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Atelier du Caire

Februar 29, 2012

Das „Atelier du Caire“ feiert 2013  sein 60-jähriges Bestehen.  Im Gründungsjahr 1953 lag die  „Revolution der Offiziere“ unter Nasser und Sadat gegen König Faruk und die kaum verdeckte britische Kolonialherrschaft erst wenige Monate zurück. Das von den Künstlern  Mohammad Nagi, Ragheb Ayyad und Abu Bakr Khayrat gegründete Zentrum wurde in den nun folgenden euphorischen Aufbruchjahren zu einem Katalysator des Wandels der ägyptischen Kulturszene, urteilt Al-Ahram weekly . Dazu wurde ein Wohnhaus der Neustadt von Kairo, gelegen in Hausnummer 2 der Sackgasse Karim al-Dawla, nicht weit vom Midan Tahrir,  umgewandelt in einen  Künstlertreffpunkt mit Ateliers, Ausstellungsräumen und Café-Terrasse im Freien.

Laut der Wochenzeitung wurde das  Atelier du Caire zu einem vitalen  „powerhouse of the intelligentsia„. Über die Jahrzehnte brachte es in seinen „Tuesday meetings“ immer wieder Schriftsteller, Maler, Musiker und Filmemacher zusammen. Anschliessend habe man sich in nahen Cafés in kleinen Runden für ein fast schon ritualisiertes Kritisieren ihrer der eigenen Werke getroffen.

Für das breite Publikum zeigt das Atelier Ausstellungen von ägyptischen Künstlern, tendenziell der älteren Generation, gelegentlich auch von Künstler/innen aus dem Ausland, so im Dezember 2011 Karikaturen des regimekritischen syrischen Cartoonisten Ali Ferzat.

Besucht man das Atelier heute, so begegnet man zwar auch vielen jüngeren Künstlern, tendenziell aber eher solchen, die schon in der Spätphase ihres Schaffens stehen. Es wirkt ein wenig wie ein Relikt aus einer gloreicheren Zeit. Im Lonely planet heisst es ziemlich treffend: “ frequented by Cairo’s art-world old guard„. Gemeint sind wohl in der Nasserzeit sozialisierte und politisierte, in den Jahren vor der jüngsten Revolution aber eher in der inneren Emigration lebende Künstler. Offenbar mit einer bestimmten sozial-politisch beeinflußten Vorstellung von Kunst. Vielleicht bislang auch zu nah am Staat und seinem subventionierten Kunstbetrieb. Aber das kann ich nicht wirklich beurteilen.

Ausstellung des  armenisch-ägyptischen Künstlers Halim Handrashyim Februar 2009 mit jüngsten Gemälden seiner Auseinandersetzung mit der Frage, was nach dem Tod folgt:

Laut Al-Ahram weekly ist das Haus in den Tagen der Revolution – vor allem durch seine Nähe zum Tahrir-Platz – auch zu einem Zentrum für viele Aktivisten geworden. Kurz nach dem Sturz von Präsident Mubarak zeigte das Atelier eine Ausstellung von aktuellen Karikaturen:

Diese Ausstellung machte mir zumindest – der ich das Atelier von einem halben Dutzend Besuchen seit 1989 kenne – klar, dass sich das Haus wandeln muss, aus seinem Dornröschenschlaf erwachen sollte, wenn es wieder eine ernst zu nehmende Rolle in der zeitgenössischen Kunst Kairos einnehmen will. Vielleicht (ich kann es nicht beurteilen) ist dieser Auf- und Umbruch in vollem Gange. Ungewöhnlich war jedenfalls im März 2011, dass im Seitentrakt der das Haus umgebenden Terrasse unter freiem Himmel eine Bühne für Theatervorführungen und -improvisationen entstand. Ägyptische und internationale Teilnehmer/innen eines Theaterworkshops führten eine Abfolge kurzer Sketche auf:

Das Atelier du Caire ist immer einen Besuch wert und ab 17 Uhr offen für jeden.

Adresse: 2 Karim El Dawla St. (an der Sh. Mohamed Bassiouni, Downtown Cairo, Tel.: 02-25746730.  Geöffnet 10 bis 13 Uhr und 17 bis 23 Uhr. Freitags geschlossen.

Copyright der Fotos: Ekkehart Schmidt-Fink

Quelle: Kamal, Osama: Atelier of revolution, Al-Ahram weekly, 19. – 25. Mai 2011)

Mehr zum Thema:  Zeitgenössische Kunst in Kairo

From → Kairo

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