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Ausgewählte Belletristik zu Migrationsthemen

August 11, 2011

Untitled 6

Autor/in: Titel, (erster) Verlag, Erscheinungsort, Datum (Kurzbeschreibung)

Chronologische Ordnung (WORK IN PROGRESS)

a) deutschsprachige Literatur

  • Goethe, Johann Wolfgang von: Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (sic!), Novellensammlung, 1795 (Baronesse von C., „eine Witwe in mittleren Jahren“ muss mit ihrer Familie, Verwandten, Hausfreunden und Bediensteten aus Frankreich fliehen, in der Emigrantengruppe spiegeln sich die Spannungen der Zeit zwischen Bewahrung des Alten und Aufbruch zu neuem: Auf der einen Seite stehen der älteste Sohn Friedrich als Organisator der Fahrt zum Gut auf der rechten Rheinseite, die Tochter Luise, deren Bräutigam für die alliierte Armee kämpft, und der katholische Geistliche, mit der Freiheitsidee der Revolution und ihrem Bestreben, „der alten Sklaverei ein Ende zu machen“, sympathisieren dagegen Vetter Karl und der Hofmeister, der Lehrer des jüngeren Sohnes – hinter einer Rahmenhandlung entwickelt Goethe Binnenerzählungen > mehr dazu bei Wikipedia)
  • von Hoffmannsthal, Hugo: Die Briefe des Zurückgekehrten, 1907 (Briefnovelle: 1901 schreibt ein nach Europa zurückgekehrter Österreicher fünf Briefe an einen alten Freund in London, 18 Jahre hatte er in Übersee gelebt, zuletzt arbeitete er fernab von Europa für eine holländische Gesellschaft; eigentlich auf dem Weg nach Hause, reist er nun im Auftrag der Holländer kreuz und quer durch Deutschland, wird mit den deutschen Verhältnissen konfrontiert und empfindet ein Unbehagen, dabei hatte doch sein Vater vor über 20 Jahren daheim gesagt: „Wir sind Österreicher, aber wir sind auch Deutsche“, sein Unbehagen erweist sich – trotz vieler Worte in den Briefen – als unbeschreiblich, er möchte „fort aus Europa und zurück nach den fernen guten Ländern“)
  • Thieß, Frank: Die Verdammten, 1922 (balladenhafte Erzählung der tragischen Liebe eines verheirateten Amerika-Heimkehrers zu seiner Schwester)
  • Traven, B.: Das Totenschiff, 1926 (eine von grimmigem Humor und bissigem Sarkasmus erfüllte „Geschichte eines amerikanischen Seemanns“, dem in Antwerpen das Schiff mit seinen Ausweispapieren davonfährt, woraufhin er als Namenloser von Staat zu Staat gehetzt wird, bis er unter Gestrandeten aus aller Welt die Höllenfahrt auf dem morschen Totenschiff unternimmt, das mit hochversicherter, aber wertloser Fracht von vornherein zum Untergang verdammt ist – so Franz Lennartz; mehr bei Wikipedia)
  • Kafka, Franz: Amerika, 1927 (Ein 16-Jähriger wird von seinen Eltern nach Amerika geschickt und muss sich dort eine Existenz aufbauen, er findet durch sonderbare Zufälle seinen reichen Onkel, der ihn fördert – doch unglückliche Umstände, Ungerechtigkeiten und die eigene Gutgläubigkeit stürzen den Jungen in zunehmend ausweglose Situationen. Er wird zum Opfer und Spielball seiner Umwelt, und alle Anstrengungen, sein Schicksal in die Hand zu nehmen, bleiben erfolglos – eine noch nicht „kafkaeske“ Erzählung)
  • Edschmid, Kasimir: Deutsches Schicksal, 1932 (Roman über sechs dtsch. Auswanderer, die in südamerikanischen Armeen gegeneinander kämpfen müssen, nur einer überlebt und kehrt heim)
  • Vegesack, Siegfried: Das fressende Haus, 1932 (Roman über einen baltischen Emigranten, der einen alten Turm im Bayrischen Wald erwirbt, jedoch in allen anderen Unternehmungen scheitert, alles Erworbene, sogar die geliebte Frau im Kindbett, verliert und begreift, dass man nur das, „was man im Herzen bewahrt, wirklich besitzt“)
  • Huelsenbeck, Richard: Der Traum vom großen Glück, 1933 (Roman über den Lebenskampf eines deutschen Mädchens, das mit seiner Mutter von Thüringen nach New York auswandert)
  • Augustiny, Waldemar: Der Fischer von Jarsholm, 1934 (Schilderung des notvollen Alltagslebens der Ostsee-Heringsfischer, die von einem Amerika-Heimkehrer unter Einsatz seines Lebens vor dem wirtschftl. Ruin bewahrt werden)
  • Knittel, John: El Hakim, 1936 und 1950 (Schilderung des dornenreichen Aufstiegs eines armen koptischen Jungen zum Arzt und Vorkämpfer seines Landes, der erfolgreich in England praktiziert und schließlich als berühmter Arzt in die ägypt. Heimat zurückkehrt)
  • Keun, Irmgard: Kind aller Länder, Amsterdam 1938 (beschreibt z.T. autobiographisch aus der Sicht eines kleinen Mädchens das zermürbende Leben einer deutschen Emigrantenfamilie)
  • Helwig, Werner: Raubfischer in Hellas, 1939 (Geschichte eines zivilisationsmüden Deutschen, einem Freund des Erzählers, der als Rudersklave unter die Dynamitfischer und Schmuggler in den griech. Meeren gerät und sie versucht, zum weidgerechten Jagen zurück zu führen)
  • Schnabel, Ernst: Die Reise nach Savannah, 1939 (Abenteuerromanze um einen Offizier auf dem Auswandererschiff „Fortuna“ im Jahr 1869, das später untergeht)
  • Fussenegger, Gertrud: Die Leute auf Falbeson, 1940 (Schilderung von Tirol zur Zeit der Gegenreformation und des Auswanderns um des Glaubens Willen)
  • Feuchtwanger, Lion: Unholdes Frankreich, 1942 (autobiogr. Tatsachenbuch über die Flucht des Autors vor der Gestapo in Frankreich und die Auswanderung in die USA)
  • Gut, Sybille (Hg.): Wir sind nicht allein. Kleine Anthologie deutschsprachiger Emigrantenlyrik in der Schweiz. Nach dem Manuskript der 1943 von der Kulturgemeinschaft der Emigranten in Zürich geplanten Publikation, Strauhof, Zürich 2003
  • Seghers, Anna: Transit, Little, Brown & Co., Boston 1944 (Roman über die Angst der in Marseille festsitzenden deutschen Flüchtlinge vor den Nazis, im kafkaesken Bemühen, ein Ausreisevisum zu erhalten; „Dieses Gleichnis für das vor der Krise fliehende europ. Menschentum überhaupt, führt in die Leidensgemeinschaft deutscher Flüchtlinge 1940/41, die in den Schlupfwinkeln von Marseille, von Registrierung zu Registrierung getrieben, monatelang auf das rettende Schiff warten“, schreibt Franz Lennartz)
  • Feuchtwanger, Lion: Der Teufel in Frankreich, 1942 (autobiogr. Tatsachenbuch über die Flucht des Autors vor der Gestapo in Frankreich und die Auswanderung in die USA)
  • Hochwälder, Fritz: Der Flüchtling, 1945, verfilmt als „Die Frau am Weg“ 1948 (Theaterstück, das an einem ins Typische gehobenen Beispiel den fliehenden Menschen in unserer Zeit deutet: ein Mann auf der Flucht vor grausamen Gewalthabern wird von der Frau des ihn verfolgenden Grenzjägers in deren Schlafraum aufgenommen und geht schließlich mit ihr über die Grenze, während der Ehemann, ein bis dahin gefügiger Diener der Gewalt, erkennt, dass er der eigentliche Flüchtling ist, der sich entweder für die Barbarei oder die Menschlichkeit zu entscheiden hat)
  • Gumpert, Martin: Der Geburtstag, Amsterdam 1948 (36 Stunden im Leben eines Mannes an der Schwelle zwischen Jungsein und Altwerden: Mit 50 findet der aus Deutschland stammende und jetzt in New York lebende jüdische Arzt zu sich selbst, mit seiner Vergangenheit vor dem Exil hat er abgeschlossen, in seinem neuen Leben ist er frei von Bindungen, Verpflichtungen und Wünschen, kann versuchen, in der fremden Kultur der USA aufzugehen)
    Der ursprünglich im Emigranten-Verlag Querido/Amsterdam erschienene Roman ist berühmt geworden für seine Schilderungen der Nachtseiten von New York.
  • de Mendelssohn, Peter: Das zweite Leben, ursprüngl. „All that matters“, dtsch 1948 (Bekenntnisroman eines „vierteljüdischen“ Schriftstellers, der 1933 aus Deutschland nach Frankreich entkommt)
  • Becher, Ulrich: Samba, 1951 (Theaterstück, das mehr in Form einer Zustandsbeschreibung, denn einer Handlung, europäische Emigranten der Jahre 1941-43 in dramatischen Bildern vor wildbewegtem karnevalistischem Hintergrund in einem brasilianischen Urwaldhotel Revue passieren lässt, vorwiegend „abstürzende“ Typen)
  • Harrer, Heinrich: 7 Jahre in Tibet, 1952 (spannender, autobiografischer Bericht über die Flucht zu Fuß aus einem engl. Kriegsgefangenenlager in Indien 2000 km nach Lhasa in Tibet und dem Aufenthalt dort mit einem Schicksalsgenossen, mit vielen Detailschilderungen des Landes und des Aufenthaltes als Fremde)
  • Hoerschelmann, Fred von: Das Schiff Esperanza, 1953 (eines der erfolgreichsten deutschen Hörspiele, in dem ein Menschenschmuggler illegale Auswanderer um ihr Geld prellt und auf einer Land vortäuschenden Sandbank dem Tod preisgibt, nicht ahnend, dass sich unter den Opfern auch sein Sohn befindet)
  • Krieger, Arnold: Zwei zogen aus, 1953 (autobiograf. Bericht über das Leben des Autors im Ausland, v.a. im Tessin)
  • Peter Hirche: Die Heimkehr, 1954 (Hörspiel über eine sterbende Frau, einem Flüchtling, die träumend in die schlesische Heimat zurück kehrt
  • Cramer, Heinz: San Silverio, 1955 (Roman über eine 70jährige Italienerin, die in Amerika Witwe wird und auf die heimatl. Insel zurückkehrt, wo sie die ihr fremd gewordenen Bewohner bald zu Schuldnern herabwürdigt, weil sie das Geld für die Überführung ihres Gatten gewinnen will)
  • Becher, Ulrich: Der schwarze Hut, 1957 (Novelle, die einen jüdischen Emigranten aus Deutschland in den Tagen des deutschen Zusammenbruchs ironisch mit dem US-Kapitalismus konfrontiert)
  • Oskar Maria Graf: Die Flucht ins Mittelmäßige, 1959 (ein New Yorker Roman, der das Elend der Emigranten des Hitlerstaates schildert)
  • Krieger, Arnold: Liza Jukunda oder das dunkle Verlangen, 1959 (erzählt die Odyssee einer schwarzen Fürstentochter aus Mittelafrika, die als 12jährige geraubt, Sklavin, „Suria“ eines arab. Großgrundbesitzers und Mutter wird, mit der Tochter nach Sansibar entkommt, aber bald wieder auf die Landstraße getrieben wird, ein weiteres Kind bekommt, das man ihr raubt und nach der unglücklichen Rückkehr in die Heimat den Freitod wählt)
  • Ende, Michael: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Stuttgart 1960 (in einem Paket wird ein kleiner afrikanischer Junge per Post auf die Insel Lummerland geschickt und dort gut aufgenommen, auf der Suche nach seiner Herkunft bereist er mit Lukas dem Lokomotivführer und der Lokomotive Emma ferne Länder, besiegt einen Drachen, befreit die mandalanische Prinzessin Li Si und kehrt mit ihr zurück nach Lummerland)
  • Remarque, Erich Maria: Die Nacht von Lissabon, Kiepenheuer & Witsch 1961/62
  • Brecht, Bertolt: Flüchtlingsgespräche, Suhrkamp, Frankfurt/Main, 1961 (Der Alltag der während der Zeit des Nationalsozialismus aus Deutschland vertriebenen Menschen)
  • Weiss, Peter: Fluchtpunkt, 1962 (autobiogr. Beschreibung des Lebens von 1940-47 in Schweden, als eine Art Rechenschaft, hin zur inneren Befreiung anlässlich eines Besuchs in Paris, Bericht eines „Fremden“, keinem Volk, keinem Ideal mehr angehörig, stark nur in der „Losgelöstheit“, fruchtbar nur im „Niemandsland des Künstlers“, sich der „Schuld“ des Ausschwitz Überlebenden ebenso bewusst, wie der Kraft seiner Sprache)
  • Weiss, Peter: Meine Ortschaft, 1965 (bis auf den „Ort“ Auschwitz, dem der Autor „entkommen“ ist, sind für den „Außenseiter“, als der sich der Autor v.a. als Emigrant fühlt, geogr. Stationen „Durchgangsstellen“, „leere Flecken“ geblieben)
  • Becher, Ulrich: Murmeljagd, Rowohlt, 1969 (autobiogr. geprägter Roman, in welchem Becher die vermeintliche und tatsächliche Bedrohung, die Einsamkeit und Verlassenheit eines nach 1938 politisch in Österreich verfolgten in die Schweiz exilierten Journalisten thematisch verarbeitet)
  • Frischmuth, Barbara: Das Verschwinden des Schattens in der Sonne, Residenz Verlag, Salzburg und Wien, 1996 (Erstauflage 1973)
  • Fährmann, Willi: Der lange Weg des Lukas B., 1980 (Jugendroman, Teil der Bienmann-Saga, er  behandelt das Erwachsenwerden von Lukas Bienmann, der in der zweiten Hälfte des 19. Jh. aus Ostpreußen in die USA fährt und sich dort zum Zimmermannsgesellen ausbilden lässt. Im Roman spielt neben dem Annehmen von Verantwortlichkeit die Generationenkonstellation in der Familie eine wichtige Rolle; Lukas reist mit seinem Großvater; sein überschuldeter Vater ist verschwunden und wird immer wieder erwähnt; der Autor setzt sich mit der Auswanderungszeit um die Wende zum 20. Jh. auseinander, als viele Menschen in Europa nicht mehr genug Arbeit fanden, um zu überleben, und so machten sie sich auf in das „gelobte Land“ Amerika; das Buch zeigt, wie unterschiedliche kulturelle Vorstellungen aufeinanderprallen, welche Chancen das im Aufbruch befindliche Land bot für den, der sie zu nutzen wusste)
  • Rosendorfer, Herbert: Briefe in die chinesische Vergangenheit, dtv-Verlag, München 1986 (kein klass. Migrantenroman, sondern Fiktion eines chinesischen Mandarins aus dem 10. Jahrhundert, der per Zeitmaschine in das heutige München gelangt und sich mit dem völlig anderen Leben der „Ba Yan“ und ihren kulturellen und technischen Errungenschaften konfrontiert sieht, worüber er seinem Freund in der Heimat Briefe schreibt – interkulturell höchst vergnüglich)
  • Brandt, Rut: Freundesland. Erinnerungen, Hoffmann und Campe, Hamburg 1992 (Autobiographie, zugl. Biographie von Willy Brandt für den Zeitraum 1944–1974, schildert ihr Leben in Norwegen und Schweden sowie die Beziehung und Ehe mit dem aus Lübeck emigrierten Willy Brandt, den sie zum ersten Mal bei ihrer ersten Hochzeit 1942 gesehen hatte, obwohl beide noch verheiratet waren, verband sie ab 1944 eine feste Beziehung, 1947 folgte sie Brandt an die Norwegische Militärmission nach Berlin, wo sie als seine Sekretärin arbeitete, 1948 Heirat, begleitete ihn in seiner Politikerkarriere, nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler lebten sich die beiden auseinander)
  • Vertlib, Vladimir: Abschiebung, 1995 (erzählt – aus der Perspektive eines Jugendlichen – vom vergeblichen Versuch einer Einwanderung in die USA nach der Auswanderung einer russ.-jüd. Familie aus der Sowjetunion, die sich im Land der Freiheit vergeblich einen Platz für sich, stattdessen erleben sie Ausgrenzungen)
  • Spiel, Hilde: Lisas Zimmer, Ullstein, Frankfurt am Main/Berlin, 1996 (Emigranten im New York der 1940er-Jahre)
  • Engel, Elmar: Wer zuletzt lacht… Ein saarländischer Heimatkrimi, St. Ingbert 1996 (Geschichte der Rückkehr eines für 13 Jahre nach Amerika ausgewanderten Mannes, der vor dem ersten Weltkrieg mit einem geheimnisvollen Koffer in sein Heimatdorf zurückkehrt; mit vielen Reflexionen über das Heimatgefühl)
  • Zaimoglu, Feridun: Abschaum. Die wahre Geschichte des Ertan Ongun, Rotbuch, Hamburg 1997
  • Muszer, Dariusz: Die Freiheit riecht nach Vanille, München 1999 (Geschichte eines poln. Auswanderers)
  • Zacharieva, Rumjana: Bärenfell, Horlemann-Verlag, Unkel am Rhein 1999 (eine bulgarische Schriftstellerin kehrt  nach 20 Jahren in Deutschland in ihre Heimat zurück)
  • Markus, Werner: Der ägyptische Heinrich, Salzburg 1999 (Romanrecherche des Schweizer Autors über seinen Ururgrossvater Heinrich Bluntschli, der sich nach versch. missglückten Betriebsgründungen nach Ägypten einschifft, wo er erst eine weitere, ebenfalls scheiternde Existenzgründung versucht, ehe er beim Staat beschäftigt wird und u.a. die Aufsicht über die Suezkanal-Post innehatte – dies alles in einer dessen Leben rekonstruierenden Annäherung des späten Nachfahren geschildert)
  • Senocak, Zafer: Der Erottomane, Babel Verlag, München 1999
  • Fatma B.: Hennamond, Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1999 (authentische Geschichte eines türkischstämmigen Mädchens im Kampf für ihre persönliche Freiheit in Deutschland)
  • Kaminer, Wladimir: Russendisko, Goldmann Verlag, München, 2000 (amüsante Geschichten eines Russen in Berlin)
  • Wagner, Richard: Miss Bukarest, Aufbau Verlag, Leipzig 2001 (Detektivroman über den rumänischen Geheimdienst Securitate und wie die Emigranten in Deutschland nach Jahren die Vergangenheit einholt)
  • Verlib, Vladimir: Das besondere Gedächtnis der rosa Masur, Wien 2001 (erzählt die Lebensgeschichte einer über 90 Jahre alten Frau: von der Kindheit im jüdischen Schtetl über die Blockade Leningrads und die Repressionen durch Vertreter des Sowjetstaates bis zur Emigration nach Deutschland in den 90er Jahren)
  • Grass, Günter: Im Krebsgang, Göttingen 2002 (Zum Thema der Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart und deren Verarbeitung flicht Grass in diesem Text verschiedene Handlungsstränge – u.a. das Thema Vertreibung – ineinander und verknüpft dabei Realität und Fiktion: Während die Ermordung von Wilhelm Gustloff durch David Frankfurter und der Untergang des Schiffes Wilhelm Gustloff reale Ereignisse sind, übertragen die fiktionalen Mitglieder der Familie Pokriefke den Untergang in die heutige Zeit)
  • Heym, Stefan: Die Architekten, München 2002 (der 1962 in der DDR geschriebene Roman, ursprüngl. in Englisch, hat als Hauptthema den Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg eines DDR-Star-Architekten und mit ihm eine Abrechnung mit Machtgier, Untertanentum und stalinist. Willkür, in Bezug auf die familiären Hintergründe beschreibt er aber auch das Exil und die Emigration kommunist. Aktivisten in die UdSSR der 1930er-Jahre und deren Rückkehr in die entstehende DDR)
  • Greder, Armin: Die Insel. eine tägliche Geschichte, Sauerländer, Aarau, Frankfurt am Main 2002, Neuauflage mit Zeichnungen 2014 (Ein Mann landet auf einer Insel, mit einem Boot ist er über’s Meer gekommen und taucht einfach auf im Leben der Inselbewohner, die ihn zwar aufnehmen, aber auch vor sich hertreiben und so von sich fern halten; Gerüchte verwandeln sich in Tatsachen, bis der Mann ohne eigenes Zutun vom Fremden zur Gefahr wird)
  • Aref, Mohammad et al: Feuer, Lebenslust! Erzählungen deutscher Einwanderer, Klett-Cotta, Stuttgart, 2003 (zehn Erzählungen deutschsprachiger Einwanderer mit Wurzeln u.a. in Russland, Kroatien, Polen, der Türkei und den USA, dazu Unterhaltungen der Autoren)
  • Weiler, Jan: Maria, ihm schmeckt’s nicht! – Geschichten von meiner italienischen Sippe, 2003 (das Buch handelt in erster Linie vom ital. Schwiegervater des dtsch. Autors und dessen Lebensgeschichte, in die letzterer während einer Italienreise Einblick gewann;  in mehreren Episoden werden neben dessen Erzählungen teils authentische und teils frei erfundene weitere Geschichten aus der angeheirateten ital. Sippschaft des Autors geschildert – auf diese Weise nähert sich das Buch auf humorvolle Weise dem ernsten Thema des Fremdseins und dessen zum Teil vergeblicher Überwindung)
  • Abrahami-Notten, Mariam: Ich wähle die Freiheit, 2003 (Chronik einer Afghan. Familie, gesellschaftskritisches Werk, Abenteuerepos: erzählt wird von der blutigen Ermordung der Urgroßmutter um 1900, die in den Verdacht der Untreue gerät, von der Großmutter, die sich in ähnlicher Situation durch einen Mord rettet, vom Schicksal der Mutter, die ihr Kind verliert und deshalb von der Familie ihres Mannes geächtet wird, bis hin zur Nichte, die in Berlin als moderne junge Frau heranwächst. Eine spannende und bewegende Geschichte von Frauen, die ihr Schicksal trotz widrigster Umstände selbst in die Hand nehmen)
  • Krämer, Manfred H.: Tod im Saukopftunnel, 2003 (Krimi um den Fund eines Dutzend Leichen beim Bau eines Tunnels, die sich zum Teil als Flüchtlinge herausstellen, mehr dazu hier)
  • Kempowski, Walter: Alles umsonst, Knaus Verlag, München, 2006 (Geschichte der Verblendungen einer ostpreußischen Familie im Jahr 1945 und der Flucht in den Westen)
  • Stanišić, Saša: Wie der Soldat das Grammofon repariert, Luchterhand Verlag, München, 2006 (Geschichte einer Kindheit in Bosnien, der Flucht nach Deutschland und der Versuche, die Vergangenheit festzuhalten)
  • Vertlib, Vladimir: Zwischenstationen (eine Urne in einer Plastiktüte fällt während einer Straßenbahnfahrt in St. Petersburg zu Boden, ein jüdisches Kind bekommt ein Zigarettenetui mit einer Landkarte des Großdeutschen Reiches als Geschenk, ein altes russisches Ehepaar schleppt ein Bett vom Sperrmüll durch die Straßen von New York – authentisch und exemplarisch für die Emigrationserfahrung im 20. Jh werden die Irrfahrten einer russ.-jüd. Familie auf dem Weg in die erhoffte Freiheit geschildert)
  • Rinscheid, Hülya: Lebe – Yascha!, Edition Fischer, 2005
  • Akgün, Hatice: Einmal Hans mit scharfer Soße, Goldmann Verlag, 2005 (autobiografischer Roman aus dem Leben einer zugewanderten Türkin)
  • Karahasan, Dzevad: Der nächtliche Rat, Insel Verlag 2006
  • Desai, Kirai: Erbin des verlorenen Landes, Berlin 2006 (im Sommer 1986 im indischen Darjeeling situierter vielschichtiger Roman rund um die Auswanderer Gyan und Bijan und ihre Familien. Ersterer wurde auf Kosten der übrigen Familien aufgepäppelt, um im Ausland seinen Weg zu machen,  letzterer ist  der Sohn des über den Haushalt eines in Cambridge erzogenen und zurückgekehrten Richters waltenden Kochs. Während der Koch mit Bijans Erfolgen prahlt, wird in einer Parallelhandlung dessen Schicksal als Küchenhilfe in New York und seinen Rückkehrträumen beschrieben. Übergreifend  geht es um Darjeeling als Land der Erinnerung und Sehnsucht, aber auch um die Zwietracht, die in Indien durch einen manchmal wütenden Anspruch auf Würde entsteht)
  • Bečejac, Brankica: „Ich bin so wenig von hier wie von dort“, Hamburg, Edition Nautilus 2006
  • Krechel, Ursula: Shanghai fern von wo, Salzburg, Jung und Jung Verlag, 2008
  • Engin, Osman: Tote essen keinen Döner. Don Osmans erster Fall, dtv, München 2008 (satirischer Krimi mit einem türkischstämmigem, selbsternanntem Sherlock Holmes)
  • Sherko Fatah: Das dunkle Schiff, Salzburg 2008 (Geschichte eines irakischen Kochs, der sich auf die beschwerliche und gefährliche Reise nach Europa macht. Von früh an der Idee verfallen, sich zu verwandeln, hat er noch andere Gründe für seine Flucht, war er doch unter die Gotteskrieger geraten, bevor er sich von ihrem Weg der Gewalt lossagte. Die Vergangenheit kann er in Deutschland jedoch, trotz aller Mühen, ein neues Leben zu beginnen, nicht abschütteln)
  • Akgün, Hatice: Ali zum Dessert, Goldmann Verlag, 2008 (Fortsetzung von „Einmal Hans mit scharfer Soße“, Beschreibung des Lebens einer deutsch-türkischen Mutter)
  • Niavarani, Michael: Vater Morgana. Eine persische Familiengeschichte, Amalthea Signum Verlag, Wien 2009 (köstlich komische, aber niemals platte Geschichte einer über Amerika und Europa versprengten Auswandererfamilie, in der viel persische Kultur vermittelt wird)
  • Seligmann, Rafael: Die Kohle-Saga, 2009 (aus Oberschlesien wandert der junge Leopold Bialo Ende des 19. Jh. nach Herne aus – dort verdient man in den Gruben gutes Geld, hat er gehört. Schon bald lernt er die hübsche Anna kennen und gründet mit ihr eine Familie. Doch die Arbeit unter Tage ist hart, und es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen Grubenbesitzern und Bergleuten … Der Tatsachenroman schildert das Leben der  Bergmannsfamilie über mehrere Generationen und zeichnet die bewegte Geschichte der Menschen des Ruhrgebietes bis in die Gegenwart nach)
  • Tabatabai, Jasmin: Rosenjahre. Meine Familie zwischen Persien und Deutschland, Ullstein Verlag, Berlin 2010 (autobiogr. Erzählung der bekannten Schauspielerin über das Leben ihrer deutschen Mutter im Iran sowie ihr eigenes Leben zwischen zwei Welten)
  • Nadj Abenji, Melinda: Tauben fliegen auf, 2010 (Roman mit autobiogr. Elementen, in dem die aus dem ungarischsprachigen Teil Serbiens stammende Autorin von der Familie Kocsis, Angehörige der ungarischen Minderheit im Norden Serbiens berichtet, die nach Zürich übersiedelt)
  • Herrndorf, Wolfgang: Tschick, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2010 (Jugendroman, von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem 14-Jährigen aus bürgerlichen Verhältnissen und einem verwahrlosten, jugendlichen Spätaussiedler aus Russland handelnd)
  • Suter, Martin: Der Koch, Diogenes Verlag, 2010 ( der Roman spielt in Zürich während der Eurokrise und ist eine Mischung aus globalisierungskritischem Drama und Kochbuch; ein tamilischer Asylbewerber und begabter Koch arbeitet unter Wert in einem Sternelokal und macht dann mit einer Kollegin einen besonderen Catering-Service „Love-Food“ auf, dessen aphrodisische Menüs  anständig gemeint sind, aber bald unanständige Kunden anziehen, wodurch er in einen Konflikt gerät)
  • Kopetzki, Mathias: Teheran im Bauch. Wie meines Vaters Land mich fand, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2011 (autobiogr. Geschichte eines von dtsch. Adoptiveletrn aufgenommenen bekannten Schauspielers, der sich entschließt, seine leibliche Familie im Iran kennen zu lernen)
  • Ruge, Eugen: In Zeiten abnehmenden Lichts, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011 (Roman über drei Generationen einer deutschen Familie von den 50er-Jahren über das Wendejahr bis zu Beginn des neuen Jahrtausends: Die Grosseltern, die aus dem mexikanischen Exil in die junge DDR heimkehren, ihr nach Moskau emigrierter Sohn, der mit seiner russischen Frau zurückkehrt und der Enkel, der in denWesten geht)
  • Krechel, Ursula: Landgericht, Salzburg, Jung und Jung Verlag, 2012
  • Federico, Carla: Die Rosen von Montevideo, Knaur, München 2013 (Roman über die Liebe eines dt. Bankierssohns und Auswanderers und einer jungen Uruguayerin in Montevideo, -mitte des 19.Jh.)
  • Akgün, Hatice: Ich küss dich, Kismet, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013 (humorvolle Beschreibung der Eindrücke einer Deutschtürkin in Istanbul, die merkt, dass sie weniger türkisch ist, als die dtsch. Gesellschaft ihr stets vermittelt hat)
  • Gorelik, Lena: Die Listensammlerin, Rowohlt, 2013 (eine deutsch-russische Familiengeschichte rund um eine chaotische Heldin, die ihr Leben mit Listen in den Griff zu bekommen versucht, bis sie eine kyrillisch geschriebene Liste eines Onkels entdeckt)
  • Geitner, Rita Maria: Afrikanischer Mond , 2014 (Krimigeschichte rund um einen toten Schlepper und eine eritreische Flüchtlingsfrau in Bayern, mehr dazu hier)
  • Mbolela, Emmanuel: Mein Weg vom Kongo nach Europa. Zwischen Widerstand, Flucht und Exil, Mandelbaum Verlag Wien 2014 (autobiographische Erzählung über die politische Aktivität des Autors im Kongo und die brutale Repression staatlicher Sicherheitsorgane, die ihn in die Emigration zwingt; er berichtet auf eindrückliche Weise von der Gewalt und Ausbeutung während der Flucht, quer durch die Sahara gelangt er bis nach Marokko, wo er eine Organisation kongolesischer Flüchtlinge mitbegründet, kann nach vier Jahren in die Niederlande ausreisen, wo sich als neue Erfahrung die dortigen extrem ausbeuterischen Arbeitsbedingungen erweisen, denen vor allem migrantische Arbeitskräfte unterliegen)
  • Peter, Maria W.: Die Küste der Freiheit, Bastei-Lübbe, 2014 (breit angelegtes Historienbild der deutschen Auswanderung nach Amerika Ende des 18. Jahrhunderts)
  • Erpenbeck, Jenny: Gehen, ging, gegangen, Knaus Verlag, 2015 (Roman über die neuen Nachbarschaften von Flüchtlingen und Altansässigen mitten im alten Europa, hier in Berlin: der emeritierte Altphilologe Richard begibt sich auf seine eigene Odyssee, um Antworten auf seine Fragen an die Zuwanderer zu bekommen: „Warum sind Sie weggegangen? Wie sah Ihre damalige Wohnung aus? Wie verbringen Sie hier Ihre Tage?“ etc.)
  • Bolt, Britta: Das Büro der einsamen Toten, Frankfurt/M. 2015 (Pieter Posthumus hat keinen alltäglichen Job: Er arbeitet für die Stadt Amsterdam und soll Toten ohne Angehörigen ein menschenwürdiges Begräbnis organisieren, wobei er sich in die Vergangenheit so einiger „Kunden“ vertieft – was man ihm nicht immer dankt. Krimi, bei dem ein Großteil der Handlung in den Einwanderervierteln der Stadt spielt)
  • Kröger, Merle: Havarie, Hamburg 2015 (Thriller um vier Flüchtlingsschiffe auf dem Mittelmeer, die von Algerien aus Spanien zu erreichen versuchen)
  • Peters, Christoph: Der Arm des Kraken, Luchterhand, München 2015 (Krimi im Milieu der vietnamesischen und japanischen mafiösen Parallelwelten in Berlin, spannend durch den Kontrast der Kulturen zwischen einem japanischen Killer und einer chaotischen deutschen Polizistin)
  • Zervakis, Linda:. Geschichten aus dem Kiosk, Rowohlt Polaris 2015 (die Journalistin und Tagesschau-Sprecherin erzählt über ihre Erlebnisse im Hamburger Kiosk der aus Griechenland zugewanderten Eltern, in dem sie bis zu ihrem 30. Lebensjahr regelmäßig hinter der Theke stand)
  • Djan, Hassan Ali: Afghanistan. München. Ich. Meine Flucht in ein besseres Leben, München 2015 (autobiografische Geschichte eines jungen Afghanen, der mit 16 die Flucht ins Ungewisse wagt, zufällig in Deutschland strandet, in ein Auffanglager in München gebracht wird: Ein Wirtschaftsflüchtling aus Afghanistan ohne Deutschkenntnisse und ohne Perspektiven. Heute hat er die Mittlere Reife, eine abgeschlossene Lehre, eine eigene Wohnung und eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung)
  • Hansen, Dörte: Altes Land, Albrecht Knaus Verlag, 2015 (spielt in einem Bauernhaus in der titelgebenden Elbmarsch südlich von Hamburg. Das zugige Haus mit Reetdach bildet den Kristallisationspunkt für mehrere Flüchtlingsschicksale. Nach dem Zweiten Weltkrieg strandet dort u.a. eine ostpreußische Adelige, die bei der Kirschernte hilft, ohne je an Haltung einzubüßen. Vor irgendetwas fliehen alle Personen, die diesen Roman bevölkern. Die Frage, die die Autorin umtreibt, ist aber eher, ob sie nach der Flucht auch ankommen. Es ist jedoch eher kein Vertriebenenroman, sondern ein Heimatroman)
  • Speck, Daniel: Bella Germania, Fischer, 2016 (eine große dtsch.-italien. Familiengeschichte in 3Generationen – voller Zeitkolorit, dramatischer Wendungen und großer Gefühle, so, als die Modedesignerin Julia in Mailand plötzlich einem Mann namens Vincent begegnet, der behauptet, er sei ihr Großvater; ihre Welt gerät aus den Fugen, ähnlich wie es 1954 dem jungen Vincent ging, der zur Arbeit nach Mailand gegangen war und Giulietta begegnete…, mehr dazu in der Süddeutschen)
  • Khider, Abbas: Ohrfeige, München 2016 (Roman über Flüchtlinge in Deutschland, der tieftraurig und witzig zugleich das Selbstverständnis einer offenen Gesellschaft in Frage stellt und sich zugleich fragt, was es für einen Menschen bedeutet, wenn er weder in der Heimat noch in der Fremde leben darf)
  • Köhlmeier, Michael: Das Mädchen mit dem Fingerhut, 2016 (Ein sechsjähriges, elternloses Mädchen geht in einer fremden Stadt irgendwo in Westeuropa verloren. Bislang hat sie immer ein „Onkel“ zum Betteln gebracht, jetzt ist er verschwunden. Sie kann sich niemandem mitteilen, denn es spricht eine unbekannte Sprache. Bei winterlichen Minusgraden beginnt es seinen Überlebenskampf)
  • Salzmann, Sasha Marianna: Ausser sich, Berlin 2017 (ein sich über ein Jahrzehnt erstreckender Roman über eine jüdisch-russische Familie, der zwischen der Sowjetunion, dem Deutschland nach der Wende sowie der Türkei der Gegenwart hin und her pendelt)
  • Aydemir, Fatma: Ellbogen, München 2017 (die in Berlin geborene Hazal könnte eine ganz gewöhnliche Erwachsene werden, würden sich ihre aus der Türkei zugewanderten Eltern nicht in Deutschland fremd fühlen und hätte sie auf der Suche nach Heimat nicht einen fatalen Fehler begangen…)
  • Hein, Christoph: Trutz, Frankfurt/M 2017 (objektive und zugleich einfühlende Chronik der Lebensläufe zweier Familien im Berlin der 1920er bis 40er-Jahre, die als Kinder eines erst in die Sowjetunion emigrierten, dort dann aber deportierten Vaters zu Flüchtlingen wurden, in der ostdeutschen Heimat nun aber wieder zu Verfolgten werden)
  • Grjasnowa, Olga: Gott ist nicht schüchtern, Berlin 2017 (die Schauspielerin Amal träumt von der großen Karriere, verliert aber auf der Flucht alles bei der Flucht nach Deutschland; auch Hammoudi stammt aus Syrien, inzwischen ist ihm in Paris die Anstellung als Schönheitschirurg in einem der besten Krankenhäuser der Metropole sicher, doch er muss noch mal ein paar Tage nach Syrien, um seinen Pass verlängern zu lassen: Voraussetzung für die Aufenthaltsgenehmigung und Einstieg in einen beklemmend realistischen Roman, der Fluchtgeschichten aus der Hölle des Bürgerkrieges schildert)
  • Musharbash, Yassin: Jenseits, Köln 2017 (ein Berliner Medizinstudent schließt sich dem IS an und amputiert in Rakka Dieben die Hände, plötzlich aber meldet er sich wieder bei seinen Eltern, was in diesem Politthriller eine Kettenreaktion in Gang setzt)
  • Smechowski, Emila: Wir Strebermigranten, München 2017 (die deutsch-polnische Journalistin und Buchautorin kam als Fünfjährige 1988 mit ihren Eltern aus einem kleinen Ort in der Nähe von Danzig nach Westdeutschland und sollte aus Scham über ihre polnische Herkunft diese möglichst verbergen, stattdessen versuchten sie deutscher als die Deutschen zu werden – eine für viele oft unsichtbar gebliebene polnische Migranten sehr repräsentative Geschichte)
  • Ebrahimi, Nava: Sechzehn Wörter, München 2017 (Es gibt Wörter, die wir nicht kennen, deren Bedeutung wir aber erahnen, als wären sie immer schon hier gewesen, als hätten sie schon immer in uns gewohnt. Und manchmal wollen sie endlich ausgesprochen werden: Als ihre Großmutter stirbt, beschließt Mona, ein letztes Mal in den Iran zu fliegen. Gemeinsam mit ihrer Mutter wagt sie die Reise in die trügerische Heimat. Der Rückflug in ihr Kölner Leben zwischen Coworking und Clubszene ist schon gebucht. Doch dann überredet sie ihr iranischer Langzeitliebhaber Ramin zu einem Abschiedstrip nach Bam, in jene Stadt, die fünf Jahre zuvor von einem Erdbeben komplett zerstört wurde. Und Monas Mutter schließt sich den beiden an. Die Fahrt wird für Mona zu einer Konfrontation mit ihrer eigenen Identität und ihrer Herkunft, über die so vieles im Ungewissen ist. Aber manchmal wird uns das Fremde zum heimlichen Vertrauten. Und über das, was uns vertraut schien, wissen wir so gut wie nichts)
  • Mangold, Ijoma: Das deutsche Krokodil. Meine Geschichte, Deutschland 2017 (Autobiographie, dessen Titel auf das Krokodil als Bezeichnung einer in Deutschland und der Schweiz eingesetzten Lokomotive anspielt, die ein beliebter Gegenstand von Modelleisenbahnen ist, andererseits auf seine afrikanische Herkunft)
  • Annas, Max: Illegal, Reinbek bei Hamburg 2017 (ein Krimi, politisches Buch und  Gesellschaftsroman rund um den Ghanaer Kodjo, der seit Jahren illegal in Berlin lebt, nur auf zwei Dinge konzentriert: überleben und nicht auffallen; doch als er von einem Abrisshaus aus einen Mord beobachtet, ändert sich alles, weil dieser ihn gesehen hat – plötzlich wird Kodjo gejagt)
  • Ahmad, Aeham: Und die Vögel werden singen, Frankfurt a.M. 2017 (ein junger Syrer spielt Klavier inmitten der Bombenkrater des syrischen Bürgerkriegs: Für seine Nachbarn, vor allem für die Kinder, um sie von den Schrecken des Krieges abzulenken; Über YouTube hat sein Spiel Menschen auf der ganzen Welt erreicht und durch seinen Widerstand und seine Zuversicht bewegt, nun erzählt er seine ganze Geschichte – Von seiner behüteten Kindheit in einem noch friedlichen Syrien, von seinem blinden Vater, dem Instrumentenbauer, von seinen Freunden, aber auch von den Anfängen der Rebellion, dem Beginn des Krieges und seiner lebensgefährlichen Flucht nach Deutschland, das ihm zur neuen Heimat werden muss. Und immer wieder ist es seine Musik, die andere Menschen getröstet und ermutigt hat und ihm selbst buchstäblich das Leben rettete)
  • Taha, Karosh: Beschreibung einer Krabbenwanderung, Dumont, Köln 2018 (in einem fast vollständig aus Migranten aus dem Nahen Osten bevölkerten Viertel einer deutschen Stadt lebt die junge Kurdin Sanaa mit ihrer Familie, geht zur Uni, hat zwei Liebhaber – und revoltiert irgendwann gegen ihre depressive Mutter, die in alten Traditionen verhaftet geblieben ist, die sie dazu brachte, sich unter dem Deckmantel der Traditionswahrung selbst zu ghettoisieren)
  • Schank, Marco: Damit die Nacht vergeht, Op der Lay, Esch/ Sauer 2018 (Krimi rund um die Themen Waffenhandel und Flüchtlinge: Kommissar Mathieu. der auf der Suche nach einem entführten Freund nach Marokko reist, wo er knapp einem Mordanschlag terroristischen Hintergrunds entgeht, zurück in Luxemburg begegnet er Faizah aus Syrien, die mit ihren vier Töchtern auf der Flucht ist – mit ihrer Hilfe findet er die Spur von Waffenhändlern, wodurch alle in Gefahr geraten)
  • Husic, Sead: Gegen die Träume, Parlez Verlag, Berlin 2018 (Mersija fürchtet in ihrem Leben vor allem eines: so zu enden wie ihr Vater: arm und verrückt, ein Mann, der gegen seine Familie wütet, von Frau und Kindern verachtet, dem eine Hure alles geraubt hat; sie setzt sich deshalb 1969 in Brčko in den Zug nach Deutschland, wo es ihr zunächst gelingt, Fuß zu fassen, sie heiratet einen ebenfalls muslimischen Jugoslawen und bekommt einen Sohn, Adem – der seinen Eltern später vorhält, dass er kein Ausländer sei wie sie, sondern Deutscher; die Generation seiner Eltern verharrt immer auf der Schwelle zur deutschen Gesellschaft, sie kommen aus einer Welt mit eigenen Gesetzen und eigener Moral und gelten für die Deutschen auch nach Jahren noch als Fremde. Aber auch der Weg zurück ist versperrt, denn das Land, aus dem Mersija und Muso damals aufgebrochen sind, existiert nicht mehr. So wie der Zweite Weltkrieg das Leben ihres Vaters verwüstet hat, so raubt der Zerfall des totalitären Jugoslawiens Mersija ihre Heimat)
  • Vertlib, Vladimir: Viktor hilft, Wien 2018 (der aus Russland stammende, nahe Freilassing an der dtsch.-österr. Grenze lebende Viktor ist ein Musterbeispiel an Integration; als der Flüchtlingsstrom vom Balkan 2015 hier vorbei kommt, hilft er ganz selbstverständlich – mit sehr individuell realist. Schilderungen beschrieben – wie auch, als eine frühere Freundin ihm von einer Tochter erzählt, von ihm gezeugt, jetzt in Schwierigkeiten; alles was folgte, von der Kölner Silvesternacht bis zur AfD ist verarbeitet)
  • Speck, Daniel: Piccola Sicilia, Fischer 2018 (Schatztaucher ziehen ein vor vielen Jahren abgestürztes Flugzeug aus dem Meer, die dtsch. Archäologin Nina findet ihren Opa auf der Passagierliste, der seit dem 2. Weltkrieg verschollen war – seine Abwesenheit hatte eine wunde hinterlassen, die noch drei Generationen später schmerzt; überraschend begegnet Nina auf Sizilien einer Frau, die behauptet, eine Tochter des Opas zu sein. Hatte er eine zweite Familie? Die Recherchen erreichen das ital. Einwandererviertel „Piccola Sicilia“ im Tunis des Jahres 1942, wo an in guter Nachbarschaft zusammenlebt – hier hat Opa als Soldat eine Jüdin kennen gelernt, es wird dramatisch)
  • Achenbach, Dorothee: Im Schatten des Mondsterns, Droste, Düssseldorf 2019 (mitreißende Geschichte von Liebe, Verzweiflung, Hoffen und Scheitern zwischen Orient und Okzident: Bekir wird 1962 in der Türkei geboren, seine Familie ist arm, sein Vater träumt von einem besseren Leben in Deutschland und verkauft ihn an ein reiches Ehepaar in Istanbul, wo er zwar eine unbeschwerte Kindheit verbringt, nach dem Tod der Adoptiveltern aber ebenfalls nach Deutschland auswandert, dort aber Schwierigkeiten hat, sich an seine leibliche Familie und an das neue Leben zu gewöhnen. In seinem verzweifelten Bestreben, gesellschaftlich anerkannt zu werden, erfindet er sich immer wieder neu, wobei ihm bald fast jedes Mittel recht ist. Er wird ein erfolgreicher, wohlhabender Geschäftsmann, lernt die Witwe Greta kennen, aber die Dämonen der Vergangenheit holen ihn ein)
  • Thomae, Jackie: Brüder, Deutschland 2019 (der Roman geht der Frage nach, „wie wir zu den Menschen werden, die wir in der Mitte unseres Lebens sind“; die Geschichte folgt zwei sehr verschiedenen Brüdern eines afrik. Vaters von deren Kindheit in der DDR bis nach London, Paris und Südamerika; die Halbbrüdern beschreiten trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen völlig unterschiedliche Lebenswege – der eine als Partygänger im „wilden“ ersten Jahrzehnt des wiedervereinigten Berlin, der andere als Stararchitekt und konservativer Familienvater mit Wohnsitz im multikulturellen London nach der Jahrtausendwende)
  • Nawrat, Michael: Der traurige Gast, Rowohlt 2019 (der Ich-Erzähler streift durch Berlin, erlebt Migration und die Schwierigkeit des Ankommens in der Fremde – zusammen mit ihm trifft der/die Leser*in Personen, die offen über ihr Leben erzählen, sei es die polnische Architektin, der einstige Kommilitone von der Universität, die Verkäuferin im polnischen Geschäft oder Dariusz… Wie ein roter Faden durchzieht den Roman die Schwierigkeit des Ankommens in der Fremde: Die Figuren wagen erst den großen Schritt, ihre Heimat Polen zu verlassen, aber am Ende bleiben sie in ihrer eigenen Welt)
  • Ebrahimi, Nava: Das Paradies meines Nachbarn, München 2020 („Salam, hier schreibt Ali-Reza. Ich kannte ihre Mutter gut und verfüge über einen Brief, den ich Ihnen überreichen soll. Es ist wichtig. Für Sie mindestens so sehr wie für mich.“ Ali Najjar glaubt, seine Vergangenheit weit hinter sich gelassen zu haben. Er ist längst in Deutschland angekommen, als Produktdesigner erfolgreich. Der Iran, Teheran, seine Familie sind für ihn eine fremde Welt. Dann erreicht ihn die Nachricht eines Unbekannten. Und alles, woran er bislang festgehalten hat, gerät ins Wanken. Wir erleben als Leser/in, was ihn und zwei andere nach Deutschland ausgewanderte Iraner hinter ihrem nach aussen sichtbaren Leben wirklich antreibt)
  • Mares-Altınok, Ümit: Hoffnungsträgerin, Wien 2020 (17 Stories einer türkischstämmigen österreichischen Unternehmensberaterin über ihre Kindheit als Zuwanderin, u.a. über langwierige alljährliche Autofahrten als sie als Kind von ihrer Heimatstadt Wien die dreitägige Tortur der 3500 Kilometer bis nach Kayseri mitten in der Türkei in der sommerlichen Hitze im Auto überstehen musste, um die Verwandtschaft ihrer Eltern zu besuchen – Anekdoten zwischen dort und hier, die ihr in 46 Jahren immer wieder untergekommen sind, eine unterhaltsame, witzige Hommage an ihre Eltern und die erste Gastarbeiter*innen-Generation)
  • Ohde, Deniz: Streulicht, Frankfurt a.M. 2020 (Industrieschnee markiert die Grenzen des Orts, eine feine Säure liegt in der Luft, und hinter der Werksbrücke rauschen die Fertigungshallen, wo der Vater tagein, tagaus Aluminiumbleche beizt – Hier ist die Ich-Erzählerin aufgewachsen, hierher kommt sie zurück, als ihre Kindheitsfreunde heiraten. Und während sie die alten Wege geht, erinnert sie sich: an den Vater und den erblindeten Großvater, die kaum sprachen, die keine Veränderungen wollten und nichts wegwerfen konnten, bis nicht nur der Hausrat, sondern auch die verdrängten Erinnerungen hervorquollen. An die Mutter, deren Freiheitsdrang in der Enge einer westdeutschen Arbeiterwohnung erstickte, bis sie in einem kurzen Aufbegehren die Koffer packte und die Tochter beim trinkenden Vater ließ. Deniz Ohde erkundet die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Satz für Satz spürt sie den Sollbruchstellen im Leben der Erzählerin nach, den Zuschreibungen und Erwartungen an sie als Arbeiterkind, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit, der verinnerlichten Abwertung und dem Versuch, sich davon zu befreien)
  • Frenk, Marina: ewig her und gar nicht wahr, Wagenbach, Berlin 2020 (wie die Autorin ist die Protagonistin Kira Liebmann in eine jüdisch-russische Familie in der Republik Moldau geboren und kam mit ihren Eltern in den 90er Jahren nach Deutschland,  der fragmentarische Erinnerungsstrom mehrerer Generationen, die Halluzinationen der Protagonistin und der Einbruch ihrer Tagesträume in den Berliner Alltag sowie die absolute Entwurzelung der Menschen bestimmen das Handlungsgeschehen des Romans)
  • Christine Wunnicke: Die Dame mit der bemalten Hand, Berlin 2020 (Abenteuerroman, der „Migration einmal andersherum“ erzählt: Es geht um den dtsch.-dänischen Mathematiker Carsten Niebuhr, der als Forschungsreisender auf der Suche nach Belegen biblisher Quellen 1764 auf einer indischen Insel strandet und vom Astronomen Musa gesund gepflegt wird, der sich eben auf die Hadsch nach Mekka aufmacht.  Es ist eine seltsame Begegnung der beiden, sie findet jenseits der Kulturen und Sprachen statt. Die Forscher, der junge Deutsche und der alte Inder, werden durch ihre Begeisterung für Sternenbilder, für Mathematik, für das Messen und Rechnen, durch ihren Entdeckergeist miteinander verbunden und entwickeln sich zu geistig ebenbürtigen Partnern. Erst der Blick der Engländer, die auf die Insel kommen, lässt die unterschiedlichen Verhaltensweisen und Zugehörigkeiten der beiden Männer transparent werden. In dem Moment wird der Leser mit dem kolonialen Blick auf die Fremde konfrontiert und merkt, wie eingeschränkt und wenig ergiebig dieser ist)
  • Ronya Othmann: Die Sommer, München 2020 (Das Dorf liegt in Nordsyrien, nahe zur Türkei – Leyla verbringt hier jeden Sommer,  riecht und schmeckt das Dorf, kennt seine Geschichten und weiß, wo die Koffer versteckt sind, wenn die Bewohner wieder fliehen müssen. Leyla ist Tochter einer Deutschen und eines jesidischen Kurden. Sie sitzt in ihrem Gymnasium bei München, und in allen Sommerferien auf dem Erdboden im jesidischen Dorf ihrer Großeltern. Im Internet hat sie das von Assad vernichtete Aleppo und den Genozid an den Jesiden durch den IS 2014 zu erleben – und einen Klick weiter die unbekümmerten Fotos ihrer deutschen Freunde, die all diese existenzielle Not nicht berührt. In diesem Nebeneinander der Kulturen und Lebenserfahrungen wird Leyla eine Entscheidung treffen müssen)
  • Elsa Koester: Couscous mit Zimt, Frankfurt 2020 (Die Bellangers haben als frz. Kolonialfamilie in Tunesien gelebt, nach der Unabhängigkeit bringt Großmutter Lucile ihre Töchter in einem schmerzhaften Abschied zurück nach Frankreich, doch Marie wird im Paris der 1960er die Sehnsucht nach der Heimat ihrer Kindheit nicht los und geht nach Deutschland, wo man die Geschichte der Pied-Noirs nicht kennt. Erst ihre Tochter Lisa kehrt nach dem Tod von Marie und Lucile in die Pariser Familienwohnung zurück, arbeitet sich durch die Geschichte ihrer Vor-Mütter und fragt sich: Ab wann hört man eigentlich auf, eine Pied-Noir zu sein?)
  • Yaghoobifarah, Hengameh: Ministerium der Träume, Berlin 2021 (Als die Polizei vor ihrer Tür steht, bricht für Nas eine Welt zusammen: ihre Schwester Nushin ist tot – Autounfall, sagen die Beamten. Suizid, ist Nas überzeugt. Gemeinsam haben sie alles überstanden: die Migration aus dem Iran nach Deutschland, den Verlust ihres Vaters, die emotionale Abwesenheit ihrer Mutter, Nushins ungeplante Mutterschaft. Obwohl ein Kind nicht in ihr Leben passt, nimmt Nas, die in einer Berliner Bar arbeitet, ihre Nichte auf. Selbst als sie entdeckt, dass Nushin Geheimnisse hatte, schluckt Nas den Verrat herunter, gibt alles dafür, die Geschichte ihrer Schwester zu rekonstruieren – und erkennt, dass Nushin sie niemals im Stich gelassen hätte; der in einen Krimi eingebettete Roman über Wahl- und Zwangsfamilie beschreibt den bedingungslosen Zusammenhalt unter Geschwistern, dringt aber auch in die dunklen, rassistischen Ecken deutscher Gegenwart vor: Abgrenzen als Überlebensstrategie…)
  • Kapitelman, Dmitrij: Eine Formalie in Kiew, Hanser, Berlin 2021 (25 Jahre nach seiner Zuwanderung nach Deutschland beschreibt ein in Leipzig lebender ukrainisch-deutscher Ich-Erzähler zum einen, als wie grausam demütigend er die bürokratischen deutschen Einbürgerungsprozeduren empfindet, reflektiert aber scharfsinnig und weitestgehend ohne Wertung auch über die gesellschaftlichen Risse und Widersprüche des Landes, das er als Kontingentflüchtling verließ; dort dominiert weiterhin die Korruption, hier erlebt er eine vermeintlich moralisch überlegene, wenngleich von Rassismus unterlegte Haltung – das alles beschrieben in einer Hommage an seine alte Heimat Kiew, die er wegen einer Urkunde zwecks Einbürgerung zu besuchen hat)

b) englischsprachige Literatur

  • Defoe, Daniel: Robinson Crusoe, London 1719 (Die berühmte Geschichte eines gestrandeten Seefahrers beginnt mit Angaben zu Robinson: „Ich bin geboren zu York im Jahre 1632, als Kind angesehener Leute, die ursprünglich nicht aus jener Gegend stammten. Mein Vater, ein Ausländer, aus Bremen gebürtig, hatte sich zuerst in Hull niedergelassen, war dort als Kaufmann zu hübschem Vermögen gekommen und dann, nachdem er sein Geschäft aufgegeben hatte, nach York gezogen. Hier heirathete er meine Mutter, eine geborene Robinson)
  • James, Henry: The Europeans, 1878 (Komödie um zwei junge adlige Bohemiens, die aus Deutschland nach Neu-England reisen, um die Verwandschaft zu besuchen und auf Brautschau zu gehen, in wechselnden Paarungen konkurrieren Temperamente und Vorstellungen der Alten Welt mit Werten und Moral der Neuen: während die beiden „Europäer“ als weltläufige Menschen, deren Eleganz und raffinierte Konversation die Amerikaner bezaubert und verwirrt, dargestellt werden, wirken ihre Gegenüber arg puritanisch. Aus der Begegnung dieser beiden äußerst unterschiedlichen Kulturen schlägt Henry James herrliche Funken; kein Migrationsroman im engeren Sinne)
  • Kipling, Rudyard: Baa Baa, Black Sheep, 1888 (autobiogr. Kurzgeschichte über das Schicksal eines Kindes einer in Malaysia lebenden brit. Kolonialfamilie, das – wie es damals üblich war – „zurück“ in die Heimat zu Pflegeeltern geschickt wurde)
  • Kipling, Rudyard: The Light That Failed, 1890 (ähnlicher Inhalt wie die oben genannte Kurzgeschichte von 1888)
  • London, Jack: The People of the Abyss, Macmillan, London/ New York, 1903
  • Bowles, Paul: ***?
  • Durrell, Lawrence: Alexandria-Quartett (Balthazar, Mountolive, Clea, Justine)
  • Steinbeck, John: The Grapes of Wrath, 1939 (dt. 1939: Früchte des Zorns: schildert das Schicksal einer Familie auf Wanderschaft, die durch die Große Depression von 1929 gezwungen ist, im Westen der USA ihr Glück zu suchen)
  • Habe, Hans: A Thousand shall fall, USA, 1941 – dtsch. 1947: Ob Tausend fallen; Schilderung der Erlebnisse als dtsch. Freiwilliger der französischen Armee, Gefangenschaft und Flucht in die USA)
  • Bellow, Saul: Die Abenteuer des Augie March, 1953
  • Kerouac, Jack: On the road, New York 1955 (dt. Unterwegs, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968: rauschhaft geschriebener Roman über Trampfahrten durch die USA, eine Hymne auf das freie Leben)
  • Selvon, Samuel: The Lonely Londoners, London 1956 (dtsch.: die Taugenichtse, 2017), (erster Teil einer Trilogie, geschrieben in einer Art künstl. karibischem Kreol-Englisch, handelt der Roman von der Einwanderung von gut 500 angeworbenen schwarzen Migranten aus der Karibik, sie fühlten sich in der Hauptstadt des Empires nur geduldet, da eine Rückkehr aber das Eingeständnis eines Scheiterns gewesen wäre, bauten sie sich ihre eigene Parallelwelt auf)
  • Kerouac, Jack: Lonesome Traveller, McGraw, New York 1960 (dt. bei Rowohlt, 1981, acht Skizzen über das stetige Leben unterwegs, in wechselnden Jobs und Landschaften von New York über Mexiko bis Europa)
  • Ghali, Waguih: Beer in the Snooker Club, André Deutsch, London 1964 (dtsch. „Snooker in Kairo“, Verlag C.H.Beck 2018) (zur Zeit der Unabhängigkeit Ägyptens 1952 und der Suezkrise 1956 lebt eine Gruppe junger Leute in Kairo, das damals noch sehr europäisch und kosmopolitisch war, die meisten kommen aus wohlhabenden Familien, leiden aber unter der Diktatur Nassers; der Ich-Erzähler Ram, Font, Dina, Edna und andere gehen für ein paar Jahre nach London, es entwickelt sich eine parallele Liebesgeschichte von Ram zu Dina sowie zur ägypt. Jüdin Edna; Ram verändert sich in London stark, wird Kommunist und hat Schwierigkeiten, sich in Kairo wieder einzufinden)
  • Kerouac, Jack: Satori in Paris (dt. bei dtv, 1971, Bericht über die Suche des amerik. Autors franko-kanadischer Herkunft nach seinen bretonischen Wurzeln in Paris und der Bretagne)
  • Michener, James: The drifters, 1971 (dt. 1971: Die Kinder von Torremolinos: an der span. Südküste treffen sich junge Amerikaner und Europäer, Hippies und Aussteiger, die ihr Land aus ganz unterschiedl. Gründen verlassen haben)
  • Kerr, Judith: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl, London 1971 (dt. 1973: die in London lebende britische Künstlerin und Schriftstellerin dtsch. Herkunft beschreibt in diesem berühmten Kinderbuch die Geschichte der Flucht ihrer jüdischen Familie aus dem nationalsozialistischen Deutschland 1933 und das Leben in der Emigration)
  • Singer, Isaac B.: Enemies, a Love Story,1972 (dt. 1976 bei dtv: Feinde, die Geschichte einer Liebe; pessimistisch-abgründige Leidensgeschichte eines jüd. Flüchtlings in New York, den seine Vergangenheit in Gestalt seiner im KZ ermordet geglaubten, nun aber plötzlich auftauchenden Frau einholt)
  • Emecheta, Buchi: Second Class Citizen, 1974 (Adah, ein intelligentes Mädchen, kommt kurz nach der Unabhängigkeit 1960 aus Nigeria nach England und erfüllt sich damit einen lange erhofften Traum – gegen den Willen der Familie ihres Mannes, die schon vorher ausgewandert war, und gegen die ihr zugedachte traditionelle Rolle – England erweist sich nicht als der erhofte Traum, aber sie nimmt das hin – im Gegensatz zu ihrer Enttäuschung über das Festhalten ihres verwöhnten Mannes an trad. Rollenbildern, der zugleich ihr selbst verdientes Geld nimmt, um sein faules Leben fortzusetzen. Sie versteht: Du wirst nur Opfer von Rassimsu, wenn Du Dich als Opfer denkst – dagegen passt sich an die ihm zugedachteRolle als Bürger zweiter Klasse an und hat im Gegensatz zu ihr seine Würde verloren)
  • Berger, John/ Mohr/ Jean: A Seventh Man, 1975 (beschreibt die Lage des Träumers als poetischem Analogon des Aufenthalts in der Fremde)
  • Fast, Howard: The Immigrants (dt.: Die Einwanderer), USA 1977 (Auftakt eines faszinierenden Zyklus über die Geschichte von Daniel Lavette, der als Kind eines frz. Vaters und einer ital. Mutter bei der Schiffsfahrt in die USA geboren wird und den amerikanischen Traum nicht nur träumt, sondern ein Aufsteiger und Millionär wird, der aus dem Erdbeben von 1906 Kraft zieht und dann in der Great Depression von 1929 in San Francisco noch gewinnt; den historischen Hintergrund dieses grossen Familienromans bilden das aufblühende junge Amerika, der Erste Weltkrieg, die große Depression)
  • Fast, Howard: Second Generation (dt.: Die Nachkommen), USA 1978
  • Naipaul, V.S.: A Bend in the River, 1979 (dtsch.: An der Biegung des großen Flusses), (beschreibt in Romanform die Erlebnisse eines Inders um 1970 im von der Kolonialherrschaft „befreiten“ Kongo, ein in Afrika umstrittener Roman)
  • Naipaul , V.S.: The Enigma of Arrival, 1987 (dtsch.: Das Rätsel der Ankunft) (der spätere Nobelpreisträger beschreibt die Geschichte seiner Selbstbehauptung im postkolonialen Großbritannien)
  • Azadi, Sousan und Ferrante, Angela: Out of Iran, Irwin Publishing, Toronto 1987 (dt.: Flucht aus dem Iran. Eine Frau entrinnt den Ayatollahs, Heyne Verlag, München 1989; Familiengeschichte und Schilderung der Lebensumstände, die 1982 zur Flucht aus dem Iran führen)
  • Abdulrazak Gurnah:  Pilgrims Way, 1988 (dtsch.: 2004 Schwarz auf Weiß) (der Roman hat den indischstämmigen Tansanier Daud zum Protagonisten, der zum Studium nach England kommt und dort vielfältige Diskriminierungen erfährt; es wird jedoch auch reflektiert, was er vor seinem Weggang aus Tansania an Grausamkeiten erlebte: die Vertreibung der Araber und Inder durch die schwarze Bevölkerung; es gibt aber auch einen negativen Gegenspieler, Karte, an dem vorgeführt wird, dass es auch einen Rassismus gegenüber den Weißen gebe; der Roman führt über das Schema vieler Emigrantenromane hinaus, die Auswanderer als bloße Opfer betrachten, bemerkenswert ist auch das Fehlen jeder Ideologie im Verhältnis von Kolonisierten und Kolonialherren und die differenzierte Sicht auf die Fragen der Emigration)
  • Waller, Robert James: The Bridges of Madison County, 1992 (dtsch.: Die Brücken am Fluss: vor vielen Jahren hat die ital. Lehrerin Francesca in Neapel ihren Mann Richard kennengelernt, einen GI, dem sie auf seine Farm nach Iowa folgte, ohne genau zu wissen, was sie dort erwartet;  inzwischen, im Jahr 1965, ist sie Mutter zweier herangewachsener Kinder, Richard erweist sich als grundsolider Ehemann, doch ihre Träume und Sehnsüchte blieben unerfüllt)
  • Emecheta, Buchi: Kehindé, 1994 (dtsch. bei Knaur 1996) (Kehindé hat sich während 15 Lebensjahren in London an die dortige Lebensweise gewöhnt, als sie dann ihrem Ehemann und den zwei gem. Kindern nach Lagos folgt, hat sich aber nicht nur sie, sondern auch Nigeria verändert – zumindest kommt es ihr nach so vielen Jahren Abwesenheit so vor. Zudem wird sie unmittelbar mit der Tatsache konfrontiert, dass ihr Ehemann sich dort eine zweite Ehefrau genommen und mit ihr bereits zwei Kinder gezeugt hat. In die neue Rolle als ältere, erste, Ehefrau, die von ihrem Ehemann nicht mehr wie früher begehrt wird und die sich nun einem Familienclan ausgeliefert sieht, der sie nicht so respektiert, wie sie es sich vorgestellt hat, zudem  von ihrem treulosen Ehemann abhängig, kann sie sich nicht einfinden und entschließt sich, zurückzukehren, um alleine in London ein selbstbestimmtes Leben aufzunehmen. Doch auch dort hat man nicht auf sie gewartet…)
  • Kureishi, Hanif: Das schwarze Album, Kindler, München 1995
  • Boyle, T.C.: America 1995 (Roman um zwei Paare und deren Geschichte in den USA, die ungleicher kaum sein könnten: Eines sind illegal eingewanderte Mexikaner, das andere gut situierte US-Amerikaner; während ein Handlungsstrang von Ausbeutung und Existenzkampf erzählt, schildert der andere ein liberales Weltbild, das immer mehr von Ressentiments und Rassismus aufgeladen wird – bis irgendwann sogar eine Mauer gebaut wird… Eine Mauer? Ja, genau)
  • Epstein, Helen: Where she came from (dtsch: Dreifach heimatlos, München 1997), (Roman über die bewegende Geschichte der eigenen Familie mit jüdischen Wurzeln, von 1844/45 im dtsch. Iglau über Wien, Prag und Konzentrationslager bis in die USA der heutigen Tage – mit eingeflochtenen Erzählungen über Bräuche und das Alltagsleben, die eindrücklich verdeutlichen, welchen Verlust Europa durch das Verschwinden der jüd. Kultur erlitten hat)
  • Bandele-Thomas, Biyi: In London keine Regenzeit, dipa Verlag 1997
  • Dirie, Waris: Desert Flower, New York City, USA 1998 (dtsch.: Wüstenblume, München 1998) (Autobiographie des somalischen Models und der Aktivistin gegen Frauenbeschneidung, ihre Auswanderung aus Somalia nach London beschreibend, vom vier Jahre langen Leben als isolierter Haushälterin eines Botschafters bis hin zu ihrer privaten und beruflichen Befreiung in Londion und New York)
  • Bandele, Biyi: SW2 – Willkommen in Brixton, dipa 1999
  • Lahiri, Jhumpa: Interpreter of Maladies, 1999 (dtsch.: Melancholie der Ankunft) (Sammlung von 9 Kurzgeschichten, die sich mit Eheproblemen, Fehlgeburt und der Entfremdung zwischen indischen Einwanderern in den USA der 1. und 2. Generation beschäftigt; die Geschichten spielen im Nordosten der USA und in Indien, insbes. in Kolkata)
  • Darko, Amma: Der verkaufte Traum, dtv
  • Smith, Zadie: Zähne zeigen, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main/ Wien/ Zürich, 2000
  • Lahiri Jhumpa: The Namesake, 2003 (die fiktionalen Familie Ganguli stammt aus Kolkata, beide Eltern wanderten als junge Erwachsene in die USA ein, ihre Kinder Gogol und Sonia wuchsen dort auf; die aus dem kulturellen Konflikt zwischen Eltern und Kindern erwachsenden Spannungen sind Thema des Buches)
  • Mankell, Henning: Tea Bag, 2001 (dtsch.: 2003) (Tea-Bag ist ein schwarzes Flüchtlingsmädchen aus dem Sudan, die in Schweden gemeinsam mit ihren russischen und iranischen Freundinnen Schriftstellerin werden will und dazu bei einem Erfolgsautor in die Lehre geht. Nach und nach erfährt er ihre Geschichten)
  • Erdrich, Louise: The Master Butchers Singing Club, USA 2003 (Geschichte zweier Familien, die nach dem 1. Weltkrieg zeitgleich aus Deutschland in die USA auswandern – zum einen der Metzgermeister Fidelis, der traumatisiert aus dem Krieg kam und den letzten Wunsch seines gefallenen Kameraden erfüllt, dessen hochschwangere Verlobte zu heiraten, zum anderen die Hamburger Zirkusartistin Delphine, beide begegnen sich, als er einen Gesangsverein gründet)
  • Dirie, Waris: Desert Dawn, 2001 (dtsch.: Nomadentochter, München 2002) (autobiographische Erzählung über eine Reise nach Somalia zur Nomadenfamilie ihrer Herkunft, die sie vor 20 Jahren verlassen hatte, vermischt mit Kindheitserinnerungen)
  • Nazer, Mende, Lewis, Damien: Sklavin,  Schneekluth, München 2002 (engl. 2005 I am a slave)
  • Reng, Ronald: Mein Leben als Engländer, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003
  • Reng, Ronald: Gebrauchsanweisung für London, Piper, München 2004
  • Aslam, Nadeem: Maps For Lost Lovers, Faber & Faber, London, 2004 (deutsch: Atlas für verschollene Liebende, Rowohlt, Reinbek, 2005: Klage über den Zusammenprall der Kulturen, exemplarisch im Aufeinandertreffen von westlicher Moderne und islamischen Traditionen in einem pakistanischen Viertel einer englischen Kleinstadt)
  • Ronald Reng: Fremdgänger, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005
  • Ali, Monica: Brick Lane, 2002 (dtsch. bei Droemer, München 2005) (Roman, der in London mitten im Viertel der bengalischen Einwanderer spielt und die Geschichte von Nazneen erzählt, einer jungen Frau aus Bangladesh, die 1985 mit 18 in die Stadt kommt und mit dem 20 Jahre älteren Chanu verheiratet wird. Ihr ist es kaum möglich, die winzige Wohnung zu verlassen, Ihr wird keine Bildung zuteil, ebenso ist es ihr unmöglich, das Land kennenzulernen. Zunächst fügt sie sich in ihre Rolle)
  • Hall, Tarquin: Salaam Brick Lane. A year in the New East End, John Murray, London 2005
  • Kureishi, Hanif: Der Buddha aus der Vorstadt, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005
  • Lewycka, Marina: A Short History of Tractors in Ukrainian, Viking, London 2005 (dt.: Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch, dtv, München 2006: Roman über eine ukrainische Einwandererfamilie in England)
  • Krauss, Nicole: The History of Love, 2005 (ein junger Mann liebt eine junge Frau, doch dann naht der Krieg und sie flieht – als jüdische Frau – in die USA, während er in den polnischen Untergrund geht, den Krieg überlebt und sie viele Jahre später in New York wieder trifft)
  • Marsha Mehran: Pomegranate Soup, Random House, New York 2005 (dt.: Das persische Café) amüsanter Roman um drei persische Schwestern, die in einem irischen Provinznest ein Restaurant eröffnen und anfangs ausgegrenzt werden, erst bei einem gemeinsamen Gastmahl werden aus Fremden Freunde und Liebende; Fortsetzung Rosewater and Soda Bread, 2008
  • Zadie Smith: Von der Schönheit, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006
  • Aminatta Forna: Ancestor Stones, London 2006 (dt.: Abies Steine, 2007) (Es beginnt mit einem Brief an eine nach London emigrierte Frau aus Sierra Leone: “Die Kaffeeplantage in Rofathane gehört dir. O yi di. Sie ist da”, schreibt ihr Cousin. Er bittet sie nicht zurückzukommen – er verfügt es. Abie folgt dem Ruf, sie kehrt zurück in das Land ihrer Ahnen, das ihr aus der Kindheit vertraut ist und von dem nun ein Teil ihr gehört – wenn sie ihn will; In Rofathane erwarten sie nicht nur die Landschaft, die Gärten ihrer Kindheit, es erwarten sie vor allem die Geschichten ihrer Tanten – in denen das Bild dieser längst vergangenen Zeit lebendig wird, das Leben von Frauen und ihrem Bestreben, sich aus erdrückenden Strukturen zu befreien, und vom Verschwinden einer spirituellen Welt)
  • Layla Shah: brit and brown, Arche Verlag, Zürich 2006
  • Desai, Kiran: Erbin des verlorenen Landes, Berlin Verlag, Berlin, 2006 (Roman um die Angst eines zur Schulausbildung in die USA geschickten Inders, der scheitert, vor der Rückkehr zum Vater in Darjeeling)
  • Nazer, Mende/Lewis, Damien: Befreit. Die Heimkehr der Sklavin. Droemer/Knaur, München 2007
  • Cleave, Chris: The Other Hand (Originaltitel in GB, Titel in USA und Kanada 2009: Little Bee), Sceptre, 2008 (über eine nigerianische Asylbewerberin, inspiriert von der Kindheit des Autors in West-Afrika)
  • Verghese, Abraham: Cutting for Stone, Random House, New York 2009 (dt.: Rückkehr nach Missing, Insel Verlag, Frankfurt am Main 2011: Familienepos um eine britisch-indische Ärztefamilie in Äthiopien)
  • Monica Ali: In The Kitchen, 2009 (dtsch. Hotel Imperial, Droemer, München 2009) (Spiegelung der multikulturellen britischen Welt in der Küche eines Luxusrestaurants, in dem Liberianer, Russen und Inder arbeiten)
  • Nadj Abonji, Melinda: Tauben fliegen auf, Jung und Jung, Salzburg 2010 (Migrationsgeschichte der Familie Kocsis, aus der ungar. Minderheit in Serbien in die Schweiz ausgewandert, w sich mit einem eigenen Café alles prächtig entwickelt – doch bei einer Urlaubsfahrt in die Heimat ist die Erzählerin hin- und hergerissen zwischen neuem Wohlstand und Erinnerungen der alten Heimat nach dem Bürgerkrieg)
  • Otsuka, Julie: The Buddha in the Attic, Knopf Publishing Group 2011 (hist. Roman über junge Japanerinnen, die Anfang des 20.Jhs. in die USA auswandern, dort aber u.a. durch Diskriminierungen nicht das erhoffte Glück finden)
  • Bezmozgis, David: The Free World, 2011 (dtsch.: Die freie Welt, Kiepenheuer, Köln 2012; schildert die Situation jüdischer Auswanderer aus der Sowjetunion, die in Italien auf ein Visum für die Weiterfahrt warten)
  • Wolfe, Tom: Back to Blood,  Little, Brown 2012
  • Brothers, Caroline: Hinterland, 2012 (dtsch. Niemandsland 2012) (erzählt die entbehrungsreiche und traumatisierende Reise der zwei afghan. Jungen Aryan und Kabir im Alter von 14 und  Jahren auf dem Weg nach Europa, die stellvertretend für Millionen von Kindern inmitten der Flüchtlingsströme dieser Welt stehen)
  • Cole, Teju: Open City, Suhrkamp, Berlin, 2012 (ein Sohn nigerianischer Einwanderer beschreibt sein Grundgefühl als zugezogener New Yorker)
  • Selasi, Taiye: Ghana must go (dt.: Diese Dinge geschehen nicht einfach so, Fischer Verlag, 2013; kosmopolitit.Familienroman: In Boston, London und Ghana sind sie zu Hause, Olu, Sadie und Taiwo. Sechs Menschen, eine Familie, über Weltstädte und Kontinente zerstreut. In Afrika haben sie ihre Wurzeln und überall auf der Welt ihr Leben. Bis plötzlich der Vater in Afrika stirbt. Nach vielen Jahren sehen sie sich wieder und machen eine überraschende Entdeckung. Und sie finden das verloren geglaubte Glück – den Zusammenhalt der Familie. Endlich verstehen sie, dass die Dinge nicht einfach ohne Grund geschehen
  • Zinovieff, Sofka: Athen, Paradiesstraße (Original: The house on Paradise Street, 2012,aus dem Engl. von Eva Bonné), dtv, München 2013 (die Mutter eines in Athen rätselhaft ums Leben gekommeen Journalisten kommt nach 60-jährigem Exil zurück in die Heimat, Roman über Liebe und Verlust sowie die Wunden des griech. Bürgerkriegs)
  • Nayeri, Dina: A Teaspoon of Land and Sea, 2013 (dtsch.: Ein Teelöffel Land und Meer) (autobiogr. geprägter Roman über die Kindheit und Jugend des Mädchens Saba im Iran sowie ihre Migration in die USA und die Rückkehr in den Iran, bei der sie sich die Frage stellt, wie es ihr und ihrer Familie wohl ergangen wäre, wenn sie nicht ausgewandert wären)
  • Adichie, Chimamanda Ngozi: Americanah, Alfred A. Knopf, 2013 (Geschichte einer Nigerianerin, die zum Studium in die USA kommt, während ihr Freund als Illegaler in London lebt – sie treffen sich wieder in Lagos…)
  • Bulawayo, NoViolet: We Need New Names, 2013 (deutsch 2016: Wir brauchen neue Namen; Es gab eine Zeit, da lebte Darling in einem richtigen Haus und ihren Eltern ging es gut, doch dann walzten Bulldozer die illegal errichteten Häuser nieder, sie eben jetzt in der Elendssiedlung Paradise der Vater schickt kein Geld mehr aus dem Ausland, und als er zurückkehrt, ist er todkrank; doch dann holt ihre Tante sie aus Simbabwe in die USA; autobiograf. Erzählung vom Verlust von Heimat und Identität)
  • Eskandarian, Ali: The golden years, 2013 (dtsch.: Die goldenen Jahre, Berlin 2015) (Erzählung von einer „verlorenen Generation“: iranische Exilanten in den USA zwischen jugendlicher Verschwendung und scheiternder Selbstfindung im Spagat zwischen den Kulturen – man verlässt einen äußerst autoritären Staat und kommt in einen weitgehend verwahrlosten… ist für alle zu viel und manche fatal)
  • Lahiri, Jhumpa: The Lowland, 2013 (dtsch.: Das Tiefland, 2014) (ein 60 Jahre umspannender Roman, der in Indien und den USA spielt und die Geschichte einer indischen Familie mit zwei ungleichen Söhnen erzählt, die beide – ob maoistischer Revolutionär oder Student – in einem Kokon leben)
  • McCarten, Anthony: Funny Girl, 2014 (dtsch.: Funny Girl, Diogenes 2014) (Azime aus London wird zur ersten bekannten muslimische Komikerin, als sie meint, sich gegen Terror und Gewalt wehren – also engagieren – zu müssen, die Presse feiert sie, ihre Familie verstößt sie jedoch. Es wird ernst. Und immer komischer)
  • Shteyngart, Gary: Little Failure. A Memoir. Random House, New York City 2014 (dtsch.: Kleiner Versager) (erzählt, wie man als Kind jüd.-russ. Einwanderer die USA erlebt)
  • Sudhir Venkatesh: Floating City, 2014 (soziologische Besichtigung der Underground-Ökonomien von New York)
  • Alice Goffman: On the run, 2014 (romanhafte soziologische Dissertation über den Strafverfolgungsdruck in den schwarzen Vierteln von Philadelphia)
  • Shafak, Elif: The architect’s apprentice, Viking, New York/ London 2014 (dtsch. Der Architekt des Sultans, Kein & Aber, Zürich/ Berlin 2015), (Episches Abenteuer des jungen Inders Jahan, der vom Schah nach Istanbul gesandt wird, um dem Sultan ein Geschenk zu machen – er bleibt und wird Assistent des Architekten Sinan)
  • McCarten, Anthony: Funny Girl (dtsch unter gleichem Titel, Diogenes, Zürich 2014) (ein schüchternes kurdisches Mädchen wächst in London auf, in zwei Welten mit klaren Regeln, zwischen denen es gewaltig knirscht – nach einem Terroranschlag weiss sie, dass sie etwas tun muss und wird zur weltweit ersten muslimischen Komikerin)
  • Leavitt, David: Späte Einsichten, Hamburg 2015 (unter den Tausenden von Flüchtlingen, die 1940 in Lissabon auf das nächste Schiff in die USA warten, sind auch zwei Paare, die im Mittelpunkt des Romans stehen – die anderen gestrandeten Flüchtlinge bilden aber nur die Staffage für ein privates Drama)
  • Bonert, Kenneth: Der Löwensucher, Zürich 2015 (geradezu biblisches Flüchtlingsepos über litauische Juden, die 1937 auf dem Weg nach Südafrika sind, die aber niemand aufnehmen will, weshalb sie zurückkehren)
  • Gardam, Jane: Ein untadeliger Mann, 2015 (Roman über ein britisches Paar im Ruhestand, das nach Jahrzehnten ihr gesichertes Leben in Hongkong aufgeben und nach England ziehen, zugleich ein Roman über „Raj-Waisen“, jene britischen Kinder, die von ihren Eltern von Empire-Außenstellen wie Malaysia oder Indien zurück „nach Hause“ zu Pflegeeltern geschickt wurden)
  • Irving, John: Avenue of Mysteries, 2015 (dtsch. Straße der Wunder, 2016) (Juan Diego und Lupe sind Müllsammelkinder in Mexiko. Ihre einzige Überlebenschance: der Glaube an die eigenen Wunderkräfte: zwei junge Migranten auf der Suche nach einer Heimat)
  • Gowda, Shilpi Somaya: The golden son, 2015 (dtsch. 2016: Der goldene Sohn) (In einem indischen Dorf leben die Kinder Anil und Leena in Nachbarschaft. Während Anil zunächst zum Medizinstudium in die nächste Großstadt und im weiteren Verlauf seiner Ausbildung in die USA zieht, wird Leena mit einem Mann verheiratet, den ihre Familie für sie ausgewählt hat – später treffen sie sich wieder)
  • Mbue, Imbolo: Behold the dreamers, USA 2016 (ein junger Kameruner kommt 2007 in die USA und hofft, ein respektierter Mann zu werden – später kommen Frau und Kind nach und es gelingt ihnen, ohne viel Geld glücklich zu sein – bis ihr Touristenvisum abläuft und es ihm zwar gelingt, Chauffeur eines Bankers bei Lehman Brothers zu werden, doch dann wird dieser von der Subprime-Krise eingeholt)
  • Proulx, Annie: Barkskins, USA 2016 (dtsch.: Aus hartem Holz, 2017), (zwei verarmte Franzosen wagen Ende des 17. Jhs. einen Neustart in im Norden Kanadas und finden sich unter elenden Bedingungen als Holzfäller wieder, doch während der eine dort bleibt und eine Indianerin heiratet, startet der andere ein Business)
  • Yaa Gyasi: Homegoing, USA 2016 (dtsch.: Heimkehren, 2017) (obwohl Effia und Esi Schwestern sind, lernen sie sich nie kennen, denn ihre Lebenswege verlaufen von Anfang an getrennt: Im Ghana des 18. Jhs. heiratet Effia einen Engländer, der im Sklavenhandel zu Reichtum und Macht gelangt, Esi dagegen wird als Sklavin nach Amerika verkauft. Während Effias Nachkommen über Jahrhunderte Opfer oder Profiteure des Sklavenhandels werden, kämpfen Esis Kinder und Kindeskinder ums Überleben: von den Plantagen der Südstaaten bis zu den Jazzclubs des 20. Jhs. : Hat die vorerst letzte Generation endlich die Chance, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, den sie Heimat nennen kann und wo man nicht als Menschen zweiter Klasse angesehen wird?)
  • Barry, Sebastian: Days Without End (dtsch.: Tage ohne Ende), USA 2016 (Thomas McNulty flieht vor der großen Hungersnot in Irland während der Indianerkriege und des amerikanischen Bürgerkriegs nach Nordamerika, jobbt erst als junger Saloon-Tänzer in Frauenkleidern, dann wird er Soldat – und mitschuldig an der Ausrottung der Indianer; er findet aber auch seine große Liebe: einen Mann)
  • Sauma, Luiza: Flesh and Bone and Water (dtsch.: Luana), 2016 (Ipanema im Sommer 1985: Das sorgenfreie und wohlbehütete Leben von André findet ein jähes Ende, als seine Mutter bei einem Autounfall stirbt, der Sechzehnjährige findet bei dem Dienstmädchen der Familie und ihrer Tochter Luana Trost, allen Widrigkeiten zum Trotz verlieben sich die zwei, bis die jugendliche Unbeschwertheit an der Wirklichkeit zerbricht; 30 Jahre später bekommt André, der mit seiner Frau und zwei Töchtern in London lebt, einen Brief von Luana  und reist nach Brasilien, in seine Heimat und Vergangenheit, um sich endlich der Verantwortung zu stellen, vor der er als junger Mann geflohen war, doch er kommt zu spät).
  • Rushdie, Salman: The Golden House, 2017 (dt.: Golden House 2017) (Nero Golden, das Oberhaupt eines indischen Verbrecherclans ist mit seinen drei erwachsenen Söhnen vor ein paar Jahren nach New York gezogen und hat sich eine junge Russin zur Frau genommen. Der junge Filmemacher René wohnt im Nachbarhaus und ist fasziniert von der Familie, die ihm besten Stoff für ein Drehbuch liefert: Aufstieg und Fall eines skrupellos ehrgeizigen, narzisstischen und mediengewandten Schurken, der Make-up trägt und sich die Haare färbt. René wird Zeuge und in einer folgenschweren Episode sogar Teilhaber des dekadenten Treibens im Golden House)
  • Shamsie, Kamila: Home Fire (frz. Embrasements), Großbritannien 2017 (Roman rund um die Frage, wie mit jungen Westlern umzugehen ist, die islamistische Kämpfer geworden sind – ihre Rückkehr akzeptieren oder sie fern der Heimat, die sie verraten haben, belassen? Die Frage und ihre Antwort wird – inspiriert vom Antigone-Mythos – anhand der Geschichte zweier engl. Familien pakist. Herkunft entwickelt, deren Kinder ein Liebespaar wurden und die für die Rückkehr eines Bruders aus Syrien kämpfen, aber am prinzipientreuen Vater – dem amtierenden brit. Innenminister – scheitern)
  • Bijan, Domia: The Last Days of Café Leila, USA 2018 (dt.: Als die Tage nach Zimt schmeckten, Ullstein Berlin) (Als Jugendliche kam Noor aus dem Iran nach San Francisco, wurde Krankenschwester, heiratete, bekam eine Tochter – aber dann zerbricht ihre Ehe und sie geht 30 Jahre nach ihrer Auswanderung mit ihrer Tochter zurück in den Iran; die Ankunft aber ist ein Schock: Bis auf das Café, das ihre Familie seit den 1920er-Jahren leitet, unverändert erscheint und ihnen und den Gästen ein Zuhause bietet, ist alles anders; es folgt eine lange Auseinandersetzung mit der früheren Heimat, an deren Ende die Tochter in die USA zurück geht, Noor aber bleibt)
  • Obioma, Chigozie: An Orchestra of Minorities (dtsch.: Das Weinen der Vögel, Piper 2019), (aus Sicht eines Erzählers der „Chi“, einem Schutzgeist der nigerianischen Igbo-Ethnie, wird eine Geschichte, genauer gesagt: Chi’s Verteidigungsrede erzählt: Der heimatverbundene Geflügelfarmer Chinonso begegnet einer Frau, die in England studiert hat und ein mondänes, dem Westen zugeneigtes Leben führt, natürlich verlieben sie sich und er entscheidet sich für den Weg des gesellschaftl. Aufstiegs und geht nach Zypern, wodurch das Unglück seinen Lauf nimmt)
  • Akhtar, Ayad: Homeland Elegies (dt.: Homeland Elegien), New York 2020 (großer, viel beachteter  Heimatroman eines Sohns pakist. Einwanderer in die USA, der nie richtig ankam und sich trotz vieler Niederlagen standhaft weigert, seine Hoffnung auf ein besseres Amerika aufzugeben, obwohl er gedemütigt wird: an 9/11 steht er in einer Schlange, um Blut zu spenden und muss hören, dass man sein „dreckiges arabisches (!) Blut£“ nicht wolle – es ist aber auch die Geschichte einer kollektiven Niederlage: des moralisch-ökonomiscxhen Zusammenbruchs eines Landes in Trump-Zeiten)

c) französischsprachige Literatur

  • Soupault, Philippe: Le Nègre, Paris 1897 (Geschichte der Freundschaft und des interkulturellen Zusammentreffens zw. dem Ich-Erzähler une einem schwarzen Dandy, der sich von London über Paris bis Lissabon „herumtreibt“ und mit seinem Leben wenig anfangen kann)
  • Socé, Ousmane: Mirages de Paris, Nouvelles Editions Latines, Paris 1937 (der erste afrik. Grossstadtroman überhaupt, thematisiert durch die augen eines senegalesischen Studenten das durch die kolonialistische Schule geförderte frankozentristische Paris-Bild der Kolonialzeit, das sich vom imaginierten Paradies zur Hölle entzaubert)
  • Werth, Léon: 33 jours (dtsch.: 33 Tage), geschrieben 1940, veröffentlicht erst 1992 (Nachdem 1940 die dtsch. Truppen in Frankreich eingefallen sind, fliehen Tausende Einwohner aus Paris, darunter auch der Autor und seine Frau, die hoffen, sich in unbesetztes Gebiet retten zu können. Aus einer geplanten achtstündigen Fahrt werden 33 Tage inmitten eines gewaltigen Exodus. Wie kein anderer erzählt L.W. in seinem erschütternd aufrichtigen Bericht, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein, beschreibt Opportunisten, Kriegsgewinnler und Menschenfreunde)
  • Camus, Albert: L’Étranger, Gallimard, Paris, 1942 (dt.: Der Fremde, Rauch, Boppard, 1948)
  • Kossovitz, Mathieu: La haine, Paris 1951
  • Chraibi, Driss: Les boucs, Éditions Denoel, Paris 1955 (dtsch: Sündenböcke, Donata Kinzelbach, Mainz 1994) (Erschütterndes Bild der Situation marokkanischer Migranten in Frankreich: Der Roman folgte auf Chraibis Buch „Le passé simple“, einer unbarmherzigen Kritik der marokkanischen Gesellschaft, die zum Skandal wurde, „Les boucs“ handelt vom Schicksal arabischer Migranten in Frankreich, die einerseits kaum willkommen waren, andererseits selbst buchstäblich auf den Hund kamen und sich in ihrem Elend so verhielten, wie man sie schon in rassistischen Klischees sah. Auch die fremde, die französische Gesellschaft, bot somit keine Alternative einer besseren Zivilisationsform)
  • Camus, Albert: La chute, Librairie Gallimard, Paris 1956 (dt.: Der Fall, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1957)
  • Sadji, Abdoulaye: Maimouna, Paris 1958 (Roman über ein junges, „unschuldig träumendes“ Mädchen, das mit seiner Mutter in einem senegalesischen Dorf fernab „zivilisatorischer Errungenschaften“ aufwächst und dann seiner Schwester in die Metropole Dakar folgt, wo sie erst das völlig andere Leben genießt, ehe sie im Kontext der ihr aufgezwungenen Heiratsfrage und einer freieren Liebesgeschichte zum Opfer der Großstadt wird)
  • Duras, Marguerite: Hiroshima mon amour, 1959
  • Dadié, Bernard: Un Nègre à Paris, Présence Africaine, Paris 1959 (eine Art Briefroman eines Mannes aus der Elfenbeinküste mit vielen Parodien und Wortspielereien, der die frz. Zivilisation und ihre Selbstmystifizierung dekonstruiert)
  • Horia, Vintila: Dieu est née en Exil, 1960 (Beschreibung des Loses des exilierten Menschen schlechthin anhand einer Pseudo-Autobiografie des antiken Dichters Ovid, der von Augustus verbannt wurde)
  • Kane, Cheikh Hamidou: L’aventure ambiguë, domaine étrangère, Paris 1961 (Aufenthalt, Exitsenzkrise und Rückkehr eines senegalesischen Studenten in Paris)
  • Schehadé, Georges: L’Émigré de Brisbane, Gallimard, Paris 1965
  • Charrière, Henri: Papillon, 1969 (autobiogr. Bericht eines frz. Strafgefangenen, der mehrfach aus einem Bagno in Frz. Guayana ausbricht, schließlich in Venezuela die Freiheit erlangt und dort bleibt)
  • Selmi, Habib: Die Städte des Emigranten, 1977
  • Le Clézio, Jean-Marie Gustave: Désert, 1980 (dt.: Wüste, Kiepenheuer & Witsch 1989) (Geschichte einer in der Wüste aufgewachsenen Marokkanerin, die die Not in die Großstadt Marseille treibt)
  • Laferrière, Dany: Comment faire l’amour avec un nègre sans se fatiguer (dtsch.: Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden), Paris 1985 (Anfang der 1980er Jahre hausen zwei arbeitslose schwarze Migranten in einer versifften Einzimmerwohnung im kanadischen Montreal: Der eine liegt auf der Couch, hört den ganzen Tag Jazz, liest im Koran und zitiert Freud. Der andere schreibt auf dem ihm einzig wichtigen Besitz, seiner Remington 22 . Das weckt die Neugier der weißen Studentinnen der angesehenen McGill-Universität und die bildungshungrigen Bürgertöchter werden zu Dauergästen in der Bude der Habenichtse. Für die beiden Freunde sind sie alle eine »Miz«. Miz Literatur, Miz Snob, Miz Sophisticated Lady, Miz Suizid … und aus dem Versuch, sich einen Reim darauf zu machen – unter Befragung der literarischen Tradition jeglicher Couleur -, wächst der Roman in einer souveränen, gewitzten Sprache, wird aus dem exotischen Lover ein Autor. Es geht um das Begehren zwischen Schwarz und Weiß, auf allen Beziehungsebenen, auf denen Stereotypen zwischen den Rassen wirksam werden)
  • Goytisolo, Juan: En los reinos de taifa, Seix Barral, Barcelona 1986 (dt.: Die Häutung der Schlange. Ein Leben im Exil, Carl Hanser Verlag, München, 1995), (Intellektuelle Autobiografie und Zeitzeugnis des spanischen Literaten im französischen Exil der 1960er-Jahre sowie seiner Reisen u.a. in die arabische Welt)
  • Ben Jelloun, Tahar: Les yeux baissés, Éditions du Seuil, Paris 1991 (Ein Mädchen in einem armen Dorf im Süden Marokkos erzählt ihr Leben ohne den Vater, der als Arbeitsmigrant in Paris ist, bis er plötzlich kommt und die Familie mitnimmt ins Viertel La goutte d’or)
  • Memmi, Albert: Die Fremde, Verlag Donata Kinzelbach, Mainz 1991 (Rückkehr eines tunesischen Medizinabsolventen aus Frankreich mit seiner französischen Frau in die Heimat)
  • Portante, Jean: Mrs Haroy, ou, La mémoire de la baleine, Echternach 1993 (dt.: Erinnerungen eines Wals, 2007) (autobiogr. geprägter Migrations-, Entwicklungs- und Künstlerroman, der die Kindheit des Ich-Erzählers im Luxemburg der 50er Jahre erzählt, den Identitätskonflikten des Migrantenkindes zw. versch. kulturellen und sprachlichen Welten sowie der späteren Rekonstruktion von Biografie und Vergangenheit im Schreibprozess; der Wal steht dabei als ursprünglich vom Festland stammender Meeressäuger für die Stellung des Migranten zwischen Heimat- und Ankunftsland)
  • Tournier, Michel: Eléazar ou la Source et le Buisson, Paris 2006 (Roman, der die Geschichte einer irischen Kolonistenfamilie auf dem Weg nach Amerika beschreibt)
  • Ben Jelloun, Tahar: Les raisons de la galère, Paris 1996 (dt. 2007: Die Früchte der Wut, Berliner Taschenbuch-Verlag), (ein Roman rund um das Leben der jungen Nadia, die als Kind algerischer Zuwanderer in der Pariser Banlieue aufwächst und – kompromisslos gegen zwei Seiten  revoltierend – ihren Weg in die Freiheit geht)
  • Kundera, Milan: La ignorancia, Spanien 2000 (Original frz., dtsch.; Die Ausgewanderten) (vordergründig ein Roman über zwei tschech. exilanten, Irina in Paris und Josef in Kopenhagen, die sich bei einer Rückkehr-Reise kennen lernen, aber eben doch kein Paar werden – man weiss nichts voneinander und versteht sich nicht – was auch für die in der Heimat verbliebenen gilt. Heimat, Heimweh und Sehnsucht werden entzaubert, frühere Gemeinsamkeiten werden viele Jahre später noch immer von den Folgen des kalten Krieges zerstört)
  • Bahéchar, Souad:  Ni fleurs ni couronnes, Editions Le Fennec, Casablanca 2000 (dt.: Wüstenkind, München 2003) (Flucht eines Mädchens aus der Repression des Dorfes nach Tanger, wo sie sich – väterlich betreut von einem italienischen Migranten – selbst findet)
  • Abouet, Marguerite : Aya De Yopougon (6 Bände), Gallimard, Paris, 2005-10 (feministischer Comic rund um die junge Frau Aya und mehrere Familien eines Vorortes von Abidjan/ Elfenbeinküste, von denen mehrere immer wieder davon träumen, nach Paris zu gehen bzw. das umsetzen – spielt in den 1980er-Jahren, als das noch ohne Visum ging)
  • Kourouma, Ahmadou: Allah n’est pas obligé, Paris 2000 (in vorgegebener autobiografischer Form verfasste unverblümte Lebensgeschichte eines mutmaßlich ivorischen Kindersoldaten in den Wirren der Bürgerkriege in Liberia und Sierra Leone während der 1990er-Jahre, sprachlich faszinierend)
  • Abdulrazak Gurnah: By the Sea, Bloomsbury, London 2001 (dtsch.: Ferne Gestade, Edition Koppa, München, Wien 2002), (mit diesem Roman und seinem Vorgänger „Admiring Silence“ von 1986 („Donnernde Stille“), in dem ein namenloser Ich-Erzähler nach 20 Jahren in England wieder nach Sansibar zurückkehrt, wendet sich der Literaturnobelpreisträger von 2021 der Migration zu, die auch zu seiner Lebensrealität gehört: 1964 wurde die arabische Elite, die 200 Jahre lang über die afrikanische Mehrheit auf Sansibar herrschte, gestürzt; es folgten Massaker, Gurnah und viele andere verließen Sansibar Richtung England)
  • Selmi, Habib:  Ushshâq Bayya, arab. 2002, frz.  Les amoureux de Bayya, Actes Sud 2003 (dt.: Bajjas Liebhaber, Lenos Verlag, Basel 2006)
  • Guène, Faïza: Kiffe kiffe demain (dt.: Paradiesische Aussichten), Frankreich 2004 (der Titel nimmt Bezug auf den Jargon der Vorstadtjugend und heißt so viel wie „morgen immer das Gleiche“, der von der damals 19-jährigen Autorin geschriebene Roman schildert in einem Monolog die Geschichte eines 15-jährigen Mädchens marokkanischer Herkunft, das allein mit seiner Mutter aufwächst, in einem leichten, mit schnoddrigen Ausdrücken durchsetzten Stil wird der wenig paradiesische Alltag in den Cités geschildert, der für die Heldin am Ende doch noch eine glückliche Wende findet)
  • Ben Jelloun, Tahar: Partir, Ed. Gallimard, Paris 2006 (dt: Verlassen, Berlin Verlag 2006) (Tanger nordwärts über das Meer verlassen – das ist die Obsession einer ganzen Generation, so auch die von Azel, der es tatsächlich schafft, der einen Hölle zu entkommen, nur um in einer andeen zu landen)
  • Guène, Faïza: Du rêve pour les oufs (dt.: Träume für Verrückte), Frankreich 2006 (Schilderung des Lebens einer jungen algerischen Frau ohne gültige Aufenthaltspapiere, die nach dem frühen Tod der Mutter und dem Unfall des Vaters in Frankreich den Kampf ums Überleben der Familie aufnehmen muss)
  • Elayoubi, Fatima: Prière à la lune, 2006 (autobiogr. Buch einer nach Frankreich ausgewanderten Marokkanerin)
  • Giraud, Brigitte: Das Leben der Wörter, Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2007 (Suche nach der eigenen Herkunft in Algerien)
  • Dany Laferrière: Je suis un ecrivain japonais, Paris 2008 (dt.: Ich bin ein japanischer Schriftsteller, 2020) (Es ist nur ein Titel: »Ich bin ein japanischer Schriftsteller«. Er hat nicht vor, das Buch zu schreiben. Doch der Titel lässt ihn nicht los. Er träumt davon, ein japanischer Schriftsteller zu werden und fragt sich, was steckt dahinter, woher kommt diese Obsession? In den Fußstapfen des japanischen Dichters Basho macht er sich in Japan und seiner Heimat Montreal auf die Suche, begegnet der Sängerin Midori, die gerade dabei ist, die kanadische Musikszene zu erobern. Von ihr und ihrer Clique queerer Manga-Mädchen und einem androgynen Fotografen fühlt er sich erotisch so angezogen, dass er ohne sie nicht mehr leben kann, als jedoch eines der Mädchen Selbstmord begeht, sieht er sich plötzlich in einen Mord verwickelt. Dass ein Ausländer, noch dazu ein Schwarzer, behauptet ein japanischer Schriftsteller zu sein, verstört die nationale Befindlichkeit in Japan. Das japanische Konsulat in Montreal wird auf ihn angesetzt; er wird in Japan berühmt für ein Buch, das er nicht geschrieben hat und versucht sich vor japanischen Fans zu retten. Ein Buch für alle, die gerne mal jemand anderes wären: Identität und Alterität – worin sind wir uns ähnlich, worin unterscheiden wir uns?)
  • Pécassou-Camebrac, Bernadette: La dernière bagnarde, Flammarion 2011 (Beschreibung des furchtbaren Lebens von Marie und anderen im 19. Jahrhundert nach Französisch Guayana verbannten armen und kleinkriminellen frz. Frauen, die dort mit männlichen verbannten Kriminellen zu leben haben)
  • Elayoubi, Fatima: Enfin, je peux marcher seule, 2011
  • Sinha, Shumona: Assommons les Pauvres ! (dtsch.: Erschlagt die Armen !), 2011, Roman über ihre Erfahrungen als Mitarbeiterin einer frz. Asylbehörde
  • Maalouf, Amin: Les désorientés, Paris, 2012 (Auswanderung eines Historikers zu Beginn des libanesischen Bürgerkriegs nach Frankreich, seine Verletzungen zwischen zwei Kulturen, gejagt von der Vorstellung einer unmöglichen Rückkehr)
  • Tuil, Karine: L’invention de nos vies, Paris 2013 (dtsch: Die Gierigen, Berlin 2014) (Porträt eines gnadenlosen Aufsteigers aus dem Migrantenmilieu, dessen Karriere als Staranwalt in New York auf der Lüge basiert, seine arabische Herkunft verborgen zu haben und sich stattdessen der Identität seines jüdischen Freundes bedient zu haben – den er 20 Jahre später in Paris wieder trifft…)
  • Thomas, Chantal: L’Échange des princesses, 2013 (Um Frieden mit Spanien zu schließen, hat der französische Regent Philipp von Orléans 1721 eine ganz besondere Idee: Der elfjährige Thronfolger Ludwig XV soll mit der gerade einmal vier Jahre alten Tochter des spanischen Königs, Maria Anna Victoria, verheiratet werden. Um den angestrebten Frieden zu gewährleisten, bietet der König außerdem an, seine 12-jährige Tochter, Mademoiselle de Montpensier mit dem Prinzen von Asturien vermählen zu lassen: beide Angebote werden angenommen, am Grenzfluss soll der Austausch stattfinden – doch was die königlichen Strategen nicht bedacht haben, ist, dass die Vermählten in spe ihren eigenen Willen durchsetzen wollen)
  • Fleutiaux, Pierrette: Destiny, Actes Sud 2016 (eine weiße französische Großmutter begegnet einer schwarzen jungen Schwangeren, die als Flüchtling aus Nigeria kam und sich „Destiny“ nennt – hilfsbereit die eine, verzweifelt die andere, entwickelt sich – bar jeden Kitsches – eine von großer Humanität geprägte Beziehung)
  • Portante, Jean: L’architecture des temps instables, Paris 2016 (Roman mit autobiographischen Zügen zum Leben italienischer Migranten in Luxemburg mit grossen und kleinen Tragödien in und zwischen den Kriegszeiten des 20.Jh.)
  • Ombasic, Maya: Mostarghia, 2016 (erzählt von der Kindheit der heute in Kanada lebenden Autorin im früheren Jugoslawien ab 1991 und beschreibt die Geschichte der Familie als Flüchtlinge, es ist die Historie jenes Landes durch die Augen ihrer Familie)
  • Madjidi, Maryam: Marx et la Poupée, Paris 2017 (Autobiografischer Roman einer Franko-Iranerin, die als Kind kommunistischer Eltern im Iran aufwächst und in Revolutionszeiten nach schlimmen Repressionserfahrungen mit ihren Eltern im Alter von 5 Jahren das Land verlässt und als Erwachsene in Frankreich ihre ganz eigene Sprache findet)
  • Lê, Linda: Héroïnes, Paris 2017 (Roman über zwei in Frankreich lebende vietnamesischstämmige Frauen, die per E-Mail über Fragen der Kunst, die Liebe, die Revolution und das Exil kommunizieren, ohne sich je begegnet zu sein)
  • Diallo, Elisa: Fille de France (dtsch.: Französisch verlernen, 2021), Paris 2019 (die Autorin, Tochter einer frz. Mutter und eines guineischen Vaters, wandert aus Angst vor Rassismus in Frankreich nach Deutschland aus, lässt sich – wohlüberlegt – einbürgern, schwimmt also gegen den Strom, auch, um eine „Back-up-Nationalität“ für den Fall der Fälle zu haben; Deutschland scheint wegen der Schuldgefühle durch den Holocaust sicherer zu sein, als ihr Herkunftsland)
  • Bulle, Estelle-Sarah: Là où les chiens aboient par la queue, Paris 2018 (Roman, der die Geschichte der in den 1960er- und 70er-Jahren von den Antillen nach Paris gekommenen Menschen exemplarisch anhand einer Familie aus Guadeloupe erzählt und auch sprachlich darstellt – ein sehr elegantes Französisch im Dialog mit Kreolisch; einem Kind – der Autorin – wird in zwei Erzählsträngen das Leben von Tante Antoine und ihres Vaters seit den späten 1940er-Jahren erzählt)
  • Gallo, Francoise: La Fortuna, Paris 2019 (Giuseppa La Fortuna spürt auf der Suche nach ihrer Identität den Szenen nach, die dem Moment vorangingen, als sich ihr Leben änderte indem sie mit ihrem Mann und ihren Kindern 1901 per Schiff von der sizilianischen Heimat nach Tunesien reist; die Autorin erzählt anhand ihres Schicksals der Querung des Meeres wie in einer Zeitreise auch die Geschichte Siziliens, das sich im 20. Jahrhundert durch Auswanderung leerte)
  • Shalmani, Abnousse; Les exilés meurent aussi d`amour, Paris 2020 (tragikomischer Familienroman rund um die neunjährige Shirin, deren kommunistische Eltern und viele Tantennach Paris ziehen, wo sie in einem Klima von revolutionären Komplotten und Intrigen aufwächst – als junge Frau lernt sie dann Omid, einen iranischen Juden kennen und versteht, wie wenig Liebe es in ihrer eigenen exilierten Familie gibt)
  • Slimani, Leila: Le Pays des autres, Paris 2020 (Teil 1 einer autobiogr. Trilogie von 1940 bis heute: 1944 verliebt sich die junge Elsässerin Mathilde in Amine Belhaj, einen marokkanischen Soldaten der frz. Armee, dem sie nach der Befreiung in dessen Heimat folgt, sie leben in Meknes, einer Stadt, in der die koloniale Segregation besonders stark spürbar ist, bauen eine Farm auf und bekommen Kinder – doch Mathilde fühlt sich einsam zwischen den „Fronten“ von Kolonialherren und Einheimischen, während ihr Mann von versch. Seiten angefeindet wird, ebenso wie ihre Tochter – es herrscht ein Klima der Gewalt; der Roman endet mit der Unabhängigkeit 1956, Quelle)
  • Manotti, Dominique: Marseille 73, Paris 2020 (dt.: Marseille.73) (elf Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens schwelt es an der Côte d’Azur, bei Teilen der Marseiller Polizei gehört Rassismus zum guten Ton – da wirkt der Mord an einem französischen Busfahrer wie ein Signal zur Eskalation, Scharfmacher schüren die Pogromstimmung, ein Junge wird auf offener Straße niedergemäht. Bei dieser reellen rassistischen Mordserie werden in 6 Monaten etwa 50 Araber ermordet, man ermittelt halbherzig und schlampig – bis Commissaire Daquin auf den Plan tritt. Doch er ist kein Marseiller …)
  • Bonnefoy, Miguel: Heritage, Paris 2020 (weit mehr als eine Familiengeschichte des Autors mit chilenischem Vater und venezoleanischer Mutter: Sie beginnt im 19. Jh. mit einem ruinierten Weinbauern im Jura, der auszuwandern beschliesst, aber nicht in die USA gelangt, wie erhofft, sondern nach Chile – die Geschichte beschreibt auch das Leben seiner Kinder bis hin zu seinem Sohn, der in einem Gefängnis der chilen. Diktatur gefoltert wird und seiner Tochter, die eine flugpionierin wird)
  • Guène, Faïza: La discrétion, Frankreich 2020 (deutlich autobiographischer, sehr persönlicher Roman über die persönliche Entwicklung von drei Generationen einer nach Frankreich emigrierten algerischen Familie, in dem die Mutter im Mittelpunkt steht, die ihrem in frz. Minen arbeitenden Mann erst Jahrzehnte später in die Pariser Banlieue nach Aubervilliers folgt und dort ein aufopferungsvolles, stilles und resigniertes Leben lebt, während ihre Kinder sich voll Selbstvertrauen als Franzosen fühlen und in heissen Diskussionen die demütige Haltung der Eltern kritisieren)
  • Marie N`Diaye: La vengeance m’appartient, Frankreich 2020 (dtsch.: Die Rache ist mein, Suhrkamp, Berlin 2021) (Geschichte von unbezähmbaren Leidenschaften und Ekstasen eines Winters in Bordeaux, mit drei ineinander verwickelten Protagonistinnen: einer Anwältin, die den Fall einer Kindermörderin übernimmt, diese selbst und einer Mauretanierin ohne Papiere, die illegal im Haushalt der Anwältin beschäftigt ist und von dieser bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu einer Marienerscheinung verklärt wird, zugleich aber auch den Dreck der frz. Mittelschicht so liebenswürdig und spurlos wie möglich zu beseitigen hat; also: die Anwältin, die Mörderin und die Heilige als „Portalfiguren“ der aktuellen frz. Gesellschaft, so DIE ZEIT)

d) weitere Sprachen

  • Tanach: Sefer Schemot (ספר שמות), was im hebräischen Original „Buch der Namen“ bedeutet, wurde später als „Exodus“ (vom griech. Eξοδος  = Exodus„ Auszug“) zum 2. Buch Mose in der Bibel. Das 250 v. Chr. endgültig fertiggestellte Buch beschreibt den von Moses geleiteten Auszug der Israeliten aus der Sklaverei unter ägyptischer Herrschaft
  • Blixen, Karen: Out of Africa/Den afrikanske farm (dtsch.: Afrika, dunkel lockende Welt, auch: Jenseits von Afrika), 1937 (autobiografischer Roman über ihre Heirat mit ihrem Cousin Baron Bror von Blixen-Finecke und die auswanderung 1913 nach Kenia)
  • Samuel Joseph Agnon: Gestern, vorgestern, 1945, dt. 1969, Roman, der das Scheitern eines galizischen Einwanderers in Palästina zwischen 1907 und 1913 zum Thema hat, aber auch vom Holocaust und dessen Ende beeinflusst ist
  • George Tabori: Flucht nach Ägypten, Uraufführung 1953 (Ägypten nach dem Zweiten Weltkrieg; Eine Familie aus Wien wartet im Hotel auf ihr Visum nach Amerika – Emigranten in einem Schwebezustand zwischen dem Grauen von gestern und der Hoffnung auf morgen. Hier trifft der Orient auf den Westen. Das Hotel ist bevölkert von Misstrauen, Habgier und Geilheit. In seiner schäbigen orientalischen Eleganz erfüllt sich das Schicksal der Familie)
  • Leopold Tyrmand; Filip, Polen 1959 (Frankfurt-Roman eines rebellischen poln. Autors, der  das Jahr 1943 als Kellner in einem Frankfurter Hotel verbracht und verarbeitet hat – das Buch überrascht mit Witz, Ironie und einer komplett unbekannten Perspektive: Deutschland im Krieg, gesehen durch die Augen eines mit allen Wassern gewaschenen „Fremdarbeiters“)
  • Fredriksson, Marianne: Inge und Mira, Stockholm 1999 (Mira flieht mit ihrer Familie nach Pinochets Militärputsch aus Chile nach Schweden, dort lernt sie in einer Gärtnerei in Stockholm zufällig Inge kennen – eine sensibel und zugleich kraftvoll erzählte Geschichte zweier Frauen im Schweden der 90er Jahre, die nicht unterschiedlicher sein könnten und sich zugleich doch so vertraut sind; ein Buch über die Freundschaft und die Macht der Erinnerung)
  • Salich, Tajjib: Mausim al higra ila s-simal, 1969 (dt.: Zeit der Nordwanderung, Lenos Verlag Basel, 2001)
  • Mrozeck, Slavomir: Emigranci, 1974 (dt. aus dem Polnischen: Emigranten, Berlin, Henschel 1975)
  • Fayad, Luis: Los parientes de Ester, 1978 (dt.: Auskunft über Esters Verwandte, Bornheim-Merten 1987)
  • Mankell, Henning: Mörder ohne Gesicht, Schweden 1991 (in Kommissar Wallanders erstem Fall geht es um einen Mord an einem Bauernehepaar, dessen Täter zunächst unter Asylbewerbern gesucht wird)
  • Nasser, Raduan: Lavoura Arcaica, 1975 (dt.: Das Brot des Patriarchen, Frankfurt/Main 2004)
  • Hoeg, Peter: Fraulein Smillas Gespür für Schnee, 1992 im dänischen Original: Frøken Smillas fornemmelse for sne; deutsch beim Carl Hanser Verlag, München/ Wien, 1994 (Literarischer Thriller um Smilla, die Tochter einer Inuit und eines Dänen und arbeitslose Mathematikerin; der Mord an einem Jungen grönländ. Abstammung ist Ausgangspunkt einer spannungsreichen Geschichte, in der Smilla von der Jägerin bald zur Gejagten wird)
  • Hatoum, Milton: Relato dum Carto Oriente, 1989 (dt.: Emilie oder Tod in Manaus, 1992)
  • Khalifa, Sahar: Das Erbe, Unionsverlag, Zürich, 1992
  • Doulatabadi, Mahmoud: Die Reise, Unionsverlag, Zürich, 1992 (im bitterarmen Leben von Chatum, dessen Mann vor Jahren als Arbeitsmigrant in die Golfstaaten ging, taucht ein neuer Mann auf)
  • Hatoum, Milton: Dois Irmaos, 2000 (dt.: Zwei Brüder, Frankfurt/Main 2002)
  • Adnan, Etel: Sonne zergeht auf der Zunge, Ed. Nautilus, 2004
  • Adnan, Etel: Im Herzen des Herzens eines anderen Landes, Suhrkamp, Frankfurt/Main 2004
  • Taufiq, Suleman: Warten, Lisan Verlag, Basel 2005
  • Cufaj, Beqe: Der Glanz der Fremde, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2005 Roman über zwei kosovo-albanische Männer, die sich nach Stuttgart träumen und dort in einer Parallelwelt eintauchen, deren Befangenheit in den Ehren-, Gewalt- und (ja) Dummheitskodex der albanischen Stammesgesellschaft sie der durchaus vorhandenen Integrationschancen beraubt)
  • Edwars, Jorge: Der Ursprung der Welt, Wagenbach, Berlin 2005 (Roman über Liebe und Intrigen der Exilchilenen in Paris)
  • Edgardo Cozatinsky: Die Braut aus Odessa (aus dem argent. Spanisch von Sabine Giersberg), Quartbuch/ Wagenbach Verlag, Berlin 2005 (sieben Erzählungen über Emigranten im 20. Jh, ihre Spuren führen von Odessa nach Buenos Aires, von Wien und Budapest nach Lissabon und Paris)
  • Adnan, Etel: Von Frauen und Städten, Ed. Nautilus, Hamburg, 2006
  • Terzani, Tiziano: La fine è il mio inizio, Verlag Longanesi, Mailand 2006 (dt.: Das Ende ist mein Anfang, DVA, München 2006)
  • Abdolah, Kader: Die geheime Schrift, dtv München 2007 (Original: Spijkerschrift, Verlag de Geus, Breda 2000) (ausgewanderter Iraner macht sich aufgrund eines Papiers seines Vaters auf die Suche nach der Heimat)
  • Gundar-Goshen, Ayelet: Laila echad, Markowitz, 2011 (dtsch. 2013: Eine Nacht, Markowitz), (Roman aus den Gründungsjahren Israels, mit diversen Persönlichkeiten, die nach Europa gehen, um per Heirat Juden zu retten, zurückkehren und wieder gehen…)
  • Bajani, Andrea: Lorenzos Reise (dt. erschienen bei dtv premium) (Lorenzo und sein Stiefvater warten in Bukarest auf die Rückkehr der ausgewanderten Mutter)
  • Bottini, Oliver: Der kalte Traum, Dumont, Köln 2013 (ein deutscher Abiturient gerät aufgrund seiner kroatischen Herkunft in den jugoslawischen Bürgerkrieg und fällt, 15 Jahre später recherchieren eine Journalistin und ein Geheimdienstagent, ob er eventuell noch lebt – und warum)
  • Günday, Hakan: Daha, Istanbul 2013 (dtsch: Flucht, 2016), (Verstörendes Werk um den jungen Gazâ, der mit 9 Jahren beginnt, seinem Vater Ahad bei der Arbeit zu helfen: Dieser ist Schleuser und Menschenhändler. Gemeinsam nehmen sie die „Ware“ entgegen, lagern sie im „Depot“ im Garten zwischen und transportieren sie dann weiter zur Ägäisküste. Je älter Gazâ wird, umso professioneller geht er vor. Er führt Statistiken, dokumentiert akribisch das Verhalten der Flüchtlinge und stellt anthropologische Studien an. Sein Schicksal scheint sich erst zu wenden, als es zu einem Unfall kommt, bei dem sein Vater stirbt. Tagelang begraben unter einem Berg von Leichen überlebt Gazâ. Er will Anthropologie studieren. Doch auf einmal bricht das Trauma auf. Gazâ ist außerstande, Menschen zu berühren)
  • Mbolela, Emmanuel: Mein Weg vom Kongo nach Europa. Zwischen Widerstand, Flucht und Asyl, Wien 2014 (eindrückliche Schilderung der Flucht, mutig in der Detailtreue, aber auch voller Hoffnung)
  • Backman, Fredrick: En man som heter Ove (dtsch.: Ein Mann namens Ove), 2014 (Tragikomödie rund um Ove, einem einsamen alten Grantler, der jede Gelegenheit nutzt, bei Kontrollgängen in der Nachbarschaft seinen Zorn auf „die Idioten“ um ihn herum heraus zu lassen, die ihren Müll nicht richtig trennen oder falsch parken, was die kontaktfreudige und hochschwangere iranischstämmige Nachbarin Parvaneh nicht daran hindert, ständig bei ihm aufzutauchen – bevorzugt dann, wenn er gerade einen neuen Versuch unternimmt, sich das Leben zu nehmen)
  • Gundar-Goshen, Ayelet: Löwen wecken, Kein & Aber, Zürich 2015 (aus dem Hebräischen) (aufwühlendes Buch über Schuld und Sühne rund um einen Arzt, der in der Wüste einen Eritreer überfährt, Fahrerflucht begeht, zur Sühne aber für dessen Frau kranke illegale Einwanderer mediz. betreuen muss)
  • Melandri, Francesca: Sangue giusto. Rizzoli, Mailand 2017  (dtsch. 2018: Alle, ausser mir; Familiengeschichte und Porträt Italiens im 20. Jahrhundert, eine Geschichte des Kolonialismus und seiner langen Schatten, die bis in die Gegenwart reichen: Die Lehrerin Ilaria staunt nicht schlecht, als eines Tages ein junger äthiopischer Flüchtling vor ihrer Tür in Rom sitzt und sagt, sie sei seine Tante – so erfährt sie, dass es neben ihren älteren Brüdern noch einen Halbbruder gibt, der 1940 in Äthiopien lebte…)
  • Bazyar, Shida: „Nachts ist es leise in Teheran“, Köln 2016 (über eine Zeitspanne von drei Jahrzehnten spannender Roman über ein iranisches Flüchtlingsfamilienschicksal in Deutschland, erzählt im Zehnjahresrhythmus der Jahre 1979 bis 2009, jeweils aus der Sicht eines anderen Familienmitglieds)
  • Schenkel, Andrea Maria: „Als die Liebe endlich war“, Hamburg 2016 (Zeit- oder Epochenroman in Form von zwei sehr verschiedenen deutschen Emigrantengeschichten, die zunächst gesondert voneinander erzählt und dann verknüpft werden: zum einen über die Illusionen eines jüdischen Flüchtlings, den es bis Schanghai verschlägt, zum anderen über eine „Engelmacherin“ während der Nazizeit)
  • Floreso, Catalin Dorian: Der Mann, der das Glück bringt, 2016 (Ray und Elena lernen sich in einer dramatischen Nacht in New York kennen. Sie ist eine Fischerstochter aus dem rumänischen Donaudelta, er ein erfolgloser Künstler, der noch an den Durchbruch glaubt. Sie muss die Asche ihrer Mutter nach Amerika bringen, er will erreichen, was sein Großvater für sich erhoffte; in der Familiensaga, die im 19. Jh. beginnt, geht es um die Suche nach Identität und Herkunft)
  • Schmidt, Kathrin: Kapoks Schwestern, 2016 (Roman um die Rolle der Familien Schaechter und Kapok in den 1920er-Jahren, als Juden während der Nazidiktatur, im Exil in Moskau und der DDR, nach Amerika, Kalkutta und ins wiedervereinigte Deutschland)
  • Julya Rabinowich: Dazwischen: Ich, 2016 (facettenreicher Jugendroman um ein 15jähriges Mädchen in einer Flüchtlingsunterkunft, ihr Ankommen dort, ihre Schwierigkeiten und Kämpfe, die Enge, die Ausgrenzungen, Anstrengungen und Erfolge werden aus der Innenperspektive geschildert, zugleich ein Antikriegsbuch)
  • Llach, Lluís: Die Frauen von La Principal (aus dem Katalanischen), Berlin 2016 (Marias Vater geht mit den vier Brüdern nach Barcelona, sie selbst muss bleiben und das verwalten, was nach dem Sommer 1893 vom Weingut La Principal übrig ist – für sie die Enttäuschung ihres Lebens, doch dann verwandelt sie LA Principal wieder in das bedeutende Anwesen von damals)
  • Hasbún, Rodrigo: Die Affekte (aus dem Spanischen, dtsch. 2017), (der exzentrische Hans Ertl,  einst Riefenstahls erster Kameramann und Rommels „Leibphotograph“ ist im Nachkriegsmünchen verfemt, so geht er in den 1950er-Jahren mit Frau und drei Töchtern nach Bolivien, doch ist auch das neue Leben reich an Spannungen, und für eine Expedition zu einer Inkastadt muss die ganze Familie einen hohen Preis zahlen, v.a. Tochter Monika scheint jeden Halt zu verlieren. Was als persönliche Sinnkrise beginnt, wird zu ihrer politischen Radikalisierung führen und sie im Kampf gegen die Militärdiktatur zu immer extremeren Maßnahmen treiben)
  • Kalisa, Karin: Sungs Laden, Droemer/Knaur 2017 (ausgehend vom kleinen vietnamesischen Laden des studierten Archäologen Sung nimmt eine Völkerverständigung der ganz eigenen Art ihren Lauf, Urberliner und Nachkommen der vietnamesischen Vertragsarbeiter verbünden sich in einer spielerischen Alltagsrevolution – mit exotischem Gemüse, das auf Brachflächen gepflanzt wird un deiner Großmutter, die mit einer Holzpuppe ihr Publikum verzaubert)
  • Grossman, David: Was Nina wusste (Originaltitel in Hebräisch mir unbekannt), Hanser Verlag 2020 (Drei Frauen – Vera, ihre Tochter Nina und ihre Enkelin Gili – kämpfen mit einem alten Familiengeheimnis: An Veras 90. Geburtstag beschließt Gili in einem israel. Kibbuz, einen Film über ihre Großmutter Eva Panic-Nahir, eine jugosl. Berühmtheit als Partisanin gegen die deutschen Besatzer, zu drehen und mit ihr und Nina nach Kroatien, auf eine frühere Gefängnisinsel zu reisen – dort soll Vera ihre Lebensgeschichte endlich vollständig erzählen. Was genau geschah damals, als sie von der jugosl. Geheimpolizei unter Tito verhaftet wurde? Warum war sie bereit, ihre sechseinhalbjährige Tochter wegzugeben und ins Lager zu gehen, anstatt sich durch ein Geständnis freizukaufen? Die Zeitreise als Roman einer Familie beruht auf einer realen Geschichte)
  • Daas, Fatima: La petite Dernière (dtsch.: Die jüngste Tochter), 2020 (eine 25jährige Französin algerischer Herkunft, Muslimin und lesbisch, in einem Pariser Vorort lebend, aber anders als ihre älteren Geschwister kein Arabisch beherrschend, schreibt ihr Debütwerk – und wird gefeiert wegen ihrer Unerschrockenheit und verletzlichen Offenheit in allen Widersprüchen, zu denen sie steht; die Geschichte ist freilich Autofiktion, mischt Bekenntnis und Erfindung – die Autorin entschied sich, keine ihrer verschiedenen Identitäten aufzugeben und sie in ihren Widersprüchen zu akzeptieren)

Quellen: diverse Tages- und Wochenzeitungen, Wikipedia und Empfehlungen des Buchladens in Saarbrücken

Ausgewählte Belletristik zu Migrationsthemen © Ekkehart Schmidt

2 Kommentare
  1. Eine aufwändige und spannende Zusammenstellung, danke für Deine Arbeit. Grüße.

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