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Ende der Vorstellung: Tote Kinos in Kairo

Januar 31, 2012

Kairo ist eine Filmstadt. Die Filmproduktion hat hier für die arabische Welt eine ähnliche Bedeutung wie Hollywood für die USA und Europa oder Bollywood für den indischen Subkontinent. Dennoch senkte sich auch hier für einige altehrwürdige Kinos irgendwann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der letzte Vorhang. Drei möchte ich hier vorstellen.

Das wohl patinabeladenste Beispiel ist das Kino Al-Fantasia in der Altstadt von Giza. Ausgerechnet hier, wenige Meter vom Beginn der Pyramidenstraße, an der seit Jahrzehnten die ägyptische Filmindustrie angesiedelt ist, mitten in den weder von Kairenern, noch Touristen beachteten, aber sehr interesssanten und quirligen Marktgassen der Altstadt, steht der Betonsaal seit Jahren leer. Aber ein altes, völlig verstaubtes  Plakat verweist noch auf den letzten hier gezeigten Film.

Neben der altehrwürdig im Tran erstarrten Café-Konditorei Groppi in Heliopolis, direkt gegenüber des Präsidentenpalastes, dämmert das „Palace“ mindestens seit zehn Jahren vor sich hin, seit den Kämpfen am Palast 2013 voller Graffiti:

Palace Kino Heliopolis © Ekkehart Schmidt-Fink

Palace Kino Heliopolis © Ekkehart Schmidt-Fink

Palace Kino Heliopolis © Ekkehart Schmidt-Fink

Von anderem Format ist ein weiteres aufgegebenes Kino im Stadtteil Bab el-Louq, nahe der früheren Endstation der Vorortbahn. Seitdem diese von der Metro ersetzt wurde, hat sich das Viertel gewandelt. Kinobesucher fahren gleich weiter nordwärts in die Neustadt. Das kleine, aber architektonisch Bedeutung suggerierende Betongebäude des „Rio“ verfällt. Das Gebäude besteht mindestens seit 1934. Ein Eisengitter versperrt den Durchgang zu einem mittlerweile anderweitig genutzten Innenhof:

Die größte Ansammlung geschlossener Kinos findet sich jedoch ausgerechnet in der Sh. Emad ed-Din (auch: Mohammed Farid), die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der halben arabischen Welt bekannt für ihre Lichtspielhäuser war: Auf vier Straßenblocks zwischen der Sh. Alfi und der Sh. Nagla al-Rahhany finden sich neun Kinos, von denen fünf seit mindestens 25 Jahren „mafoula“ sind, also geschlossen.

Das „Ritz„:

Das

Das „Rihani„:

Das

Karim 1“ und „Karim 2“ in der Sh. Emad ed-Din:

Die Kinos

Die Kinos

Das „Cine El Kahira“ in der Sh. Emad ed-Din:

Das

Das

Im Ghoureya-Viertel nahe der Al-Azhar Moschee findet sich noch ein Kino, das eine Freundin, Femony, im Februar 2017 fotografierte:

kino-ghoureya-str_femony_2017_540

Trotz all dieser Ruinen, von denen ich nicht weiß, welcher eventuell clandestinen Nutzung die Säle heute dienen, gibt es allerdings insgesamt kein Kinosterben in Kairo, oder besser gesagt kein generelles. Die Sharia Emad ed-Din ist nur nicht mehr, was sie einmal war. Dafür sind in den Subzentren der Metropole Kinokomplexe einer neuen Generation entstanden.

Copyright der Fotos („Al-Fantasia“ und „Rio“aufgenommen 2011, die anderen 2013): Ekkehart Schmidt

From → Kairo

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  1. Midan Falaky_Kairo | akihart

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