pockennarbig verunstaltet von Klimaanlagen. Das Besondere im Iran ist jedoch, daß deren Funktionsweise – wenn auch elektrisch betrieben – doch zumeist weiterhin auf dem Einfangen von kühl wirkendem Wind basieren. Aber natürlich gibt es auch konventionelle Klimaanlagen. Hier ein Beispiel aus der Khiabane Jumhuri-ye Eslam in Teheran:

Auf normalen Wohnhäusern aber (hier in Schiraz) finden sich Klimaanlagen des immer gleichen Typs, bei denen Wind durch Metall-Lamellen strömt, hinter denen eine 2 – 4 cm dicke Schicht aus Stroh befestigt ist, die von oben mit Wasser beträufelt wird. Die Luft wird dadurch gekühlt und (nun allerdings mittels eines per Elektrizität betriebenen Ventilators) in einen Schacht nach unten in die Wohnräume geleitet:

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Oben in den Zimmern – wie hier im Hotel Akhavan in Kerman – strömt die kühle Luft in die Zimmer. Unten die Variante im Naderi Hotel in Teheran, bei welcher der Schacht an der Außenwand des Gebäudes zum Fenster geführt wird.

Wenn auch mit fossiler Energie betrieben, so scheint dies doch eine ökologisch angepasstere Methode als bei der ausschließlich auf einem Ventilator beruhenden der „modernen“ Klimaanlagen. Dem ist aber nicht so: Diese „Cooler“ benötigen gut 30 Liter Wasser pro Stunde. In Wüstenstädten wie Kerman, die unter ernstem Wassermangel leiden, wird also enorm viel Wasser verschwendet, das man aus den Bergen heranführen muss, wo man es den Bauern wegnimmt, die dadurch langfristig wiederum zur Landflucht gezwungen werden.

Persische Klimaanlagen © Ekkehart Schmidt

From → Iran

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