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Blaue Stunde, Saaarbrücken

März 6, 2012

„Das schöne Blau der Luft wird durch die Dunkelheit hervorgerufen, die dahinter ist,“

Leonardo da Vinci (1452-1519), Maler und Bildhauer

Blaue Stunde…, diese gewisse kurze Zeitspanne zwischen Dämmerung und Sonnenuntergang, eine Weile vor der nächtlichen Dunkelheit (und ähnlich kurz vor Sonnenaufgang). Während dieser Zeit leuchtet der tiefblaue Himmel und es zeigt sich ein erster, ein zweiter Stern. Man muß kein Träumer oder Dunkelromantiker sein, um die Poesie dieser halben Stunde zu erleben. Im Kontrast mit dem orangefarbenen Licht der Straßenlaternen ensteht in der Stadt während einiger kurzer Minuten eine ganz besondere Stimmung. Im Winter kündigt dieses kalte Licht die Frühlingswärme an, im Herbst bereitet die Restwärme auf den Winter vor. Das Himmelsblau hat in etwa dieselbe Helligkeit wie das künstliche Licht von Gebäude- und Straßenbeleuchtungen. Es hat aber auch eine andere physikalische Ursache als bei Tage und damit auch eine andere spektrale Zusammensetzung.

Heute bemerkt man diese Zeit der Dämmerung meist nicht mehr und verpasst sie schnell. Oder drückt automatisch den Lichtschalter, wenn es draußen dunkel wird. Oder taucht in ein anderes bläuliches Licht ein:  das des Fernsehers oder des Computers. In früheren Zeiten, als das Anzünden von Lampen noch sehr umständlich war und es noch keine Ablenkung durch Medien gab, hat man diese Zeit noch bewusster wahrgenommen. Nach getaner Arbeit war man froh, ein wenig auszuruhen und dem Ende des Tages entgegen zu sehen. Oftmals hing man still seinen Gedanken nach, gönnte den Augen eine wohltuende Auszeit oder erzählte einander von den Erlebnissen des Tages, bevor man sich um den Abendtisch versammelte. „Der Mensch braucht solche Ruhepunkte, daher ist die blaue Stunde ein Baumelnlassen der Seele, eine umfassende Erholung“ (Wolfgang Fleckenstein). Es ist eine andere Nacht danach, hat man die Dämmerung nicht wahrgenommen. Hat man dieses Blau bewusst in sich aufgenommen, folgt eine andere Nacht, als wenn man dessen Wirkung verpasst. Die Dunkelheit leuchtet dann noch lange nach.

„… und wenn sie ging, weiß keiner, ob sie war.“ (Gottfried Benn, Die blaue Stunde).

Copyright der Fotos: Ekkehart Schmidt-Fink

From → SaarLorLux

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