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Café Al Nadwa Al Thaqaffiya

Februar 19, 2012

Auf den ersten Blick ist das kleine Café in einer Seitengasse des Midan Falaky, abgesehen von der auffälligen Koransure unter der Decke, ein Ort der Entspannung wie viele andere auch in Kairo. In dem hohen, gelb gestrichenen und trotz vieler Fenster etwas düsterem Raum lässt sich sehr angenehm eine Wasserpfeife rauchen, einen Tee oder Mokka trinken und die Zeitung lesen. Erfährt man jedoch, wer hier früher Stammkunde war, fühlt sich die Atmosphäre anders an.

Die Rede ist von einem der Hauptprotagonisten der vorrevolutionären Zeit, dem Apotheker und Schriftsteller Alaa al-Aswany. In ähnlicher Weise wie der Literaturnobelpreisträger Naguib Mahfouz im Casino Qasr en-Nil traf al-Aswany sich hier – ebenfalls donnerstags – zu einem literarischen Zirkel mit Freunden und Bewunderern. Die Literatur-Foren endeten im Dezember 2006, nachdem sich der Café-Inhaber diese, wohl auf polizeilichen Druck hin, verbat. Das Thaqaffiya ist also einer der besten Orte für einen fremden Besucher der Neustadt, in Ruhe den 2002 im arabischen Original  („Imarat Yaqubian“) und als deutsche Ausgabe Anfang 2007 in Basel erschienenen Roman „Jakubijan Bau“ zu lesen, der in skandalträchtiger Weise den sozialen Abstieg des neustädtischen Bürgertums, die Hoffnungslosigkeit der jungen Generation, sexuelle Ausschweifungen und die Korruption der Mubarak-Ära beschreibt.

Wen die konkrete Verortung der im Roman genannten Cafés, Bars, Restaurants und anderer Orte interessiert, sei mein Text „Ein Rundgang durch die Welt des Jakubijan-Bau“ empfohlen, erschienen im September 2007 in Heft 1, 28. Jg. der Zeitschrift Papyrus Magazin, S. 17-22.

Heute sind die Tische am Bürgersteig und im Eingangsbereich einer kleinen Passage am späten Vormittag auch ein Treffpunkt von jungen Rucksackreisenden und internationalen Künstler/innen, die im nahen Amin Hotel bzw. in WGs des Viertels wohnen.

Was die Koransure angeht, sei hier eine von der Übersetzerin Dagmar Stelkens vorgeschlagene Deutung wieder gegeben, wenn auch kein Zusammenhang zum Café erkennbar ist bzw. man dazu den Besitzer fragen müßte:

Aus der Sure „Der steinige Teil“:  16 Und wir haben doch am Himmel Türme angebracht, und haben ihn für die, die ihn anschauen, (mit leuchtenden Gestirnen) geschmückt; 17 und ihn vor jedem gesteinigten Satan bewahrt (so daß keiner sich bis zu ihm vorwagen kann).

Andere authentische Cafés, Bars und Garküchen in Kairo

Copyright Text und Fotos: Ekkehart Schmidt-Fink

From → Cafés, Kairo

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