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Obst, Esel, Tagelöhner: Kairoer Straßenmärkte

Februar 20, 2012

Zwar begegnet man in Kairo an vielen Ecken einzelnen Straßenhändlern mit Eselskarren voller Brot, Früchte, kunstvoll hoch gestapelter Gemüse oder mobilen Küchen. In der Innenstadt bestehen aber nur noch wenige echte Märkte, auf denen mit breiter Auswahl in formell geordneter Struktur Lebensmittel verkauft werden. Es lassen sich drei Typen unterscheiden:

  1. Straßenmärkte mit einem dominanten Angebot von Obst und Gemüse in der Altstadt (Sh. Bab el-Bahr, Gammaliya, Darb el-Ahmar und Sayeda Aisha unterhalb der Zitadelle), der Neustadt (Tewfiqquiya, Sayeda Zeineb und Boulaq) und Heliopolis sowie in verbleibenden altstädtisch-dörflichen Strukturen in moderner Umgebung (der Souk El Sanadily in Alt-Giza, an der Kitkat-Moschee/Alt Imbaba,  el-Sahel/Khalafawy, el-Malek El-Saleh oder Mit Oqba), an wichtigen Busbahnhöfen wie dem Minibusbahnhof von Giza an der Moneeb-Brücke, an vielen Stationen entlang der Metrolinien sowie allen informellen Siedlungen am Stadtrand (u.a. Mounira Gedida/Imbaba, Manshiet Nasser, Boulaq ed-Dakrour und Khalifa);
  2. Gut hundertjährige große Markthallen an den neustädtischen Plätzen Midan Ataba und Midan Falaky sowie kleinere Hallenstrukturen an der Azhar-Moschee, in Boulaq, Bab es-Sharquiya, Heliopolis, Sayeda Aisha und Boulaq ed-Dakrour, in denen neben Obst und Gemüse vor allem Fleisch und Fisch angeboten werden;
  3. Der touristisch überprägte Gewürzmarkt mit „orientalisch“ aufgemachten Geschäften an der Hauptkreuzung der Altstadt westlich des Khan el-Khalilis.

Was in diesen Märkten im Vergleich zu europäischen Märkten fehlt ist vor allem Brot, da dieses staatlich subventionierte Nahrungsmittel meist direkt ab Fabrik (in jedem Quartier) verkauft wird, sowie Käse (sehr selten), Öle, Gewürze, weiterverarbeitete Fleischprodukte (Wurstwaren) und Alkoholika.

Zu erwähnen ist, dass die Großmarkthallen von Rod el-Farag vor einigen Jahren an den extremen Nordostrand der Stadt jenseits des Flughafens nach Ouruba verlagert wurde.

Es gab einmal einen Fischmarkt, doch wurde dieser an den neuen Gemüsegroßmarkt verlegt. Fischverkäufer unter freiem Himmel gibt es noch im Souk El Sanadily in Alt-Giza. Entlang der Sh. 26. Julio in Zamalek sowie auf einigen wenigen Märkten gibt es in einzelnen Geschäften frischen und geräucherten Fisch (v.a. am Midan Ataba und in der Sh. Bab el-Bahr in Bab es-Sharquiya/ Altstadt sowie am Nilufer bei Maadi).

Ferner existieren im Großraum der Metropole viele jeweils auf eine Warenart spezialisierte Straßenmärkte (meist gibt es in Kairo nur jeweils einen und meist bieten die umgebenden Geschäfte andere Waren), die meist informell organisiert sind:

Tiere:

  • Die Taubenmärkte am Aquädukt (nur donnerstags), in der Totenstadt (nur freitags) und in El-Matariya;
  • Der Markt für Hunde, Katzen und Singvögel südlich der Brücke von Sayeda Aisha (nur freitags);
  • Märkte für Kaninchen und Lebendgeflügel (Sh. Muizz li din Allah in Darb el-Ahmar und Sayeda Aisha);
  • Der Dromedar- und Eselmarkt nordwestlich von Imbaba;
  • Ein kleiner Markt für Eselsfutter am Bab en-Nasr/ Bab en-Nasr Friedhof und anderen Orten;

Werkzeuge:

  • Werkzeugmärkte am Aquädukt und in Boulaq;
  • Der Markt für Schlachtermesser und -zubehör am Midan el-Salakhana;

Gebrauchtwaren:

  • Die beiden Freitagsmärkte „Suq al-Guma’a“, von denen einer (am Nordrand der südlichen Totenstadt schon sehr alt ist), während ein anderer in Mounira Gedida seit den 1980er-Jahren existieren. Die Kunden beider Lebensmittel- und Trödelmärkte sind jedoch eher nicht Antiquitätenliebhaber, sondern die arme Vorstadtbevölkerung.
  • Im Südteil des großflächigen Suq al-Guma’a in der südlichen Totenstadt besteht auch werktags ein Markt für Sperrmüllwaren: Hier gibt es Maschinen, Elektroartikel, Möbel, Fenster und Türen  sowie nicht sanierte Antiquitäten;

Kleidung:

  • Straßenmärkte für Textilien und Schuhe gibt es an mehreren Orten, insbesondere am Midan Ataba, am Midan Ramsis, unter der Brücke der Sh. 26. Julio von Boulaq nach Zamalek, in der Sh. Boulaq el-Gedid, in Alt-Giza und während der Abendstunden auf den Bürgersteigen bestimmter Straßen der Innenstadt (Sh. 26 Julyo, Sh. Talaat Harb, Sh. Kasr el-Nil);
  • Damenunterwäsche gibt es östlich der Moschee von Sayeda Zeineb und im Souk El-Sanadily in Alt-Giza;

Revolutionssouvenirs:

  • Seit März 2011 entwickeln sich zwei kleine Märkte für T-Shirts, Armbänder, Aufkleber etc. mit Bezug zur Revolution am Ausgang der Sh. Talaat Harb zum Midan Tahrir und auf dem Platz am Ramses Hilton. Beide bestehen seit 2014 nicht mehr;
  • Der „Fenn Midan“ war ein monatlich auf dem Midan Abdin stattfindender Markt mit Kunsthandwerk, Textilien und anderen Produkten von Einzelpersonen und Vereinen mit Bezug zur Revolution;

Sonstiges:

  • Ein Schmugglermarkt für zollfreie Zigaretten in der Sh. Bab el-Bahr;
  • Märkte für Gebrauchswaren religiöser Riten (Parfüm, Gebetssteine, Literatur), insbesondere an den Moscheen Al-Azhar und Sayeda Zeineb sowie sonntags an einzelnen Kirchen;
  • Druckwaren (Schulhefte, Kalender etc.) werden parallel zu etablierten Geschäften und Druckereien im Faggalla-Viertel östlich des Bahnhofs auch auf der Straße verkauft;
  • Auch die mit ihrem Werkzeug auf Auftraggeber wartenden Tagelöhner an der Kreuzung der Sh. Youssef el-Sabbasi/ Sh. Bayram el-Tonsi bilden einen eigenen Markt.

Aus anderen ehemaligen Straßenmarktstrukturen sind im Laufe der vergangenen Jahrzehnte formelle Geschäftsstraßen mit Branchensortierung geworden. Zu den jüngsten Beispielen zählen:

  • Der Büchermarkt im Ezbekiya Garten (Metro Ataba)
  • Der Elektromarkt Suq Karaba zwischen Alt- und Neustadt südlich des Midan Ataba

Die Branchensortierung der etablierten Geschäfte der Alt- und Neustadt sind ein anderes Thema.

Die Markthallen von Bab el-Louk am Midan Falaky:

Von außen meist kaum als solche erkennbar, bieten die Markthallen Europäern und Amerikanern nach dem Durchqueren alter Tore faszinierende Welten eines unbekannten Hygienestandards, von dem sie lernen, wie extrem ihr eigener Standard ist und wie weit man sich von einem natürlichen Umgang zum Beispiel mit Fleischprodukten entfernt hat …

Der neustädtische Straßenmarkt Souk el-Tewfiqiyya (westlich des Nordendes der Sh. Talaat Harb), Fotos aus dem Grand Hotel:

Straßenmarkt an der Metrostation Sayeda Zeineb:

Straßenmarkt in Mounira el-Gedida, Bezirk Imbaba:

Einige Textilmärkte, zunächst in der Altstadt an Al-Ghuriya:

Auch mit Damenunterwäscheschwerpunkt: Märkte in Sayeda Zeineb und Alt-Giza:

Textilienmarkt in Boulaq:

Textilien- und Schuhmarkt am Midan Ataba:

Schwammverkäufer südlich der Moschee von Sayeda Zeineb und in Darb el-Ahmar:

Zwei Märkte am Aquädukt/ Fumm el-Khaliq: Der Vogelmarkt (donnerstags) und der Werkzeug- und Pferdekarrenzubehörmarkt:

Tagelöhner bieten sich mit ihren Werkzeugen an (südlich Sayeda Zeineb):

Copyright Text und Fotos: Ekkehart Schmidt

From → Kairo, Märkte

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