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Tomoca Coffee House

Januar 21, 2012

Kaffee in Äthiopien ist ein Genuss, den niemand nachvollziehen kann, der mit deutschem Filterkaffee sozialisiert wurde und irgendwann entdeckt hat, dass es italienische Espressomaschinen gibt (immerhin). Im Ursprungsland des Kaffee bekommt man selbst in Dorf-Cafés und an Bushaltestellen ein Getränk bereitet, das in der Geschmacksintensität und -bandbreite an guten Wein denken lässt. Zum Beispiel am Busbahnhof von Debre Markos: Man nippt oben, trinkt und erlebt, wie der Geschmack karameliger wird und plötzlich in Tee übergeht. Man zweifelt an der Zurechnungsfähigkeit seiner Geschmacksknospen auf der Zunge, aber tatsächlich findet sich in der unteren Hälfte des Glases Tee. Zum Beispiel auch der Kaffee einer Teezeremonie (aber das ist ein anderes Thema).

In Addis Abeba gibt es hunderte Kaffeehäuser, aber zur Crema de la Crema zählen dann doch nur einige  wenige. Neben dem National Café in der Gambia St., das mir anfangs als nicht viel mehr als ein schwarzes Loch in einer Wand erschienen ist, sind vor allem die Terrasse des Ras Hotel (auch in der Gambia St.), das Trianon Caffé am De Gaulle Sq. und das Tomoca zu nennen. Das Tomoca besteht wohl seit den Jahren nach der kurzen italienischen Kolonialversuchsperiode und fasziniert den westlichen Besucher mit einer fast unberührten 1940er-Jahre-Atmosphäre im Piazza-Viertel im Norden der Stadt.

Man riecht das Haus in der Wavel St. bzw. den ununterbrochen frisch gerösteten Kaffee schon aus den 50 Metern Entfernung der Abzweigung von der Churchill Rd. kurz vor ihrem nördlichen Ende links und betritt das unscheinbare Haus, um einen schnellen Buna, wie Kaffee auf Amharisch heisst,  zu trinken oder ein Pfund Kaffee zu etwa 40-50 birr (2 Euro) zu kaufen. Es gibt freilich schon erste Touristengruppen, die wegen der Atmosphäre des wunderbar alten Interieurs kommen. Filmteams auch, die Kaffee-Dokumentarfilme drehen. Aber in der Regel bleiben die männlichen Genießer unter sich, bestellen links hinter der Tür bei den Frauen und gehen mit der Quittung nach hinten zu einer Frau und einem Mann, die ununterbrochen Kaffee aus ihrer Maschine zaubern und stellen sich an die Stehtische.

Der Inhaber erklärt, dass To.Mo.Ca für Torvasioni Moderna Caffe steht. Eröffnet wurde es 1953 nach äthiopischem Kalender, der 7 Jahre Unterschied zum gregorianischen hat (1953 entspricht also 1946). Der Fernseher neben dem Eingang zieht alle Blicke der Äthiopier an. Der westliche Besucher ist dagegen eher fasziniert von der Würde und Schönheit der Verkäuferinnen, von einer riesigen Karte des Landes, die die Hauptanbauregionen zeigt,sowie einer tabellenartigen Tafel, auf der die unterschiedlichen Kaffeesorten (Herkunft, Weiterverarbeitungs- und Röstmethoden…) kategorisiert  werden.

Mehr zum Thema Kaffee in Äthiopien, vor allem mit deutlich besseren Fotos vom Tomoca als meinen (gemacht mit einer Gebrauchtkamera, nachdem mir meine Nikon geraubt worden war), findet sich in einem Artikel der Webseite „Munchies“ von 2015.

Copyright von Fotos und Zeichnungen: Ekkehart Schmidt-Fink

From → Äthiopien, Cafés

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