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Aisch baladi: Das tägliche Brot

Februar 21, 2012

Aisch el-Baladi in Kairo (c) Ekkehart Schmidt

Was in Deutschland der Benzinpreis, ist in Ägypten der Brotpreis. Mit dem Unterschied, daß die Machthaber in Kairo alle paar Jahre sehr lange zögern, ehe sie den Brotpreis erhöhen. Es hat unter Sadat und Mubarak schon einige Brotunruhen und -aufstände gegeben. Revolution hin, Militärregime her: Auch 2012 wird es bei der katastrophalen Wirtschaftslage Preiserhöhungen geben müssen. Der Ägypter kommt mit vielem klar, aber wenn der sich in Cent berechnende Preis seines Aisch baladi steigt, ist schnell Schluß mit lustig. Aisch baladi – das Brot der Armen, ist also durch stark subventioniertes Mehl so billig wie möglich zu halten.

Das Fladenbrot besteht schlicht aus Weizenmehl, Wasser, Hefe und Salz. Es existiert in zwei Varianten: einer eher trockenen dünnen mit geringerem Umfang sowie einer feuchteren, dickeren, aber auch grobkörnigeren Variante. Jeweils frisch aus dem Ofen, ballonähnlich aufgeplustert mit viel Luft im Inneren oder schon abgekühlt und flach.

Schon der Maler Emile Bernard (1868-1941), der von 1893-1904 in Kairo lebte, hat den Verkauf dieses Brotes in „Les marchands du Caire“ thematisiert:

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Bis heute sind solche Verkäufer ein gängiges Bild in Kairo. Ich beginne diesen Post aber mit Bildern direkt vor Bäckereien, zum Beispiel in Alt-Giza:

Wie aber wird es hergestellt? Wenn jeder der 18 Millionen Bewohner von Kairo täglich auch nur drei der dünnen Fladen isst, sind Tag für Tag über 50 Millionen Fladen zu produzieren und per Eselskarren oder Fahrrad zu Märkten, Verkaufständen sowie Fuul- und Tameya-Garküchen zu transportieren… Möglich ist das nur in einer Rund-um-die-Uhr-Produktion in hunderten kleiner Brotfabriken (Bäckerei wäre ein unpassender Ausdruck) in allen Stadtvierteln.

Nach dem Backen wird das Brot in der Regel getrocknet (in Regalen oder auf dem Bürgersteig) und dann weiter verteilt.

Aisch baladi: Das tägliche Brot © Ekkehart Schmidt

Tausende Eselskarren und  Fahrradkuriere bringen es in Palmzweigkisten zu den Händlern und Garküchen (hier zwei Situationen unterhalb des Bab Zuweila):

Aisch baladi: Das tägliche Brot © Ekkehart Schmidt

Und am Khan el-Khalili:

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Brotträger in der informellen Siedlung Boulaq ad-Dakrour:

Kairo_332 Copyright Hannah Scharlau

Brotstand im Maarouf-Viertel westlich der Neustadt (die Händlerin hat hier seit Jahren ihren Stammplatz):

Aber noch mal von vorne, der ganze Backvorgang: Am Beispiel einer Bäckerei im Sperrmüllsammlerviertel direkt hinter der Amr-Moschee (der ersten Moschee auf afrikanischem Boden, nördlich von Fustat) im März 2011. Die Inhaberin, Umm Motarek, beschäftigt vier Angestellte:

Erst trocknen, unter Aufsicht von Tauben, dann auf Karren oder Rädern zur Kundschaft bringen.

Mehr zum Thema: Säckeweise Brot für den Tahrir-Platz, Süddeutsche Zeitung, 2011, ohne Autor und Datum; Rezept.

Fotos: Ekkehart Schmidt (bis auf das eines Brotträgers in Blau: Hannah Scharlau)

Aisch baladi: Das tägliche Brot © Ekkehart Schmidt

From → Kairo

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