Skip to content

Hotel „Le Lys Bleu“

März 22, 2012

Auf den ersten Blick ist es ein typisches Hotel der weniger belebten Parallelstraßen großer Boulevards französischer Städte. In diesem Falle vorgestern Lyon. Und im Erdgeschoss ein Supermarkt. Daher sehe ich durch die Glastür nur eine steile Treppe, keine Rezeption. Es wirkt einfach und billig, vor allem aber authentisch. Also wähle ich es:

Auf die Farbwirkung der Treppe, die fast eine Stiege ist, achte ich jetzt noch nicht. Ich nehme sie wahr, aber sie wirkt noch nicht so, wie beim Heraustreten wenig später. Stattdessen ein Schild, daß mir zeigt: Hier bin ich richtig!

Ich bezahle bei dem abrupt aus dem Mittagsnickerchen geklingelten und barfuss aus seinem Kabuff tretenden etwas zu unterwürfigen, aber ehrlich von seinen Jahren in Frankreich kaum in seiner Grundfreundlichkeit verdorbenen Araber unbesehen Zimmer 3. Von der Auswahl vierer, auf einem eingerahmten Dokument über dem Rezeptions-Sideboard ausgehängter penibel unterschiedener Tarife wählt er zu meiner Enttäuschung nur den zweitbilligsten: 39 Euro (bei besonderen Festivitäten in der Stadt, zu der mein meeting sicher nicht gehört). Wie immer trete ich erst ans Fenster, um zu schauen, was sich an Blicken bietet:

Hmm. eine Gendarmeriewache hinter dem langen unbetretbaren Balkon. Aber nun zurück rein in dieses Blau und die Tür absperren:

Geht auch im Querformat:

Nach diesem glücklichen Fotografierrausch nun also raus, ein Blick zurück und die Treppe runter in die Stadt:

Ach ja: In Frankreich wird die Lilie Fleur-de-Lys genannt („Lilienblume“). Es gibt aber auch eine Bedeutung von „Lys“ in einigen skandinavischen Sprachen, so dem Dänischen und Schwedischen, als Licht, Hell, Leuchte. Das würde auch passen. „Le Lys“ bezeichnet aber auch den französischen Namen des Flusses Leie, ein nach dem Fluss benanntes ehemaliges Département,einen weiteren gleichnamigen Fluss in Frankreich, ferner einen Nebenfluss des Layon und schließlich einen Fluss in den französischen Pyrenäen, Nebenfluss der Pique, Ich wollte den Araber nicht fragen, ob der Hotelgründer von einem dieser Flüße stammt, weil er es wohl nicht gewußt hätte und mich schon – deutlich irritiert – beim Treppenfotografieren ertappt hatte. Man müsste also genauer recherchieren, wollte man mehr über dieses Hotel wissen wollen. Google bietet nur für die Ästhetik des Hauses blinde, natürlich die dünnen Wände und anderen mangelnden Komfort kritisierende Bewertungen der einschlägigen Hotelseiten. Immerhin: Der „Guide routard“ hat dieses Kleinod 2009 empfohlen.

Adresse: 60 bis, rue de la Charité, 69002 Lyon (im Süden der Halbinsel zwischen Saône und Rhône, nahe der Metrostation „Ampère“)

Copyright der Fotos: Ekkehart Schmidt-Fink

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: