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Taubenmarkt am Fumm el-Khalig

März 4, 2012

Tiere sind in Kairo fast überall präsent: Neben Katzen und Hunden vor allem Esel und Pferde als Lasttiere (selten Dromedare), in informellen Siedlungen und alten Dorfkernen auch Büffel, Rinder, Schafe, Ziegen, Gänse und Hühner als Nutztiere, schließlich Tauben für das Freizeitvergnügen. Entsprechend gibt es für all diese Tiere auch spezialisierte Märkte. Eine Besonderheit ist der Taubenmarkt am uralten Aquädukt, etwa 100m östlich von dessen Beginn am Fumm el-Khalig zwischen Sayeda Zeineb und Mar Girgis. Der Markt findet nur donnerstags statt:

Tauben werden in Kairo mindestens seit dem Jahr 1200 gezüchtet, damals wurde die legendäre arabische „Taubenpost“ entwickelt. Die Route führte von Kairo über Damaskus bis nach Aleppo und den Norden Syriens. Wenngleich gefüllte Tauben als Spezialität auch gegessen werden, dient die Zucht heute vor allem dem Freizeitvergnügen des „kleinen Mannes“, ganz ähnlich wie im Ruhrgebiet. Anders als dort, soll es in Kairo ernste oder auch nur sportliche „Taubenkriege“ unter Nachbarn geben, die im Himmel ausgetragen werden. Es gewinnt offenbar der Halter, dessen Tauben den Schwarm des Gegners in dessen Taubenschlag zurückdrängen konnte. Es scheint auch die Praxis zu geben, einzeln fliegende Tauben fremder Eigentümer mit dem eigenen Schwarm gewissermaßen einzufangen. Hierzu winkt der Taubenhalter mit verschieden farbigen Fahnen in die Richtung der seines Schwarms verlustig gegangenen Taube, woraufhin der eigene Schwarm in diese Richtung ausfliegt. Diese Infos stehen aber auf wackligen Füßen (Einzelquellen), nicht auf meiner eigenen Anschauung.

Beeindruckend große und hoch über den Wohnhäusern der Altstadt sowie informeller Siedlungen aufragende Taubenschläge sind Ausgangs- und Endpunkt der täglichen Flüge im Schwarm. Die selbstgehämmerten Verschläge stehen meist auf hohen Holzpfählen und sind nur per Leiter erreichbar:

Der Fotograf David Degner hat in Shubra einen Taubenschlag von innen Fotografiert (link). Im ländlichen Raum sehen Taubenschläge ganz anders aus, jedenfalls die traditionellen Modelle: Es sind kegelförmige Lehmstrukturen mit vielen Einfluglöchern und Sitzstäben.

Die Marktpreise für Tauben liegen je nach Art, Federschmuck, Ausdauer, besonders akrobatischer Flug- oder Orientierungsfähigkeit und anderer Charakteristika zwischen 15 und 200 LE (2 – 25 EUR), in Ausnahmefällen können für sehr seltene Tiere bis 2.000 LE verlangt werden. Es soll zwei weitere solcher Taubenmärkte in Kairo geben: einen offenbar schon seit langem bestehenden in einer der beiden Totenstädte (siehe Film dazu), der freitags stattfindet, sowie einen weiteren im Norden der Stadt in el-Matariya. Auf den erstgenannten Märkten wird nicht nur gekauft und verkauft, sondern auch unter Züchtern gefachsimpelt.

Gefüllte Tauben sind schließlich auch eine Spezialität einiger (weniger) Kairener Restaurants, so zum Beispiel im „Casino el-Hamam“ in Giza oder im „Ferhat“ im Khan el-Khalili in der Altstadt.

Geflügel gibt es auch dort wohl nur in Ausnahmen: Hühner, Gänse und Truthähne finden sich in und an den Markthallen von Bab el-Louq, Ataba und Sayeda Aisha, sowie in Einzelständen auch anderswo auf Straßenmärkten:

Im Suq al-Guma, freitags in der südlichen Totenstadt, gibt es wohl auch Falken zu kaufen (ansonsten Sperrmüll, Gebraucht- und Flohmarktartikel sowie wohl auch Diebesgut). Wo es Singvögel gibt, muss ich noch herausfinden. Eine Aufgabe für den nächsten Trip, der diesen Donnerstag beginnt.

Filme zur Taubenzucht und Taubenmärkten in Kairo

Copyright der Fotos: Ekkehart Schmidt-Fink

From → Kairo, Märkte

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