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Tameya: Knuspriger geht nicht

Februar 18, 2012

Tameya (Ta’amia), in der israelisch-palästinensischen Welt als „Felafel/ Falafel“ bekannt, ist viel mehr als nur ein billiger und nahrhafter Snack. Die  runden, in einer Metallschale in Öl frittierten Bälle von 3-4 cm Durchmesser werden im Orient in Pita-Taschen mit Salat angeboten. In Europa und den USA ist der vegetarische Bratling seit Ende der 1990er-Jahre aber auch als flaches Produkt zum Anbraten in der Pfanne in Mode gekommen. Die Speise besteht aus getrockneten Kichererbsen und/ oder Saubohnen, Mais- oder Weizenmehl, Knoblauch, Cayenne-Pfeffer, Koriander, Meersalz, Kreuzkümmel und Wasser. Während sie im Westen meist nur aus Kichererbsen bestehen, werden in den arabischen Ländern sowohl Kichererbsen oder Saubohnen, oder eine Mischung aus beiden verwendet. Tameya besteht sogar nur aus Saubohnen.

In Kairo schmecken sie nur dann richtig knusprig-gut, wenn das Frittieröl schon ziemlich alt ist und einem – wie beim Döner zu Hause – die Soße das Kinn runterläuft… Tameya ist – neben Brot – die wohl einzige Speise, die es in Kairo überall gibt. Man kann für einen Euro 4-6 Tameya-Taschen bekommen, die nachhhaltig satt machen. Neben ein bis zwei Tameya-Bällen wird der Fladen meist mit etwas Salat und/ oder Turchi (in Essig eingelegte Gemüsestücke) sowie einer Joghurtsoße gefüllt.

Ort und Zeit der Entstehung des wohl sehr alten Gerichts sind nicht bekannt. Allgemein wird  angenommen, dass es am Nil entstand ist und möglicherweise von den christlichen Kopten als fleischloses Gericht für die Fastenzeit geschaffen wurde. In Europa verortet man den Ursprung dagegen eher im Libanon oder in Palästina. Die knusprige Speise ist daher auch Spielball von Ressentiments geworden.

Heute bekommt man Falafel überall zwischen Marokko und dem Irak als typischen Imbiss am Straßenrand. In Israel wird Falafel in eher fragwürdiger Weise als Nationalgericht präsentiert. Dort wurde es Ende des 19. /Anfang des 20. Jahrhunderts von osteuropäischen jüdischen Einwanderern wohl im Bestreben, sich von der europäischen Vergangenheit zu befreien und sich mit den Gegebenheiten der neuen Heimat, die viele als Abbild biblischer Zustände interpretierten, zu identifizieren, als lokales arabisch-palästinensisches Gericht gewissermaßen „adoptiert“ und dann überhöht. Diese Usurpation stört manche Araber. Mehr dazu hier.

In Kairo gibt es tausende Tameya-Stände.Überall, außer in den „modernen“ Vorstädten, wo man zum 10-fachen Preis mit einem Hamburger satt werden soll.

An der Stadtmauer im Norden von Gamaliyya:

Oder auch in Boulaq ad-Dakrour:

Oder an der Ibn Tulun-Moschee:

Meist bekommt der Gast auch Chips, gebratene Auberginen und Turchi dazu:

Boulaq ad-Dakrur:

Tameya am Tisch unter Freunden zu essen, ist eher untypisch. Normalerweise ist man sie eher in Zeitdruck zwischendurch: am Imbiss stehend, kurz sitzend oder mit ihnen seiner Wege gehend. Neben all den kleinen unbekannten und hygienisch eher fragwürdigen Viertellokalen gibt es in der Innenstadt einige Lokale mit Restaurantanspruch. Am bekanntesten ist das Felfela in der Sh. Talaat Harb:

Drei andere Lokale in der südlichen Innenstadt und in Zamalek:

Quellen:Ashley: Falafel: the legend, the myth…, the chickpeas, 13.072009Kantor, Jodi: A History of the Mideast In the humble Chickpea, in: New York Times, 10. Juli 2002

Hier einige Rezeptvarianten: ägyptischer und  israelischer Prägung sowie vegetarisch-deutsch.

Copyright Text und Fotos: Ekkehart Schmidt-Fink

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  1. Felfela_Kairo | akihart

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