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Der Aga Khan in Darb el-Ahmar

Februar 3, 2012

Bis weit in die 1990er-Jahre war das Altstadtviertel Darb el-Ahmar wohl die Gegend in der Millionenmetropole Kairo, die am übelsten beleumundet war. Blickte man von Westen auf die Altstadt, so hörte in den Gassen des Quartiers an der Stadtmauer tatsächlich die Welt auf: Dahinter gab es nichts, keinen Durchgang, kein Tor, nur ein gewaltiger Schutthügel, hinter dem die nördliche Totenstadt begann. Vielleicht, weil am Nordrand des Viertels, nahe der Azhar-Moschee bis in die 1980er-Jahre mehr oder weniger offiziell der Drogenmarkt der Stadt blühte, vielleicht auch, weil hier die ärmsten aller Zuwanderer in unvorstellbarer Dichte in heruntergekommenen Altbauten hausten, oder aber weil hier möglicherweise tatsächlich relativ viele Kleinkriminelle lebten: Der Ruf des Viertels war jedenfalls so schlecht, dass man dort nicht hinging. Warum sollte man auch?

Seit einem Jahrzehnt kann man nun eine erstaunliche Metamorphose beobachten. In einem groß angelegten Sanierungsprojekt entstand auf dem Schutthügel ab 2001/02 mit dem Azhar Park eine neue grüne Lunge der Stadt, die tausendjährige ayyubidische Stadtmauer am Fuß des Hügels wurde buchstäblich im Schutt wieder entdeckt, freigelegt und saniert, Altbauten und Moscheen mit großem Sachverstand qualitativ hochwertig renoviert – und das alles nicht „von oben“ mit viel Geld, und Rücksichtslosigkeit und entsprechendem staatlichen Zwang, sondern unter Beteiligung der Bevölkerung, die in die Arbeiten integriert wurde. So wurden nicht etwa Steinmetze, Maurer, Restaurateure, Zimmermänner etc. von außerhalb des Viertels engagiert, sondern es wurden Arbeitslose und Geringverdiener aus der ortsansässigen Bevölkerung umgeschult und dann eingesetzt. Damit verbunden war auch der Gedanke, dass die Bewohner des Viertels durch eine solche Beteiligung auch zu Fürsprechern der Sanierung werden, sich ihre Heimat eigenständig neu erschaffen und das Erreichte später dann auch schützen werden.

Die treibende Kraft hinter diesem partizipativen Entwicklungsprojekt ist die Aga Khan Stiftung für Kultur. Die ersten Pläne für die Errichtung eines Parks in Kairo wurden ab 1986 entwickelt, doch dauerte es bis 1995, ehe erste Wasserreservoirs angelegt werden konnten. Durch die Wiederentdeckung der Stadtmauern mußte dann in einem langwierigen Prozess das Konzept angepasst werden, so daß die Arbeiten am Park erst 2001/02 begonnen werden konnten. Ab 2003 wurde die Sanierung der Mauer ergänzt um Planungen zur Sanierung auch der Wohngebäude und wichtiger Kulturdenkmäler jenseits der Mauer. Die folgenden Fotos zeigen den Entwicklungsstand im Februar 2009 und (zum Schluss) im November 2011.

Die Situation im November 2011 (Fotos folgen):

Literatur: Stephano Bianca and Philip Jodidio for The Aga Khan Trust for Culture (Hg.): Cairo. Revitalising a Historic Metropolis, Turin 2004

Copyright der Fotos: Ekkehart Schmidt-Fink

From → Kairo

2 Kommentare
  1. Vielen Dank, dass Sie den Bericht über dieses überaus hoffnungsvolle Sanierungsprojekt des Aga Khan mit der Welt teilen. Der Oberhaupt der Ismailiten ist meines Erachtens ein großartiger Menschenfreud und Visionär. Er versteht es auf besonderer Weise, ethische Werte und innovative Konzepte miteinander zu verknüpften.

    paderbornersj

Trackbacks & Pingbacks

  1. Midan Hussein_Kairo | akihart

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