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Windsor Hotel_Kairo

Januar 14, 2012

„Windsor“ – Was für ein klangvoller Name! Aber auch sehr aus alten Zeiten … Man denkt an das Schloß der königlichen Familie Großbritanniens. Aber es ist tatsächlich kaum anmaßend, dass sich dieses Hotel nahe des Ataba-Platzes in Kairo nach dieser nennt. Etwas südlich des legendären „Shepheards Hotel“, westlich des ehemaligen „Eden Palace Hotels“ und etwas nördlich des „Continental Savoy“ gelegen, war es in den Jahren um die Jahrhundertwende von 1900  tatsächlich eines der bevorzugten Hotels britischer Touristen. Anders als die beiden anderen genannten existiert es noch. Natürlich hat der Zahn der Zeit stark genagt, aber man kann sich tatsächlich in die Kolonialzeit zurückversetzt fühlen – ein Satz, den man aus unzähligen Texten kennt. Aber er ist in diesem Fall wirklich zutreffend. Es ist kein Zufall, dass hier die eine oder andere Szene von Filmen ägyptischer oder auch Hollywood-Produktionen gedreht worden sind.

Das erste Gebäude an dieser Stelle beherbergte Bäder der königlichen ägyptischen Familie, heißt es in der Selbstdarstellung des Hauses. Vielleicht heisst deshalb das 2012 sanierte Restaurant gegenüber „Kursaal„? Dann diente das Haus jahrelang als Club britischer Offiziere, bis es als Annex des ( oder aufgrund der Nähe zum) Shepheards Hotel in den 1960er-Jahren von einem Schweizer Hotellier erworben und in das heutige Hotel (damals: Hotel Windsor – Maison Suisse) umgewandelt wurde. „Today the Windsor’s guest rooms retain an ambiance of faded grandeur and the hotel’s famous Barrel Bar remains a popular Cairo rendezvous.“ Ersteres stimmt, letzteres ist Wunschdenken, treffen sich doch dort nur noch (meist) europäische und nordamerikanische Hotelgäste. So jedenfalls bei meinen Übernachtungen im September 2009, Oktober 2011 und Oktober 2015.

Die Räume (die Fotos unten zeigen Zimmer 36) sind – wie der Frühstücksraum, das Restaurant und die Bar – weitestgehend mit dem Originalmobiliar ausgestattet. So scheint es jedenfalls. Das hat einige Nachteile in Bezug auf den Komfort, doch werden diese bei weitem wett gemacht durch das preiswerte Erlebnis, in einer Art Museum zu übernachten: Die Nacht kostet je nach Standard und Belegungszahl zwischen  30 und 50 Euro. Das Frühstück besteht aus einem Toast, einem Croissant (eher british style) und einem Pappbrötchen, dazu ein dreieckiges Schmelzkäsestückchen und Marmelade sowie einem ganz besonders bemerkenswert schalen Kaffee. „Faded grandeur“ eben. Aber natürlich: Kaffee war nie die Stärke der Tee trinkenden Briten. Dafür ist der Service durch die etwa 50jährige Iman besonders nett, familiär und aufmerksam: -Sie arbeitet seit 12 Jahren hier und schafft es, Gästen immer neu das Gefühl zu geben, der erste und wichtigste seit Tagen zu sein.

Der Backsteinbau steht in einem ruhigen Geviert zwischen Sh. Alfi (deren Nr. 19 die Postadresse ist, obwohl das Haus ihr den Rücken zukehrt), Sh. Gumhuriya und Sh. 26. Julio. Er wirkt wie eine Burg, die Außenwelt klar abweisend, unsicheren Fremden ein Sicherheitsgefühl vermittelnd. Umso mehr Sterne ein Hotel in Kairo hat, desto stärker wird dieses burgartige betont (extrem beim Ramsis Hilton). Von den hölzernen Balkonen der Vorderzimmer des Windsor (die zu empfehlen sind) blickt man hinab auf Gassen ohne Autoverkehr, deren Teehäuser deshalb besonders beliebt sind. Besonders im Sommer kann man dort schön kühl an Tischen auf der Straße sitzen und eine Wasserpfeife rauchen oder Backgammon spielen.Von hier aus kann man abends die Sh. Alfi westwärts laufen, um in das „traditionelle“ Vergnügungsviertel der Neustadt zu gelangen. Direkt hinter dem Hotel ist sie allerdings eine hässliche Durchgangsstraße, nicht zuletzt, weil das Gelände des abgebrannten „Shepheards Hotel“ mit einer Tankstelle und einem staatlichen Bürokomplex bebaut wurde.

Ausgerichtet war das Hotel freilich nach Osten: Dort, jenseits der Sh. Gunhuriya und der Ezbekiya-Gärten begann damals der Orient. Per Pferdekutsche ging es von hier in die Altstadt und die Basare, während sich die moderne Neustadt des Khediven Ismail diesseits ganz dem Westen zuwandte und das Haussmann’sche Paris zu kopieren suchte. Das ist alles lange her. Aber das Windsor hat überlebt, anders als das Continental Savoy, auf dessen Nordfassade man vom Balkon aus schauen kann. Aber das ist eine andere Story.

Das wahrscheinlich Mitte der 1920er-Jahre errichtete Gebäude beinhaltet 60 Zimmer in sechs Geschossen und einem Teilgeschoß, das von der Straße her kaum wahrzunehmen ist. Der Bau wird von allen vier Seiten von Straßen umgeben. Eine in Kairo einzigartige Backsteinarchitektur bestimmt die äußere Gestalt. Wenngleich der Gesamteindruck an ähnliche Architekturtendenzen Mittel- und Nordeuropas erinnert, gibt es doch hie und da Gestaltungselemente, die an lokale Traditionen erinnern: z.B. die Spitzbögen im zweiten Geschoß oder die hölzernen Balkon- und Brüstungsgitter.

Quelle der Architekturangaben: Mohamed Scharabi: Kairo. Stadt und Architektur im Zeitalter des europäischen Kolonialismus, Tübingen 1989, S. 227

In einem im 2011 im AUC-Verlag erschienenen Buch über Ägyptens historische Hotels wird das Windsor gesondert beschrieben. Weitere Herbergen und Hotels in Kairo

Copyright der Fotos: Ekkehart Schmidt

Webseite des Hotels

From → Hotels, Kairo

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