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Nilfähren in Kairo

Februar 24, 2012

Mindestens 5000 Jahre lang war der Nil der perfekte Verkehrsträger in Ägypten: Nordwärts trieb die Strömung die Boote, südwärts konnten die Nord-Süd-Winde genutzt werden. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gewann das Auto an Bedeutung und der Verkehr auf dem längsten Fluß Afrikas nahm deutlich ab. Im innerstädtischen Raum von Kairo führte der Bau von Brücken jedoch bald zu einer schwindenden Bedeutung von Segelbooten (Fellukas) und Motorbooten als Mittel zur Überquerung des Flusses.

1960 wurde in Kairo ein System von Nilbussen eingerichtet: Im Jahr 2000 bedienten noch 35 Boote auf acht Routen 16 Stationen. Zwar existieren noch einige dieser Verbindungen, das Netz ist heute aber stark ausgedünnt. Vollständig ersetzt wurden die Fähren über den Nil jedoch nicht.

Im Jahr 2011 gab es noch (mindestens) ein halbes Dutzend Verbindungen (Nilbusse oder Felluken), deren Nutzung unbedingt empfehlenswert ist.

Von Süd nach Nord bedienen sie folgende Strecken:

  • Masr el-Kadima – Geziret Dahab
  • Geziret Dahab – Südrand von Alt-Giza
  • Giza – Maspero
  • Maspero – Kanatir
  • Zamalek – Imbaba
  • Shubra el-Kheima – Geziret el-Warrak
  • Geziret el-Warrak – El-Warrak

Von Masr el-Kadima, das heißt vom Nilufer nahe der 2000 Jahre alten Gründung Babylon (die damals am Nil lag), heute als „Mar Girgis“ (sog. koptisches Viertel) bekannt, fährt eine Felluka zum Ostrand der Insel Geziret el-Dahab. Es handelt sich um den einzigen möglichen Zugang zu dieser Insel, auf der Muslime und Kopten gemeinsam Ackerbau betreiben:

Auf der westlichen Seite der Insel fährt – bei Bedarf – ein Motor- oder Segelboot zum jenseitigen Ufer südlich von Giza. Die Passagiere (hier StudentInnen der Ruhr-Universität Bochum während einer Exkursion 2008 und 2009) haben auf einer Planke auf das Boot und nach der Überfahrt vom Boot zum Ufer zu balancieren:

Im innerstädtischen Raum existieren noch zwei Nilbuslinien: Eine fährt von der Station „Cairo Zoo“ (einer Anlegestelle am Hotel Four Seasons nördlich der Altstadt von Giza) mit Platz für gut 100 Personen nach Maspero, am östlichen Nilufer nahe dem Television Tower. Während der Fahrt passiert man die Waterfront mit teuren Hotelhochhäusern sowie die Cafés im Süden der Insel Zamalek:

Vom Nordende der Insel Zamalek (Station „Abu el-Feda“) fährt ein zweiter Nilbus noch heute über den schmalen westlichen Nilarm nach Alt-Imbaba (Station „Merkez Imbaba“):

Wie die Nilquerung ganz im Süden der Stadt ist auch diese eine, die zwei sozioökonomisch denkbar unterschiedliche Stadtteile miteinander verbindet. Es ist eine Fahrt von einer extrem wohlhabenden westlich-modernen Welt in eine traditionelle, arme und noch stark ländlich geprägte Welt. Noch deutlicher spürbar ist dieser abrupte Sprung von einer Welt in die andere, wenn man am Wochenende eine Fähre von Maspero ins etwa 15 km (2 Stunden) entfernte Kanatir nimmt: Der Ort, an dem heute das Nildelta beginnt, ist ein einziges Vergnügungslokal des „einfachen Mannes“ und seiner Familie. Die Fahrt ist ein lautes, lustiges und sehr kommunikatives Abenteuer.

Neben den Fähren gibt es in Kairo, mit Anlegestellen vor allem bei Maspero, stundenweise mietbare Felluken für kurze Rundfahrten (mit und ohne laute Musik) sowie fest verankerte große Restaurant-Schiffe. Aber das ist ein anderes Thema.

Quelle: El-Noshokaty, Amira: Far from the maddening crowd, in: Al-Ahram Weekly, 22.-28. June 2000

Copyright Fotos und Text: Ekkehart Schmidt-Fink

From → Kairo

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  1. Nil hoch. Nil runter « akihart

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