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Gast sein, Teil werden

Januar 25, 2012

Am besten isst man in der arabischen Welt dort, wo man sich eingeladen fühlt oder tatsächlich eingeladen wird. Und nicht Kunde, sondern Gast ist. Aber das kann man nicht „kaufen“. Es kann einem nur geschehen, weil der Gastgeber es sich spontan wünscht. Einem ein Essen schenken möchte. Es gehört beiderseits eine gewisse innere Ruhe dazu. Eine „Carpe-Diem-Haltung“: Den Tag genießen, wie er kommt. Und vor allem die Menschen nehmen, wie sie einem begegnen. Sich ansprechen lassen, Worte wechseln, sich wirklich einlassen. Teil werden einer Situation. Dazu gehören zwei (mindestens), die Zutrauen zueinander finden und das Gegenüber kennen lernen möchten.

Zum Beispiel am Rand von Fustat, hinter der Amr Djami, der ersten, von den islamischen Eroberern im 7. Jahrhundert auf afrikanischem Boden errichteten Moschee. In einem Viertel von Sperrmüllsammlern. In diesem Fall trafen an eher staubigen Stadtentwicklungsfragen interessierte Europäer an einem späten Nachmittag – etwa in der Zeitspanne zwischen  dem Säubern der Küche nach dem Mittagessen und dem Beginn der Vorbereitungen für die Zeit, zu der die Arbeiter hungrig heim kommen und vielleicht noch etwas essen wollen, das schnell zuzubereiten ist – auf einen Imbissbesitzer. Genauer gesagt: Seinen Bruder. Jedenfalls einen, der den Mut oder die Spontanität hatte, die überraschend die Gasse entlang kommenden Besucher in origineller Weise anzusprechen, auf dass sie stehen bleiben.

Nachdem wir uns kennen gelernt hatten (den Bruder, die Schwägerinnen und deren Kinder, den Vater …), einen Tee zusammen getrunken und unsere Lebenskoordinaten ausgetauscht hatten, wurden wir vom mittlerweile eingetroffenen Imbissbetreiber Saoudi zum Essen eingeladen. Selbstverständlich als Gast. Das Fuul mit Baladi-Fladenbrot, gebratenen Pepperoni und Turchi (sauer eingelegten Möhren, Kohlrabi etc.) schmeckte wie die an diesem Ort und in dieser Situation köstlichstmögliche Speise. Einmal die Kamera gezückt, wollten alle fotografiert werden (was nicht zwingend dazu gehört, hier aber prägend wurde, weil es galt, die Fotos bei einem zweiten Besuch zurück zu schenken).

Und am schönsten ist es, wenn der Gast wiederkommt und ein kleines oder größeres Geschenk mitbringt. Eine Woche oder zwei Jahre später.

Adresse: Sh. Ahl al-Raya, östlich der Amr Ibn el-Aas Moschee

Copyright der Fotos (aufgenommen im September 2009 und März 2011): Ekkehart Schmidt

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  1. Authentische Küche in Kairo « akihart

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